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RP-Sommergespräch mit der Gemeinschaft Unabhängiger Tönisvorster (GUT)

RP-Sommergespräch mit der Gemeinschaft Unabhängiger Tönisvorster (GUT) : „Müssen Unternehmen etwas anbieten“

Eine Senkung der Gewerbesteuer lehnt die Wählergruppe ab. Stattdessen müsse beispielsweise in die Schulen investiert werden. Das bringe auch den Unternehmen etwas. Michael Schütte, Daniel Ponten und Aleksander Weber über Mobilitätswende, Klimawandel und das Campus-Projekt.

Aleksander Weber sitzt seit Ende 2020 zum ersten Mal im Tönisvorster Stadtrat, „und es fühlt sich an, als ob wir uns in den letzten zwei Jahren verdiskutiert haben. Wir müssen endlich anpacken“, sagt der stellvertretende Fraktionssprecher der Gemeinschaft Unabhängiger Tönisvorster (GUT). Besonders viel diskutiert wird seit einem Jahr über das Thema Campus in St. Tönis, doch dieses sei längst nicht das einzige, das es anzupacken gelte, sagen auch GUT-Fraktionsvorsitzender Michael Schütte und Vorstandssprecher Daniel Ponten im Sommergespräch mit unserer Redaktion.

Flächen für Gewerbe müssten dringend her, rund um den Globus-Markt gebe es dafür beispielsweise Potenzial, aber auch auf dem ehemaligen Cray-Valley-Gelände an der Mühlenstraße. „Wir müssen dran bleiben an den Eigentümern“, sagt Ponten mit Blick darauf, dass sich die Gespräche, die die Stadtverwaltung seit Jahren führt, hinziehen. „Wir brauchen etwas, das wir den Unternehmen anbieten können“, sagt Schütte und meint neben geeigneten Grundstücken auch Faktoren wie gute Schulen, um dem Fachkräftemangel auch auf lokaler Ebene begegngen zu können. „Das wäre ein sinnvoller Invest“, findet Ponten. Eine solche Investition würde Unternehmern mehr bringen als eine Senkung der Gewerbesteuer. Zudem dürfe man die Bürgerschaft nicht gegen die Unternehmen ausspielen – eine Senkung der Gewerbesteuer würde möglicherweise zur Erhöhung anderer Steuern führen, so Schütte.

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Auch die Wohnbauentwicklung müsse vorangetrieben werden – etwa in Vorst-Nord und Am Neuenhaushof. Und wenn man über Wohnen spricht, ist auch die Frage nach der Mobilität nicht weit. „Hier sind wir in einem Transformationsprozess“, sagt Ponten. „Wenn wir wollen, dass die Leute mehr mit dem Fahrrad fahren, dann brauchen wir auch einen konkreten Anreiz.“ Stell- und Ladeplätze für Elektro-Lastenräder beispielsweise. „E-Räder brauchen nicht so viel Raum wie Autos, wir könnten dann also auf eine gewisse Zahl von Parkplätzen für Verbrenner verzichten“, sagt Schütte. Um dies auszuprobieren, eignet sich laut GUT der Neue Markt am Rewe, dessen Umgestaltung die Wählergemeinschaft beantragt hat und die jetzt umgesetzt werden soll.

Durch die Umgestaltung könne der große Parkplatz, der laut Weber im Sommer ein „Glutofen“ sei, durch Baumbeete optisch aufgewertet werden und etwas zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Klar sei aber auch, dass man nicht „unendlich viele Parkplätze streichen kann. Der Parkplatz ist schließlich stark frequentiert“, sagt Weber. Mehr Ladesäulen für E-Autos brauche es allerdings schon, schließlich habe eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau gezeigt, dass in Tönisvorst 300 Ladeplätze für E-Autos fehlen, sagt Ponten. Auch das Thema Straßenbahn solle man sich in Tönisvorst genauer anschauen, eine Verbindung nach Vorst sei eine Vision. „Krefeld baut die Straßenbahnen im Stadtgebiet aus. Es wäre gut, sich da dran zu hängen“, findet Daniel Ponten. „Die Menschen sind sich bewusst, dass wir uns in einer Zeit der Transformation befinden.“ Man müsse stark in Klimaschutz und Mobilitätswende investieren. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu wenig getraut“, sagt Weber.

Gut sei es hingegen gewesen, sich zu trauen, sich gegen die Erneuerung der Rutsche im „H2Oh!“ zu entscheiden und den defizitären Saunabereich zu schließen. „Wir haben mit dem ,H2Oh!‘ zu viel gewollt. Ein Sport- und Lehrbad hätte gereicht“, sagt Ponten und betont, dass die GUT das Schwimmbad an sich unbedingt erhalten wolle, allein schon, „um Kindern das Schwimmen beibringen zu können“.

Am Ende noch das derzeitige Top-Thema Campus mit Stadtverwaltung, beiden weiterführenden Schulen, Kultur- und Sporthalle auf einer Ackerfläche zwischen Am Wasserturm, Vorster und Düsseldorfer Straße. „Der Titel ,Campus‘ ist leider etwas verbrannt“, sagt Weber mit Blick auf die teilweise hitzigen Diskussionen über das 140-Millionen-Euro-Projekt. „Es ging nie darum, die Vision eins zu eins umzusetzen.“ Workshops mit Bürgern und Vereinen seien wertvoll gewesen, um die Stimmung einzufangen, und die GUT habe etwa mit der Turnerschaft, dem Akkordeonorchester und der Bürgerinitiative Gespräche auf Augenhöhe geführt. Letztlich hätte all das und nicht zuletzt das Schulentwicklungskonzept gezeigt, dass es Änderungen an der Campus-Idee geben müsse. „So werden wir alles dafür tun, dass Tönisvorst am Ende mit einer Sporthalle mehr dasteht als jetzt“, sagt Ponten. „Das ist die Quintessenz, auf die inzwischen alle gekommen sind.“ Nun müsse man die Machbarkeitsbetrachtung und den neuen Vorschlag der Verwaltung zum „Campus“ abwarten. „Ich möchte Zahlen haben, auf deren Basis ich meine Entscheidung auch in zehn Jahren noch vertreten kann“, sagt Weber.