Reimer Martens ist seit zehn Jahren ehrenamtlich als Naturschutzwächter in Tönisvorst unterwegs

Tönisvorst : Unterwegs im Dienste der Natur

Reimer Martens ist seit zehn Jahren ehrenamtlich als Naturschutzwächter in Tönisvorst unterwegs. Er rettet Tiere aus misslichen Lagen, weist Hundehalter auf die Anleinpflicht hin und meldet illegale Müllhalden.

Reimer Martens liebt die Natur. „Ich war schon als Kind immer viel draußen“, erzählt der 59-Jährige, der auf dem Land in Schleswig-Holstein aufwuchs, eine Zeitlang in Bayern gelebt hat und nun seit vielen Jahren in St. Tönis zuhause ist. Als seine Frau vor zehn Jahren in der Zeitung las, dass der Kreis Viersen einen neuen Landschaftswächter für Tönisvorst sucht, stand für sie fest, das ist ein Ehrenamt, das zu ihrem Mann passt. „Also habe ich mich beworben und wurde genommen“, erzählt der Gartenbau-Ingenieur.

Wie sich herausstellte, lag seine Frau goldrichtig: Reimer Martens geht in seinem Ehrenamt auf. Aus dem Landschaftswächter ist im Laufe der Zeit der Naturschutzwächter geworden, die Aufgaben haben sich in den zehn Jahren, die Reimer Martens nun in seinem Bezirk, dem Bezirk 23, unterwegs ist, nicht geändert. „Ich fahre mit dem Fahrrad an Feldern entlang, durch Parks und Wälder“, schildert der Naturschutzwächter seine Arbeit. Immer dabei: das Fernglas. Wenn der 59-Jährige eine illegale Müllhalde findet oder feststellt, dass eine Hecke entfernt wurde, meldet er das der Stadt.

Laut Statuten sollen die Naturschutzwächter des Kreises die zuständigen Behörden über „nachteilige Veränderungen in der Landschaft“ informieren und „darauf hinwirken, dass Schäden von Natur und Landschaft abgewendet werden“.

Dieser Aufgabe werde die Naturschutzwacht dadurch gerecht, „dass sie über die Ziele von Naturschutz und Landschaftspflege aufklärt, Störer auf die Folgen ihres Tuns hinweist oder Vorgänge zur Anzeige bringt“, schreibt Philippe Niebling von der Abteilung Natur und Landschaft, Jagd und Fischerei beim Kreis. Auch Vorschläge über den Schutz, die Pflege und die Entwicklungen der Landschaft kann der Naturschutzwächter bei Stadt und Kreis einreichen. „In Tönisvorst klappt die Zusammenarbeit mit der Stadt sehr gut“, lobt Reimer Martens. Auch mit Straßen NRW, der Jägerschaft und den Kreisbehörden arbeitet der Naturschutzwächter in Tönisvorst eng zusammen.

Einmal hat der St. Töniser gesehen, wie ein freilaufender Hund ein Reh riss. „Ich habe den Besitzer angesprochen, der hat das gar nicht mitbekommen“, erinnert sich der Naturschutzwächter, der den Hundebesitzer angezeigt hat. Auch mutwillig beschädigte Bäume und gestohlene Fledermausnisthöhlen hat Martens schon zur Anzeige gebracht, wenn auch in diesen Fällen gegen Unbekannt.

Lieber erinnert sich der Ehrenamtler aber an die schönen Begebenheiten seiner nun zehnjährigen Amtszeit. „Einmal hat mich sonntagsabends eine Frau angerufen, die einen größeren Vogel in ihrem Kamin vermutete“, erzählt der St. Töniser. Der Naturschutzwächter öffnete die Kamintür im Keller und leuchtete in den Schacht. „Ich sah die Krallen, aber ich konnte sie nicht packen.“ Also rief Martens die Freiwillige Feuerwehr an. Die kam mit Leiterwagen und Blaulicht, ließ ein Seil mit Kugel von oben in den Kamin herunterrutschen und nötigte das Tier auf diese Weise, nach unten zu flüchten, wo er in den Händen von Reimer Martens landete. „Ich konnte den Vogel packen, herausziehen und in eine Transportbox setzen“, erzählt Martens. Wie sich herausstellte, war es eine ausgewachsene, rund 40 Zentimeter große Schleiereule, die da am späten Sonntagabend so unglücklich in den Kamin gerutscht war. „Wir haben das Tier dann in die Nacht entlassen und waren alle erleichtert, dass der Eule nichts passiert war“, erzählt der Naturschutzwächter, der sich auch im Deutschen Bund für Vogelschutz und seit fast 30 Jahren im Naturschutzbund, kurz Nabu, engagiert, wo er seit einigen Jahren Ortsgruppenleiter ist.

Für den Nabu kümmert sich Martens gemeinsam mit der Biostation um den Vogelschutz am Graverdyk, den Obstbongert an der Viersener Straße und das Biotop am Schulzentrum in St. Tönis, das er gemeinsam mit einigen Schülern und Mitarbeitern des Bauhofs wieder auf Vordermann gebracht hat.

Dass der private Garten am Haus des passionierten Naturliebhabers und studierten Gartenbau-Ingenieurs ein Paradies für Insekten, Vögel, Igel, Eichhörnchen, Regenwürmer und allerlei weiteres Getier ist, versteht sich von selber. „Ich habe alles so angelegt, dass die Natur dort wachsen und blühen kann und die Tiere sich wohlfühlen“, sagt der Naturschutzwächter, für den das Ehrenamt schon längst eine Berufung ist.

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