Tönisvorst: Pläne für Rathausneubau beschleunigen

Tönisvorst: Pläne für Rathausneubau beschleunigen

Die kleinen Fraktionen Grüne, UWT und FDP wollen einen Antrag an den Stadtrat stellen, eine Baukommission für einen Rathausneubau zu bilden. Sie sind sich einig, im Herbst eine Entscheidung zu treffen. Auch ein Bürgersaal sei möglich.

Mitten in den Karneval platzen die Fraktionsvorsitzenden Jürgen Cox (Grüne), Peter Lambertz (UWT) und Torsten Frick (FDP) mit einer gemeinsamen Initiative. Altweiber war gerade vorbei, da schickten sie eine höchst nüchterne Pressemitteilung: Sie wollen spätestens im Herbst eine Entscheidung zum Neubau eines Verwaltungsgebäudes. Nun ist das Thema nicht neu - im Gegenteil wird es seit Jahren diskutiert - und es gibt parteiübergreifend einen Konsens, dass man die Probleme anpacken müsste. Zur Zeit wird an einem Wirtschaftlichkeitsgutachten, das die Verwaltung in Auftrag gegeben hat, gearbeitet. Danach müsse eine Entscheidung getroffen werden, also spätestens im Herbst.

Überall im Haus gibt es Ecken, an denen man sich zurückziehen kann oder im Gegenteil sich treffen und unterhalten. Foto: Heribert Brinkmann

Die drei Fraktionen werden gemeinsam einen Antrag an den Rat stellen, der nicht nur einen klar gesetzten Zeitrahmen vorsieht, sondern auch eine Baukommission, die schnellstmöglich gebildet werden solle. Jürgen Cox: "Wir stellen uns das so vor, dass die Kommissionsmitglieder von den Fraktionen wie für die Ausschüsse benannt werden." Die letzten Arbeitskreise hätten nicht öffentlich getagt, dadurch hätten sich diverse Fraktionsmitglieder nicht ausreichend informiert gefühlt. Die Baukommission erhalte eine Tagesordnung für einen öffentlich und nichtöffentlichen Teil - wie bei einem normalen Ausschuss. Cox: Hinter verschlossenen Türen könne beispielsweise darüber diskutiert werden, welcher Standort gewählt würde. "Bei allen anderen Fragen wollen wir die Bürger einbeziehen."

In die Fassade des neuen Rathauses sind Flächen mit Pflanzen integriert. Foto: Heribert Brinkmann

Die Baukommission solle bis zum Beginn der Sommerferien gebildet werden und bereits Ideen einholen. Grüne, UWT und FDP schlagen vor, die Rathäuser in Laakdal und Venlo zu besuchen. Laakdal, die Partnerstadt in Belgien, hat ein neues modernes Verwaltungsgebäude errichtet, in dem eine Postfiliale integriert ist. Und das - viel größere - neue Rathaus von Venlo ist mehrfach dafür ausgezeichnet worden, dass das Rathaus nach neuesten energetischen, umweltpolitischen, aber auch arbeitstechnischen Gesichtspunkten gebaut wurde.

Foto: Heribert Brinkmann
  • Die Innenstadt nicht vergessen

Torsten Frick bringt den Aspekt ein, dass für die langjährigen Baupläne das Zinsniveau im Moment so günstig sei. Die kleinen Fraktionen wollten mit dem Vorstoß ein Signal setzen - und die großen Fraktionen mitnehmen: "Uns ist völlig klar, dass dies nur mit den beiden großen Fraktionen möglich ist."

Heute ist die Verwaltung der Stadt Tönisvorst nicht barrierefrei und auf mehrere Gebäude verteilt, allein auf drei in St. Tönis. Das bedeutet lange Wege und Umstände für Mitarbeiter und Akten. Zudem ist das Rathaus an der Bahnstraße im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt. Hinzu kommt, was Peter Lambertz aus Sicht der Bürger feststellt: "Wenn man als Bürger heute das Verwaltungsgebäude betritt, hat man nicht unbedingt den Eindruck, willkommen zu sein. Nicht nur, dass es dunkel und eng ist, sondern auch, dass man ein Gebäude betritt, das den Charme einer Amtsstube aus dem letzten Jahrhundert versprüht." Für ein neues Rathaus stellen sich die drei kleinen Fraktionen auch einen Bürgersaal vor, den man zum Selbstkostenpreis mieten könne. Auch eine Spielstätte für den Stadtkulturbund sei dort möglich.

In den bisherigen Diskussionen ist ein Verkauf des Vorster Rathauses angedacht. Auch das Rathaus an der Bahnstraße könnte aufgegeben und das innenstadtnahe Grundstück vermarktet werden - zur Mitfinanzierung eines Neubaus. Das historische Rathaus bliebe Anlaufstelle für die Bürger, die eigentliche Verwaltung erhielte einen zentralen Bau in einem Gewerbegebiet oder auf Freiflächen im Rosental.

(RP)