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Paulina Breker ist Ansprechpartnerin für die Wohnungslosen in Tönisvorst

Angebot in Tönisvorst : Die Ansprechpartnerin der Obdachlosen

Paulina Breker kümmert sich in Tönisvorst um wohnungslose Menschen. Einige blieben Jahre im betreuten Wohnen, berichtet die Pädagogin, für andere finde sich schon nach wenigen Monaten eine Lösung.

In der Corona-Pandemie sind die Wohnungslosen noch ein bisschen mehr abgehängt, als sie es ohnehin schon sind. Behördentermine können sie beispielsweise wegen der Hygienevorschriften nicht persönlich wahrnehmen. Viele besitzen zudem auch kein Handy, um stattdessen anzurufen. In Tönisvorst läuft ihr Kontakt darum über Paulina Breker. Die Sozialpädagogin des katholischen Vereins für soziale Dienste SKM betreut die Wohnungslosenhilfe in der Apfelstadt. Sie sagt: „Seine Wohnung zu verlieren, kann jeden treffen.“

Seit Juli 2019 gibt es das Angebot des SKM Kempen-Viersen in Tönisvorst, im Januar hat Breker die Stelle übernommen. „Bis dahin hatten die Obdachlosen keinen Ansprechpartner“, sagt die 43-Jährige. Zwar habe es Beratungsstellen gegeben, aber keine aufsuchende Arbeit, wie sie sie jetzt leistet. Genau die sei aber ein wichtiger Aspekt: „Viele schaffen es beispielsweise wegen Verständnisschwierigkeiten oder aus Scham nicht von alleine, die Zugangskriterien zu Hilfsangeboten zu erfüllen“, sagt Breker.

Sie befasst sich aktuell mit acht Bewohnern in der Unterkunft für betreutes Wohnen in St. Tönis. Sie sind zwischen 23 und 79 Jahre alt und kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Der Bewohner, der am längsten dabei ist, hat in dem Haus im Mai 2017 eine Unterkunft gefunden. Der Jüngste der Männer ist gleichzeitig auch derjenige, der gerade am kürzesten da war. Den 23-Jährigen betreute Breker seit November. „Der Zugang gelang noch nicht so ganz“, sagt sie. Aber er habe in der Unterkunft auftanken können und habe nun für sich selbst eine andere Möglichkeit zum Unterkommen finden können, wie Breker es beschreibt.

Die Unterkunft in St. Tönis gibt es laut Angaben der Stadtverwaltung seit mehr als 20 Jahren. Auf drei Etagen ist Platz für bis zu zehn Menschen, die jeweils in Zwei-Bett-Zimmern untergebracht werden. Küche und Bad teilen sich die Bewohner. An die Stadt zahlen sie eine Nutzungsgebühr.

Zeitlich beschränkt sei das betreute Wohnen für Obdachlose nicht, erläutert Breker, und das sei auch richtig so: „Viele der Menschen können mit Zeitdruck und Befristung nicht umgehen. Es ist gut, dass sie das hier auch nicht müssen.“ Auf der anderen Seite sei die Unterbringung aber nicht als dauerhafte Lösung gedacht. „Das wird mit den Bewohnern auch so besprochen“, sagt die Pädagogin. Ihr Ziel sei es, „eine Basis zu schaffen, von der aus sie mit besseren Aussichten neu starten können“.

Deswegen gehöre es zum Konzept, die Menschen nicht nur hinsichtlich einer eigenen Wohnung zu beraten, sondern ganzheitlich. „Sonst wird es nicht gelingen, möglichst lange ein stabiles Wohnverhältnis zu schaffen“, sagt Breker.

Denn Wohnungslosigkeit ereigne sich natürlich nicht einfach so, beschreibt die Pädagogin: „Da passieren viele Dinge vorher: Trennung, Arbeitslosigkeit, Sucht, Schulden.“ Trotz allem, sagt sie: „Wenn ein Mensch es zulässt, kann man immer helfen.“

Zwar sind derzeit nur Männer in der Unterkunft untergebracht, aber „ich glaube, dass das Zufall ist“, sagt Breker. Frauen seien von Wohnungslosigkeit ebenfalls betroffen, lediglich sei die Situation bei Männern häufig offensichtlicher. „Frauen haben meist mehr Möglichkeiten, irgendwo unterzukommen“, sagt Breker, „etwa bei Freunden.“ Wie sie berichtet, stammen die Bewohner in St. Tönis ursprünglich aus Tönisvorst, Krefeld, Viersen und Willich.

Auch für die Bewohner der Obdachlosenunterkunft in St. Tönis bedeutet die Corona-Pandemie Einschnitte. Wichtige gemeinsame Aktivitäten wie das wöchentliche Frühstück und die Gartenarbeit sind derzeit nicht möglich. Immerhin: Corona-Fälle oder Quarantäne-Mmaßnahmen habe es in der Unterkunft bislang nicht gegeben, sagt Breker.