Norbert Stamnitz zeigt Fotografien im evangelischen Gemeindezentrum in St. Tönis.

St. Tönis : Licht und Schatten auf der Spur

Der Tönisvorster Norbert Stamnitz zeigt einen Teil seiner Fotografien derzeit im evangelischen Gemeindezentrum in St. Tönis. Der 75-Jährige beschäftigt sich seit fast 20 Jahren leidenschaftlich mit der Fotografie.

Unter dem feinsinnigen Titel „Götterspeise“ bietet die evangelische Kirchengemeinde St. Tönis gemeinsam mit einer professionellen Agentur und dem Stadtkulturbund in ihrem neu errichteten, modernen und lichtdurchfluteten Gemeindezentrum regelmäßig Kulturveranstaltungen an. Derzeit zeigt dort der Tönisvorster Norbert Stamnitz (75), ein langjähriges Mitglied der Kirchengemeinde, eine Reihe seiner Schwarz-Weiß-Fotografien, der er den Titel „Licht und Schatten“ gegeben hat.

Der Autodidakt beschäftigt sich seit fast 20 Jahren leidenschaftlich mit der Fotografie. Über sich selbst sagt er schmunzelnd, er sei in seinem Berufsleben ein Workaholic gewesen und nun im Ruhestand ein „Fotoholic“ geworden. Mehrere Gruppenausstellungen hatte er mit dem Tönisvorster Kunstkreis 80. Als seine fotografische Heimat bezeichnet er das Fotoforum Kempen, mit dem er 2009 die vielbeachtete Reihe „Mein Platz in Kempen“ mit Porträts von Migranten erarbeitete. Zuletzt zeigte er in der französischen Partnerstadt Wambrechies Fotos vom ehemaligen Munitionsdepot in Brüggen-Bracht als Mahnung zum Frieden.

Das Interesse an aktuellen politischen, sozialen und Umweltthemen begleitet den engagierten Christen auch bei der Fotografie. Auch wenn zunächst die Ästhetik bestimmend sei, wie er betont. Erst später, bei der Auswahl und Bearbeitung der Bilder finde er weitere Bedeutungsebenen, die oftmals mit persönlichen Erlebnissen verknüpft sind. Die Bettlerin vor dem Dom von Münster ermahne ihn dazu, seine eigene Hilfsbereitschaft, auch gegenüber Flüchtlingen, zu bedenken. Fotos vom Holocaust-Mahnmal und vom jüdischen Museum in Berlin widmet er jüdischen Bekannten, ohne seine Besorgnis gegenüber erstarkenden rechten politischen Kräften zu verhehlen.

Von Licht und Schatten, von Schwarz und Weiß sowie den vielen Grautönen dazwischen leben seine Arbeiten. Es sind die Einzelheiten, die Strukturen, die Bildkompositionen, die im Schwarz-Weiß-Modus besonders hervortreten. Ein hell erleuchteter gepflasterter Weg zwischen Schatten versinnbildliche seinen persönlichen Werdegang. Und ein Bild von der Museumsinsel Hombroich ist dem Bildhauer Erwin Heerich gewidmet, den er während einer Kur kennenlernte.

Einen Teil der Fotos hat er analog fotografiert und im Labor vergrößert. Andere sind digital fotografiert und später in Schwarz-Weiß gewandelt worden. Die Motive fand der Künstler bei gemeinsamen Wanderungen mit seiner Ehefrau im deutsch/niederländischen Grenzgebiet. Die Fotos entstanden etwa an der Niers, dem Witt-See oder am Reindersmeer in den Niederlanden.

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