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Neue Tollitäten in St. Tönis vorgestellt

Tönisvorst : Frauen übernehmen die närrische Macht

Auch wenn es bis zum Sessionsbeginn noch einige Zeit hin ist, laufen bei den Tönisvorster Karnevalisten die Vorbereitungen für die närrische Zeit. Am Sonntag stellten sich die neuen Tollitäten vor.

Prinzessin wollte sie nicht sein, sagt Silke Depta, aber der erste weibliche Prinz sehr gerne. Und so soll es in ein paar Monaten in der Apfelstadt sein. Doch damit nicht genug, denn in der nächsten närrischen Session werden die Tönisvorster Karnevalisten nicht nur von einem weiblichen Prinzen angeführt. Silke Depta hat sich gleich ein komplettes weibliches Dreigestirn zusammengestellt. Prinz Silke Depta stehen ab 11. November Bauer Erika Fechler und Jungfrau Kathrin Aretz zur Seite.

„Das hat es in den 22 Jahren, die ich Kommandeur bei den Treuen Husaren bin, noch nicht gegeben“, sagt Andrea Schönen bei der Vorstellung der Tollitäten am Sonntagnachmittag in der Gaststätte Rosental in St. Tönis. Dort haben die versammelten Karnevalisten gleich doppelten Grund zur Freude, denn es hat sich nicht nur ein „großes“ Dreigestirn gefunden. Verena Arndt, Präsidentin des Jugendkarnevalvereins, kann mit Brian Damian Köhler und Daria Joelle Henke auch ein Kinderprinzenpaar vorstellen.

Aber der Reihe nach: Schon im November 2015, erzählt Silke Depta, sei die Idee aufgekommen, mal etwas ganz Neues auszuprobieren und einen weiblichen Prinz zu proklamieren. Freundin Erika Fechler sei ganz begeistert gewesen und sofort bereit, den Bauern zu stellen. „Nur eine Jungfrau hatten wir nicht“, erzählt Prinz Silke. Ursprünglich sollte das nämlich ein Mann sein, aber es fand sich keiner.

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Also landete die Idee in der Schublade, bis Nicole Klupsch, Prinzessin der Session 2017/18 und stellvertretender Kommandant der Treuen Husaren, die langjährige Freundin im Januar an die alte Idee erinnerte. „Und so stehen wir nun hier“, sagt Silke Depta, die sich als SPD-Ratsfrau schon darauf freut, dem CDU-Bürgermeister an Altweiber die Macht zu entreißen und als Prinz den symbolischen Stadtschlüssel zu bekommen.

Das Dreigestirn ist zwischen 40 (Jungfrau Kathrin) und 50 (Bauer Erika) Jahre alt, alle drei sind verheiratet, haben je zwei Kinder und sind dem Karneval zwar nicht im Verein, aber im Herzen schon lange verbunden. Als Adjutantin steht dem Prinzen Nicole Klupsch zur Seite, die sehr viel Erfahrung mitbringt. Bauer Erika, für die nach eigener Aussage ein Kindheitstraum in Erfüllung geht, hat ihre Schwester Magdalena Ackermann zur Ministerin ernannt. Auch ein Motto hat das Dreigestirn, das in dem Jahr regiert, in dem die Stadtgründung von Tönisvorst ein halbes Jahrhundert zurückliegt, schon gefunden: „50 Jahre Tönisvorst – Wer hätte das gedacht, endlich sind die Mädchen an der Macht.“

Und auch beim Tönisvorster Kinderprinzenpaar für die neue Session ist das weibliche Geschlecht – zählt man die Adjutantin Stacy Hochscheid und Ministerin Lea Marie Steffen dazu – in der Mehrheit. Aber etwas ganz anderes ist es, was das Kinderprinzenpaar auszeichnet: Im Jahr der Stadtgründung besteht es aus einem St. Töniser Prinzen und einer Vorster Prinzessin. Kinderprinz Brian I. ist acht Jahre alt und besucht die Grundschule an der Hülser Straße in St. Tönis. Rat kann der Prinz bei seiner Mutter Maureen suchen, sie war 2008/09 selber Kinderprinzessin.

Auch Daria I. stammt aus einer „königlichen“ Familie, die Schwester der Neunjährigen war vor fünf  Jahren Kinderprinzessin in Tönisvorst. Daria besucht die Vorster Grundschule, tanzt seit sechs Jahren in der Garde des Jugendkarnevalvereins und ist eine sehr gute Turnerin, wie Verena Arndt bei der Vorstellung der neuen Kinderprinzessin verrät.