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Mit seinem Programm "Auf Anfang" war Sebastian Pufpaff in Tönisvorst

Kabarett : Zurück zur Werkseinstellung

„Auf Anfang“ heißt das Programm, mit dem der Kabarettist Sebastian Pufpaff durch die Republik tourt. Am Donnerstagabend kam er auf Einladung des Stadtkulturbunds ins Corneliusforum Tönisvorst.

So ganz schlau wird man nicht aus diesem Sebastian Pufpaff. Zu Beginn des zweistündigen Soloprogramms macht der Kabarettist aus Troisdorf unlustige Witze über die Klimaerwärmung („Sollen die Pole doch schmelzen, haben die in Afrika wenigstens was zu trinken“), und am Ende ruft er dazu auf, am Sonntag nach Hambach zu fahren und für den Erhalt des Waldes zu demonstrieren. Aber vermutlich ist es das, was Pufpaff will: sich nicht einordnen lassen, in keine Schublade gezwängt werden, Erwartungen aufbrechen.

Anders als es sonst im Kabarett üblich ist, steht mit Pufpaff keiner auf der Bühne, der offensichtlich politisch links ist. Pufpaff will nicht belehren. Er gibt – ohne dass es groß angekündigt wird – gekonnt den AfD-Höcke, indem er eine scheinbar logische Verkettung der Begriffe Ausländer-arbeitslos-Terrorist bringt, worauf das Publikum im Tönisvorster Corneliusforum ganz still wird. Soll man jetzt lachen? Niemand weiß es so genau. Auch die Erzählung, wie toll es sei, mit dem Porsche durch ein Armenviertel zu fahren, die Rolex raushängen zu lassen und ein paar Pfandflaschen da zu lassen, damit es was zum Sammeln gibt, findet nur wenige Lacher.

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Immer wieder begibt sich der 42-Jährige, der einst Jura studiert hat und später Politik und Soziologie, auf eine Gratwanderung und lässt den Zuhörer dabei etwas ratlos zurück. Auch eine Art roter Faden fehlt dem Programm. Im Großen und Ganzen geht es darum, wie gut und gerne sich die Deutschen jederzeit über alles Mögliche aufregen und um die Tatsache, dass es eigentlich gerade gar nichts gibt, über das man sich aufregen könnte, weil es gut läuft im Land: Die Service-Hotlines bieten echten Service, die Ausländer sind nett und integriert, fremde Leute grüßen freundlich, der Sommer war warm, und die Arbeitslosenquote ist niedrig.

Und dann regt Pufpaff sich doch auf: über sexistische Frauen, Feindbilder, die die Medien jeden Tag aufs Neue ausrufen, und das Schulsystem, das aus den Kindern stramme Soldaten mache, was, nebenbei gesagt, ein alter Hut ist und mit der beschlossenen Rückkehr zu G9 auch nicht mehr so brennend. Zugute halten muss man Pufpaff, dass er zu Beginn das Publikum aufgefordert hat, Begriffe zu nennen, die er in das zweistündige Programm einbaut. Trump, Seehofer, Diesel, Merkel, AfD, Bavaria one, Gülle und eben das deutsche Schulsystem wurden genannt.

Vermutlich ist es dieser Idee geschuldet, dass der Kabarettist hin und her springt zwischen den Themen und den Standpunkten und nicht jede Pointe zündet. Vielleicht muss man sich aber auch frei machen von der Erwartungshaltung, mit der man ins Kabarett geht. „Auf Anfang“ heißt das Programm, in dem der Mann aus Troisdorf immer wieder dazu auffordert, zurückzukehren auf „Werkseinstellungen“. Vorurteile löschen, Gewohnheiten ablegen, unbefangen und fröhlich in den Tag starten. „Gehen Sie optimistisch raus und verändern Sie die Welt“, ruft er seinem Publikum zu. Das Programm hat sicher dazu beigetragen, ein paar Schubladen zu öffnen.