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Mit einem am Niederrhein einmaligen Kirchplatz und einer hübschen Fußgängerzone trumpft der Tönisvorster Stadtteil St. Tönis auf.

St. Tönis : Moderne Geschäfte, historische Wahrzeichen

Mit einem am Niederrhein einmaligen Kirchplatz und einer hübschen Fußgängerzone trumpft der Tönisvorster Stadtteil St. Tönis auf.

Wer zum ersten Mal nach St. Tönis kommt und die Hochstraße besucht, ist meistens verzückt. Die ehemalige Hauptverkehrsachse zwischen Willich und Kempen wurde bei der Stadtkernsanierung in den 70er Jahren zur Fußgängerzone erklärt. Seitdem geht es gemütlich zu in der Innenstadt. Zahlreiche Geschäfte, die meisten händlergeführt, beleben das Bild. Auch einige Cafés und Restaurants befinden sich dort. Donnerstagvormittags gibt es einen gut bestückten Wochenmarkt.

Außerdem stehen in der Fußgängerzone ein paar sehenswerte Häuser, wie etwa das Rathaus an der Hochstraße 20. Um 1800 gebaut, bekam es um 1900 einen Vorbau im Stil der Neorenaissance. Ursprünglich war es ein Bauernhaus, später das Bürgermeisteramt, dann ein Wohnhaus und sollte bei der Stadtkernsanierung abgerissen werden, um Platz für ein Kaufhaus zu machen. Das verhinderte allerdings eine Bürgerinitiative. Heute ist die Stadtbücherei im Haus untergebracht. Außerdem tagt der Stadtrat in der oberen Etage.

Wer über den Rathausplatz geht, kommt zur Pfarrkirche St. Cornelius. Donnerstagvormittag ist sie zur Besichtigung geöffnet. Der Kirchturm ist mit 70 Metern das höchste Gebäude im Ort. Schon 1483 wurde an dieser Stelle mit dem Bau eines Kirchturmes begonnen, der allerdings 1585 einstürzte. 1619 startete der Wiederaufbau. Nach einem großangelegten Erweiterungsbau wurde das heutige Gotteshaus 1885 gesegnet. Eine zweite Erweiterung folgte 1904. Seitdem hat die Kirche ihre Form im Stil einer Basilika mit hohem Mittelschiff und niedrigen Seitenschiffen.

Der Turm von St. Cornelius gehört zu den Wahrzeichen von St. Tönis. Foto: Stephanie Wickerath

Rund um die Kirche war früher ein Friedhof, auf dem noch bis 1848 bestattet wurde. Die ungewöhnliche, runde Form, in der die zum größten Teil historischen Stadthäuser aus dem 19. Jahrhundert am Kirchplatz angeordnet sind, ist darauf zurückzuführen: Sie stehen auf der ehemaligen runden Außenmauer des Friedhofs. Das älteste Haus im Ortskern befindet sich ein paar Meter weiter links Richtung Kirchstraße. Es ist das Patrizierhaus Mertens, das 1745 gebaut wurde und heute als Unterkunft für Monteure und Messegäste genutzt wird.

In der Kirchstraße steht das älteste Wohnhaus von St.Tönis, das Mertenshaus. Foto: Stephanie Wickerath

Die hinter dem Haus liegenden ehemaligen Scheunen und Stallungen wurden im vorigen Jahrhundert errichtet und beherbergen heute Wohnungen. Der Gastronomiebetrieb im hinteren Bereich soll bald wiedereröffnet werden und eine Außengastronomie zum Pastorswall hin erhalten, wo eine Freizeitanlage mit Kinderspielplatz, Bolzplatz und Minigolfanlage besonders in den wärmeren Monaten viele Menschen anzieht.

Zurück zum Kirchplatz führt der Weg vorbei am Pfarrhaus (Kirchplatz 17). Danach ergibt sich ein Blick auf den Alten Markt mit seinem Martinsdenkmal. Das Brauchtum wird im Ort mit zwei großen Umzügen jedes Jahr am 11. und am 12. November gepflegt. Weiter geht es vom Kirchplatz durch den Torbogen linker Hand in die Antoniusstraße zum Haus des Heimatbundes, in dessen Schaufenster ein noch voll funktionstüchtiger Webstuhl steht. Er erinnert daran, dass es im 19. Jahrhundert im Ort etliche Weber gab, die zuhause an solchen Handwebstühlen ihre Stoffe produzierten.

Der Heilige Antonius, Ortspatron von St. Tönis Foto: Stephanie Wickerath

Ein paar Meter weiter steht ein Denkmal, das an den Namensgeber des Ortes erinnert: der heilige Antonius. Weil er als Schutzpatron der Haustiere gilt, wird er oft mit einem kleinen Schwein gezeigt, was ihm den Spitznamen „Ferkes Tünn“ eingebracht hat. Über die Hochstraße geht es stadtauswärts zur 1769 errichten Turmwindmühle an der Kreuzung Nordring/ Gelderner Straße. Die Familie Streuff hatte die Mühle mehr als hundert Jahre in Besitz. Sie war bis 1945 in Betrieb und lieferte das Mehl für das tägliche Brot. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem sie stark beschädigt wurde, drohte die Mühle zu verfallen.

Die Streuff-Mühle, 1769 errichtet, war bis 1945 in Betrieb. 1978 erhielt sie ein neues Flügelkreuz. Foto: Stephanie Wickerath

1956 wurden die beschädigten Flügel und das Hutdach abmontiert. Der Turm bot einen traurigen Anblick. Der St. Töniser Heimatbund, die Straßengemeinschaft Gelderner Straße und viele Bürger setzten sich für ihren Erhalt ein. Schließlich bekam die Mühle dank der Sponsoren und einer Stiftung 1978 ein neues Flügelkreuz mit tragender Kappe. Auch das Mauerwerk und das Innere wurden restauriert.

Zurück in der Fußgängerzone lohnt sich ein Blick in den Seulenhof (Durchgang an Haus Nummer 26), der im Sommer die Außengastronomie des italienischen Bistros „Bacco“ beherbergt und zwei- bis dreimal im Jahr für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Wer möchte, kann weiter durch die Fußgängerzone und die Willicher Straße gehen und dann nach rechts auf die ehemalige Trasse der Dampfeisenbahn „Schluff“, heute Dammstraße, abbiegen Nach etwa zwei Kilometern geht es links zum Wasserturm. Im Juli 1929 wurde der Grundstein für den achtgeschossigen und achteckigen Backsteinbau gelegt, der mit seinen 46 Metern in der flachen niederrheinischen Landschaft schon von weitem zu sehen ist.

Bei Blumen Hermes hat Mitarbeiterin Vanessa Paes alle Hände voll zu tun, aber die gute Laune verliert sie dabei nicht.  Foto: Stephanie Wickerath

Im Kopf des Turmes ist ein Behälter, der 250 Kubikmeter Wasser fasst, die einst dafür sorgten, dass der Druck in den St. Töniser Wasserleitungen stimmte. Obwohl der Wasserturm seit 1996 nicht mehr genutzt wird, befinden sich aus statischen Gründen auch heute noch 125 Kubikmeter Wasser im Tank. Der Wasserturm ist im Privatbesitz. Im Erdgeschoss befindet sich das Café „eigenwillig“, das zur Einkehr einlädt.