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Tönisvorst: Mit allen Sinnen lernen

Tönisvorst : Mit allen Sinnen lernen

Zum Vortrag "Das Lernen lernen" hatte die Katholische Grundschule St. Tönis die Eltern ihrer Schüler eingeladen. Es wurde ein kurzweiliger Abend, von dem die Zuhörer jede Menge Tipps mit nach Hause nahmen.

Fast jedes Kind kann alles lernen, es braucht aber die richtige Herangehensweise, da ist Dagmar Bahners, Referentin beim Verein "LVB Lernen", sicher. Gut zwei Stunden lang stellt die Fachfrau Eltern und Lehrerinnen der Katholischen Grundschule St. Tönis Lernmethoden und Lerntypen vor. Dass sie dabei oft ins Schwarze trifft, zeigen das zustimmende Nicken und das amüsierte Zuhören der Besucher.

Für Lehrerinnen und Eltern sei es wichtig zu wissen, wie ein Kind lernt und welcher Lerntyp es am ehesten ist, denn, da ist Bahners sicher, "die meisten Probleme, die Kinder in der Schule haben, liegen nicht darin begründet, dass sie den Lernstoff nicht bewältigen können, sondern dass die Kinder nicht richtig beziehungsweise nicht ihrem Lerntyp entsprechend lernen." Mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis stellt die Referentin vier verschiedene Lerntypen vor: den logisch-abstrakten, den sicherheitsliebenden, den emotionalen und den kreativ-chaotischen Lerntyp.

Während der logisch-abstrakte, der nebenbei bemerkt im Grundschulalter nur selten vorkommt, gut strukturiert ist, über eine schnelle Auffassungsgabe verfügt, durch neues Wissen, Konkurrenz und Kritik zum Lernen motiviert wird, hat der sicherheitsliebende Lerntyp ganz andere Voraussetzungen: "Er ist sehr ordentlich, ehr still und nach innen gekehrt, liebt es, wenn Aufgaben sich wiederholen und tut sich schwer damit, um die Ecke zu denken", charakterisiert Bahners. Auch falle es ihm beim Lernen schwer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. "Und weil fantasievolle Aufsätze nicht seine Stärke sind, sollten Sie viel mit dem Kind lesen", rät die Expertin.

Anders ist das mit der Fantasie beim kreativ-chaotischen Lerntypen, dessen Hefte meist unordentlich sind, der unstrukturiert arbeitet und ein Last-Minute-Lerner ist. "Mündlich ist dieser Lerntyp immer vorn mit dabei, ob die Antwort richtig ist, interessiert ihn aber nicht sonderlich." Für diese Kinder seien Strukturen ganz wichtig. Durch neue Aufgaben und viel Abwechslung sowie Spaß am Lernen werde dieser Typ motiviert.

Der emotionale Lerntyp hingegen ist laut Bahners ein Gefühl- und Bewegungslerner. "Er hat es am schwersten in der Schule, denn er geht auch an logischen Lernstoff emotional ran, und das ist bei Lateinvokabeln eine echte Herausforderung." Außerdem neige der emotionale Typ zu Selbstzweifeln und resigniere schnell. "Diese Kinder brauchen ganz besonders viel Lob, Zeit und Geduld. Druck und Strafe sind hier völlig fehl am Platz." Seine Motivation ziehe das Kind daraus, es Anderen recht zu machen.

Wie Bahners betont, habe die Einstufung in die Lerntypen nichts mit der Intelligenz zu tun. "Kein Lerntyp ist klüger als der andere, sie unterscheiden sich nur in der Art und Weise, wie sie an den Lernstoff herangehen und wie sie sich im Unterricht verhalten." Eltern und Lehrer können sich das Wissen um die Lerntypen zunutze machen und die Kinder lerntypgerechter ansprechen und gezielter motivieren.

Unabhängig vom Lerntypen, das wird deutlich, hat Lernen immer etwas mit Ordnung und Struktur zu tun. Bahners vergleicht das Langzeitgedächtnis mit einer Lagerhalle. "Werden die Information geordnet und strukturiert abgelegt, fällt es leichter, sie abzurufen". Als Beispiel lässt die Referentin die Zuhörer Begriffe auswendig lernen. Diejenigen, die die Begriffe in Kategorien geordnet auf dem Zettel haben, sind in der Lage, deutlich mehr Begriffe wiederzugeben als die, die ihre Begriffe in loser Reihenfolge vorfinden. Für die Praxis bedeutet dies, dass schon eine saubere Heftführung das Lernen leichter macht.

Merksprüche, Lernen bei Bewegung, Begriffe in Kategorien einordnen oder auch das Erfinden von Geschichten helfen außerdem dabei, Gelerntes besser abzuspeichern. "Bei jeder Lernaufgabe sollte versucht werden, so viel Sinne wie möglich anzusprechen", rät Bahners. Regelmäßiges Wiederholen trage dazu bei, die Informationen wesentlich länger zu speichern.

(WS03)