Mehr als 40 Wohnungen und vier Doppelhaushälften auf ehemaligem Gärtnereigrundstück in St. Tönis

St. Tönis : Verkehr bereitet den Politikern Sorgen

Mehr als 40 Wohnungen und vier Doppelhaushälften will ein Investor auf dem ehemaligen Gärtnereigrundstück zwischen Anton-Beusch- und Friedrichstraße in St. Tönis bauen. Der Planungsausschuss begrüßt das Vorhaben.

Die Idee kommt gut an bei der Verwaltung und den Politikern im Planungsausschuss: Etwa 43 Wohnungen in fünf zwei- bis dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern will ein Investor bauen, der das ehemalige Gärtnereigrundstück zwischen der Friedrichstraße und der Anton-Beusch-Straße erworben hat. Außerdem sind vier Doppelhaushälften auf dem gut 9000 Quadratmeter großen Areal geplant. Trotz allgemeiner Zustimmung wurde der dafür notwendige vorhabenbezogene Bebauungsplan in der jüngsten Sitzung des Fachausschusses aber nicht beschlossen, denn die Politiker haben noch Fragen und Bedenken.

Die größte Sorge dabei ist der Verkehr. „Wir haben heute schon eine Verkehrsproblematik auf der Friedrichstraße“, sagte Hans-Hugo Frick, sachkundiger Bürger der FDP-Fraktion. Nun seien entlang der drei Häuserblocks, die an der Friedrichstraße gebaut werden sollen, 36 Stellplätze geplant. „Das bedeutet 30 bis 40 zusätzliche Autos auf der Straße“, sagte Frick und befürchtet ein riesiges Chaos. Der Ausschussvorsitzende Hans Joachim Kremser (SPD) wies darauf hin, dass die Stellplätze auf dem Grundstück geplant seien, nicht auf der Straße. Dennoch: „Wir sehen die Verkehrsproblematik ebenfalls“, sagte Christiane Tille-Gander, Sprecherin der CDU-Fraktion. Die Friedrichstraße sei sehr eng und stark beparkt. Die Verkehrsflüsse müssten „sensibel durchdacht“ werden.

Kurt Wittmann von Bündnis 90/ Die Grünen schlug vor, den Stellplatzschlüssel von jetzt 1,4 deutlich zu erhöhen: „Dann könnten Parkplätze vermietet werden, und die Autos wären von der Straße.“ Das böte sich besonders in der Tiefgarage an, die zum Neubauprojekt gehört und von der Anton-Beusch-Straße aus angefahren werden soll, sagte Wittmann. Bisher sind dort lediglich 14 Stellplätze vorgesehen. Fachbereichsleiter Jörg Friedenberg gab zu bedenken, dass die Tiefgarage teuer sei und sich das für den Investor nur lohne, wenn sie ausgelastet sei. „Wir betrachten die Verkehrsströme und sehen, was wir verbessern können“, versprach Friedenberg.

Um den Verkehr ging es auch Michael Schütte von der GUT. „Der geplante Ring um das Grundstück der Kita an der Anton-Beusch-Straße ist unglücklich“, sagte der Stadtverordnete. Auch dass dort die Zu- und Abfahrt der Tiefgarage liegen soll, gefällt Schütte nicht. Weitere Anregungen, die in die Planung einfließen sollen, kommen von der SPD und der UWT. So regen die Sozialdemokraten an, 25 Prozent der Wohnungen, also zehn bis elf Stück, als sozial geförderten Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen zu realisieren. Dagegen spricht sich aber die CDU-Fraktion aus. „Wir sind gegen die 25-Prozent-Regelung“, sagte Christiane Tille-Gander. Der Vorschlag könne dem Investor unterbreitet werden, aber ohne Vorgabe der Anzahl.

Heidi Sorgalla, sachkundige Bürgerin der UWT, schlug vor, im Sinne des Klimaschutzes begrünte Dächer festzulegen. Auch die Verwaltung hat sich Gedanken um die Klimabilanz gemacht: Auf dem Gelände befinden sich, neben vier alten Wohnhäusern, die abgerissen werden sollen, etwa 20 großkronige Laubbäume. Da es sich um Pläne der Innenentwicklung handele, sei gesetzlich kein Ausgleich vorgeschrieben, heißt es in der Vorlage. Aber die Verwaltung sei bemüht, mit dem Investor eine freiwillige Übereinkunft zu erreichen, möglichst viele der vorhandenen Bäume zu erhalten und für jeden gefällten Baum einen neuen auf dem Grundstück zu pflanzen.

Der Ausschuss einigte sich schließlich darauf, den Bebauungsplan in der nächsten Sitzung am 18. Dezember noch einmal aufzurufen, in der Hoffnung, dass dann alle Fragen beantwortet und die Anregungen eingeflossen sind.

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