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Landwirt Peter Joppen aus Tönisvorst nutzt den Dezember für Reparaturen

Serie: „Im Märzen der Bauer ...“ : Mit der Flex zur Pediküre

Weniger aufs Feld, dafür mehr in die hauseigene Werkstatt und in den Wald geht es im Dezember beim Tönisvorster Landwirt Peter Joppen. Vater und Sohn haben neben der täglichen Stallarbeit alle Hände voll zu tun.

Ein Regen aus duftendem Stroh rieselt in die Kälberboxen. Große dunkle Augen schauen neugierig zu, wie Josef Joppen mit der Strohgabel die frische Einstreu verteilt. Für die Anfang November geborenen Tiere ist dies kein, Grund ihren Platz zu verlassen. Erst als der 26-jährige Landwirt zu den Nuckeleimern greift, kommt Bewegung in die 15 Kälbchen. Alle drängen an die Abtrenngitter, denn die Eimer stehen für eine ihrer täglichen Futterportionen Milch. Kurze Zeit später hängt an jedem der Nuckel eine kleine Schnauze. Glucksende Geräusche sind zu hören. Allen schmeckt es eindeutig.

Einige Meter weiter fließt die Milch indes in den großen Milchtank. Peter und Mathilde Joppen sind im Melkstand anzutreffen, wo 90 Kühe darauf warten, an die Melkmaschinen gehängt zu werden. Es ist 6 Uhr morgens, und die Arbeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Joppen läuft auf Hochtouren. Jeder Tag beginnt mit dem Versorgen der insgesamt 200 Rindviecher. „Meine Frau und ich starten morgens immer mit dem Melken, während unser Sohn und der Lehrling bereits füttern und einstreuen“, sagt Peter Joppen.

Peter Joppen wirft Holz in den Holzvergaserkessel, durch den der gesamte Hof beheizt wird. Foto: Wolfgang Kaiser

Erst sind die Tiere an der Reihe. Danach steht das eigene Frühstück an. Das gilt für 365 Tage im Jahr. Wobei am frühen Morgen direkt der Gesundheitszustand der Tiere überprüft wird. Lahmt ein Tier, kündigt sich eventuell eine Euterentzündung an, wird ordentlich gefressen, macht eine Kuh einen matten Eindruck – alles Punkte, auf die bei der Arbeit geachtet wird. „Je früher man etwas erkennt, desto besser kann man es behandeln“, sagt Peter Joppen.

Neben dem Milchviehbetrieb gehört der Ackerbau auf dem Hof dazu. Zuckerüben, Mais, Gerste, Weizen und Gras werden angebaut. Wobei im Dezember die Arbeit auf dem Acker ruht. Mit der Feldarbeit ist man soweit durch. Los geht es erst wieder im Januar mit dem Mistfahren. Dafür stehen andere, für den Monat Dezember typische Arbeiten an. Dazu gehört unter anderem das Reparieren von Maschinen und Ausrüstung. Schlepper und Anhänger wurden gerade für den TÜV fertig gemacht, wobei der ins Haus kommt und an Ort und Stelle prüft. „Da wundert man sich immer, wie schnell die zwei Jahre rum sind“, scherzt der Landwirt, der gerade die Kettensäge ins Auto packt.

In der Werkstatt ist Josef Joppen mit einer Flex zugange, um Teile für die Gitter zu reparieren. Foto: Wolfgang Kaiser

Im eigenen Wald stehen heute Fällarbeiten auf der Liste der zu erledigenden Dinge. Der Holzeinschlag ist dem Dezember vorbehalten. Wobei die Stämme später mit Traktor und Hänger auf den Hof gefahren werden. Das Spalten schließt sich an. Danach erfolgt die Lagerung in großen Drahtboxen.

Einer will mit in den Wald: Jagdhundmix „Felix“. Doch bevor es losgeht, füttert Peter Joppen noch den Holzvergaserheizkessel. Das gesamte Haus wird über die Anlage geheizt, und auch die Warmwasserversorgung erfolgt darüber. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn der Ofen nicht regelmäßig gefüttert wird, bleibt es kalt.

In der hauseigenen Werkstatt hat Josef Joppen indes zu Schutzbrille, Ohrenschutz und Flex gegriffen. Arbeiten an den Absperrgittern stehen an. Nachdem schon gebrochene Scharniere repariert und kaputt gegangenen Bolzen an den Front- und Seitenbügeln der Boxen ersetzt worden sind, sind nun die Absperrgitter an der Reihe. Funkenflug setzt ein, und das Kreischen der Flex auf dem Metall übertönt jedes Geräusch.

Mit einer Flex samt Schleifscheibe ist auch Jan Sablewski im Einsatz. Allerdings geht es bei ihm leiser und ohne Funkenflug zu. Der Lehrling manikürt nämlich Kuhfüße. Die Klauenpflege der Paarhufer ist immens wichtig. Gerade im Winter, wenn sich die Tiere mehr im Stall als auf der Wiese aufhalten, ist es von großer Bedeutung, das Horn an den Hufen entsprechend zurückzuschneiden und in eine korrekte Form zu bringen. „Das ist wie Nägel schneiden bei uns. Das tut den Kühen genauso wenig weh, weil sie in diesem Bereich des Horns kein Gefühl haben“, erklärt Sablewski. Kuh für Kuh führt er in den Klauenstand, wo die Beine, eins nach dem anderen mit einer Schlaufe hochgehalten werden und er so beide Hände für das Arbeiten mit dem gebogenen Klauenmesser und danach mit der Flex für den Feinschliff frei hat.

Mathilda Joppen hat sich derweil in die Küche zurückgezogen und sorgt für das Mittagessen, das für alle um Punkt 13 Uhr auf dem Tisch steht. Kohlrouladen und Kartoffeln sind heute angesagt. Nach dem Mittagessen geht es weiter. Büroarbeiten und weitere Arbeiten in der Werkstatt liegen an. Für Josef Joppen rückt indes eine betriebliche Fortbildung in Sachen Pflanzenschutzkundenachweis in den Mittelpunkt. „Im Dezember finden immer relativ viele Fortbildungen und Schulungen statt, weil die meisten Landwirte in diesem Monat etwas mehr Zeit für solche Dinge haben“, sagt der 26-Jährige. Und ohne Weiterbildung läuft auch in der Landwirtschaft nichts. Der Abend gehört dann wieder ganz den Rindviechern. Füttern und die zweite Melkrunde stehen an. Erst danach gibt es Abendbrot für die Familie.