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Kommunalwahl 2020: FDP Tönisvorst will zur Selbstfinanzierung motivieren

RP-Sommergespräch mit der FDP Tönisvorst : FDP will zur Selbstfinanzierung motivieren

Die Liberalen sehen in der Apfelstadt bedingt durch die Corona-Pandemie schwarze Wolken über dem Stadt-Etat aufziehen. „Da ist eine Rekordverschuldung in Sicht“, sagt Spitzenkandidat Torsten Frick.

Die Tönisvorster FDP stellt sich bei der Kommunalwahl hinter den CDU-Bürgermeisterkandidaten Thomas Goßen und möchte ihre zwei Sitze im Stadtrat verteidigen. „Schön wäre, wenn ein, zwei Sitze dazukämen“, sagt der Spitzenkandidat Torsten Frick. Vor allem Goßen genießt das Vertrauen der Liberalen: „Er hat gute Arbeit geleistet. Darauf bauen wir auch in der Zukunft“, sagt Frick.

Weiterhin soll realistische Politik gemacht werden. Realistisch ist für die Liberalen der Apfelstadt, im Laufe der kommenden Legislaturperiode einen Verwaltungsneubau umzusetzen. Einen solchen Neubau kann sich Frick sehr gut im Bereich des jetzigen Rathaussitzes an der Bahnstraße vorstellen. „Aber nicht am Wilhelmplatz, das geht aus verkehrstechnischen Gründen nicht“, betont der 46-Jährige.

Frick, von Haus aus Bankkaufmann und Versicherungs-Fachmann, nennt als erstes die Finanzen – „unser wichtigstes Thema“. „Ohne soliden Haushalt können wir nichts gestalten“, sagt Frick, der seit elf Jahren für die FDP im Stadtrat sitzt. Bei ohnehin nur zehn Prozent Verfügungsmasse im Haushalt für die politische Gestaltung sei ein durchaus realistisches Haushaltssicherungskonzept „verheerend“. „Deshalb müssen wir sparen und keinen Blütenträumen hinterherrennen“, sagt der FDP-Mann, der sich in seinen politischen Anfängen auch schon für die CDU engagiert hat.

Insbesondere mit Blick auf die Corona-Pandemie sieht Frick schwarze Wolken über dem Stadt-Etat aufziehen: „Da ist eine Rekordverschuldung in Sicht“, sagt der Inhaber einer Versicherungs-General-Agentur in Tönisvorst. Vor diesem Hintergrund sehen es die Liberalen als ihre Pflicht, der Verwaltung bei allem Vertrauen zum Bürgermeister auf die Finger zu gucken. Frick: „Wir haben kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Man sollte nur das Geld ausgeben, das man hat.“

Aus dieser streng finanzpolitisch orientierten Denke heraus blickt die FDP Richtung Vorster Rathaus, das in die Jahre gekommen ist und einen hohen Erhaltungsaufwand mit sich zieht. „Das wäre bei einem Privat-Investor in besseren Händen“, sagt Frick und meint damit, dass die Stadt Tönisvorst mit einem Abstoßen der Immobilie mit einem Schlag ein bleischweres Minus aus den Büchern hätte.

Überhaupt müsse die Stadt laut Frick investive Maßnahmen gegenüber konsumptiven favorisieren. Sprich: „Ja“ zum Verwaltungsneubau, was einem Substanzerhalt gleichkäme; „Nein“ zu Luxusausgaben, die die Empfänger aus eigener Kraft auch ohne das monetäre Füllhorn der Stadt stemmen könnten. Frick: „Wir wollen zur Selbstfinanzierung motivieren.“

In der Tradition der liberalen Wirtschaftspolitik will die FDP den durch die Corona-Pandemie angestoßenen Digitalisierungsschwung nutzen, die örtlichen Betriebe davon profitieren zu lassen. Die Digitalisierung, so Frick, hat „erstaunliche Erkenntnisse“ für die Wirtschaft mit sich gezogen, aus denen man jetzt lernen müsse. Nicht jedes Mal in den Flieger, wenn eine Geschäftsbesprechung in München ansteht; Homeoffice weiter stärken; ein Beratungsgespräch via Video-Chat statt Auge in Auge – solche Dinge kommen auch der Umwelt zugute. Frick: „Es ist doch äußerst erfreulich, wenn wir in Venedigs Lagunen wieder durch sauberes Wasser den Boden sehen.“

Wobei Frick schnell beim Thema Umwelt ist, das ihm am Herzen liege: „Wir müssen bei allem Tun unseren ökologischen Fußabdruck auf dem Planeten hinterfragen. Und zwar ohne Ideologie.“ Selbstkritisch kehrt der Liberale hier vor der eigenen Haustür und sagt: „Die einzige Entscheidung, die ich heute nicht mehr treffen würde, ist das Handheben zum Klimanotstand in Tönisvorst.“ Da habe sich die FDP zu sehr von der allgemeinen Stimmung und Emotionen im Umfeld treiben lassen. Das widerspreche dem liberalen Grundgedanken, nicht so stark reglementierend in die Rechte des anderen einzugreifen. Also keine Vorschriften, was die Gestaltung des Vorgartens betrifft, kein verfügter Veggie-Day.

Das impliziert laut Frick das Recht, sich zu korrigieren und eine als falsch erkannte Entscheidung rückgängig zu machen. Hier nennt Frick den Prozess, aus der Tönisvorster Sekundarschule eine Gesamtschule zu entwickeln, weil deren pädagogisches Modell als nachhaltiger erkannt worden sei: „Das war genau der richtige Schritt.“

Frick und der FDP ist wichtig, dass der Bürger diese Prozesse inklusive der Entscheidungen der politisch Verantwortlichen nachvollziehen kann. Deshalb plädiert er für einen Video-Live-Chat der Ratssitzungen. „Das würde Transparenz in die Politik bringen.“ Eine Schüler-AG sei in der Lage, dieses virtuelle Fenster aus dem Rathaus in die Stadt zu öffnen.