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Knie-OP am Krankenhaus St. Tönis

St. Tönis : Heilung mit gezüchtetem Eigengewebe

Das Krankenhaus Maria Hilf in St. Tönis lud die Medien ein, bei einer Knie-OP dabei zu sein. Vorgeführt wurde eine hochmoderne Transplantation von körpereigenen Knorpelzellen des Kniegelenks. Der Eingriff dauerte 20 Minuten.

Das Maria-Hilf-Krankenhaus in St. Tönis ist von der Bettenzahl gesehen eher ein kleines Haus. Trotzdem gehört es zu einer Elite. Nur 60 bis 70 Orthopäden bundesweit können die Transplantation von körpereigenen Knorpelzellen des Kniegelenks anbieten. Maria Hilf in St. Tönis gehört dazu. Dr. Peter Mann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie des Krankenhauses Maria Hilf Tönisvorst, führt seit September 2014 Knorpelzelltransplantationen am Knie durch, bislang zunächst im Krankenhaus Maria-Hilf in Krefeld, da dort bereits die für die behördliche Genehmigung erforderlichen Voraussetzungen gegeben waren, Auch für das moderne Operationszentrum des Krankenhauses in St. Tönis liegt die Genehmigung seit vergangenen August vor.

Zusammen mit seiner Oberärztin Dr. Sandra Köhler hatte er schon vorher an der Uerdinger Klinik diese OP angeboten. Bei einem Ärztekongress in den 1990er Jahren in den USA hat Peter Mann von diesem Verfahren erfahren und war sofort fasziniert. Erfunden hat diese spezielle OP ein Schwede, seit 25 Jahren wird dieses Verfahren angewandt. Auch für das Tönisvorster OP-Team ist diese Knorpeltransplantation bereits Routine. Das merkt man den Operateuren an.

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Aber das eigentlich Besondere passiert zuerst außerhalb des Körpers. Auch dieser Patientin wurden sechs Wochen vor dem OP-Termin Knorpelzellen aus dem Kniegelenk entnommen, dazu mehrfach Blut. Beides wurde zu einem Institut im brandenburgischen Teltow bei Berlin geschickt, und dort wurden daaus Sphäroide, viele kleine Knorpelzellen, gezüchtet. Sechs, sieben Wochen lang werden die Zellen mit dem Blut der Patientin „gefüttert“. Die so gewachsenen bis zu 100 stecknadelgroßen Kügelchen kommen dann mit dem Flugzeug gekühlt im sterilen Wasser zurück und müssen innerhalb von 48 Stunden ins Kniegelenk wieder eingesetzt werden.

Zerstörte Knorpelzellen regenerieren sich nicht selbst, aber seit 1989 ist es möglich, Knorpelzellen aus dem Kniegelenk zu entnehmen und diese für die Rücktransplantation in einer Nährlösung zu züchten. Heute ist das Verfahren sehr ausgereift. Der Knorpel wird über eine kurze Gelenkspiegelung, die Arthroskopie, entnommen und nach wenigen Wochen über einen kleinen Hautschnitt wieser eingesetzt. Die Patientin, Mitte 30, aus Krefeld kam mit Knieschmerzen zu Dr. Mann. Sie betreibt Kampfsport und hatte einen Schlagschaden am Knie erlitten. Jetzt liegt sie bei vollem Bewusstsein auf der OP-Liege, über eine Rückenmarkspritze erhält sie eine lokale Betäubung. Der Eingriff dauert 20 Minuten und verläuft ganz ohne Komplikationen. Am Abend wird sie bereits wieder aufstehen dürfen. Gestützt auf eine Krücke wird das operierte Bein teilbelastet. Die Devise heißt dann: wenig belasten, viel bewegen. Nach sechs Wochen ist das Knie normal belastbar, doch auf Sport muss sie ein bis anderthalb Jahre erst einmal verzichten. Die Kügelchen wachsen sofort nach dem Eingriff an, die gelartige Substanz wird sich auf dem Knochen im Kniegelenk verbreiten und nach anderthalb Jahren gehärtet sein.Schmerzen nach der OP gibt es erfreulicherweise nicht. Das Tönisvorster Krankenhaus beteiligt sich am deutschen Knorpelregister. Die Universität Freiburg führt dazu eine Multicenterstudie durch.

Birger Kluge hat diese Knie-OP bereits vor einem Jahr mitgemacht. Der 50-jährige Tönisvorster wurde noch in Krefeld operiert. Nach einem Unfall konnte er sein Knie kaum mehr bewegen. Bei einem Sturz zu Hause hatte er sich einen zehn Quadratzentimeter großen Knorpelschaden am Kniegelenk zugezogen. Für diese Methode war das medizinisch am Rande des Machbaren. Aber es hat funktioniert. Vier Tage im Krankenhaus, danach vier Wochen in der Reha-Klinik. Die Spaziergänge mit Hund am Strand waren anfangs noch sehr anstrengend. Heute stört Kluge nichts mehr.