„Kleine Hexe" von Otfried Preußler im Corneliusforum in St. Tönis

„Kleine Hexe“ im Corneliusforum in St. Tönis : Kindertheater: Vom Mut, anders zu sein

127 Jahre und immer noch zu jung für die Walpurgisnacht – „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler begeistert die Kinder im Corneliusforum. Eingeladen zum Theaternachmittag hatte der Stadtkulturbund Tönisvorst.

Gut besucht ist das St. Töniser Corneliusforum an diesem Nachmittag. Etwa 200 Kinder – manche sind als Hexen verkleidet – sitzen in den vorderen Stuhlreihen, die extra für sie reserviert sind. Etwa genauso viele Eltern und Großeltern haben in den hinteren Reihen und auf der Empore einen Sitzplatz gefunden. Eingeladen zum Theaternachmittag hat der Stadtkulturbund Tönisvorst.

Jedes Jahr zeigt der Verein ein großes Kinderstück im Forum. In diesem Jahr ist es „Die kleine Hexe“ nach dem Kinderbuch von Otfried Preußler. Das Ensemble der Burghofbühne Dinslaken, das mit dem Stück in St. Tönis gastiert, hat ein rockiges, buntes Theater aus dem Klassiker gemacht (Regie: Nadja Blank). Originelle Kostüme, eine wandelbare Bühne, viel flotte Musik und schwungvolle Tanzeinlagen machen das Familienstück zu einer kurzweiligen Unterhaltung, die auch bei den älteren Zuschauern gut ankommt.

Im Mittelpunkt steht die kleine Hexe, dargestellt von Julia Sylvester. Mit pinken Schuhen, einem Jeansrock, Ringelpulli, roter Perücke und lustiger Harry-Potter-Brille erobert sie die Herzen der Kinder. „Wenn ich erwachsen bin, dann mache ich, was mir gefällt“, singt sie in einer Szene und die Kinder wippen begeistert mit. Noch aber darf die kleine Hexe nicht machen, was sie möchte, denn sie ist erst 127 Jahre alt und damit zu jung für die Feier zur Walpurgisnacht auf dem Blocksberg.

Das finden zumindest die Muhme Rumpumpel (Monika Sobetzko), die Kräuterhexe (Philip Pelzer), die Knusperhexe (Julia Kempf) und die Oberhexe (Malte Sachtleben). Die haben der kleinen Hexe verboten, zum Blocksberg zu kommen, entdecken sie aber schließlich doch unter den Feiernden. Kurz wird es etwas bedrohlich: das Licht ist gedämmt, die Musik düster, die Hexen lachen ein gemeines Lachen und als schließlich die tiefe, unfreundliche Stimme der Oberhexe ertönt, ist einigen der kleinen Zuschauer offensichtlich doch ziemlich mulmig zumute.

Dabei ist die Oberhexe eigentlich lustig anzusehen. Sie trägt rote Lackstiefel mit hohen Absätzen und ihre gelockten Haare sind zur Hälfte lila und zur Hälfe weiß. Auch die kleine Hexe lässt sich nicht wirklich einschüchtern von dem donnernden Wesen. Aber gut endet der verbotene Ausflug trotzdem nicht: Die alten Hexen nehmen der kleinen Hexe den Besen weg, und statt zu fliegen, muss sie nun den weiten Weg zurück in ihr Hexenhäuschen zu Fuß laufen.

Dort wartet der treue und kluge Gefährte Abraxas (Laura Götz) schon auf die kleine Hexe und nimmt sie tröstend in die Arme. Gemeinsam beschließen die beiden, dass die kleine Hexe von nun an eine richtig gute Hexe wird, damit sie im nächsten Jahr auf dem Blocksberg mittanzen darf. Also hext sie in einer quirligen Marktszene einem Mädchen duftende Blumen, die sich viel besser verkaufen, als die einfachen Papierblumen. Im Wald hilft sie einer alten Frau beim Holzsammeln und zeigt dem Förster seine Grenzen – was die Kinder im Publikum begeistert beobachten.

Auch rettet sie bei einem Schützenfest einen Ochsen vor dem Tod und freundet sich mit zwei Kindern an. Den anderen Hexen aber passt das gar nicht. Für sie ist eine gute Hexe nämlich eine sehr böse Hexe. Und so ist „Die kleine Hexe“ auch eine Geschichte über den Mut, anders zu sein und den Sinn im Guten zu sehen. Und natürlich ist es eine Geschichte über die richtigen Freunde – und das sind im Fall der kleinen Hexe definitiv nicht die anderen Hexen.

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