Kinder lernen Schmiedehandwerk in St. Tönis kennen

Workshop für Kinder und Jugendliche : Kraft und Geduld beim Schmieden

Acht Kinder wurden am Mittwoch auf dem St. Töniser Rathausplatz ins Schmiedehandwerk eingewiesen. Beim Workshop der Eventschmiede Solingen lernten die Teilnehmer den richtigen Umgang mit heißem Eisen.

Schon von Weitem ist das typisch hohe Pling zu hören, das erklingt, wenn ein Eisenhammer auf ein Eisenstück trifft. Aber das Geräusch kommt nicht von einer Baustelle, und es handelt sich auch nicht um gewöhnliches Eisen, sondern um ein 1000 Grad heißes Werkstück. Die Eventschmiede Solingen ist zu Gast auf dem Rathausplatz. Michael Bauer-Brandes, Leiter der Schmiede, bietet in St. Tönis zum ersten Mal über das Programm „Kulturrucksack“ einen Schmiedeworkshop für Kinder zwischen zehn und 14 Jahren an.

Acht Kinder, sechs Jungen und zwei Mädchen, haben sich zu diesem ungewöhnlichen Termin angemeldet. „Eigentlich waren es zehn Kinder, aber zwei sind einfach nicht gekommen“, sagt Carmen Alonso, Leiterin der Stadtbücherei, die die Angebote aus dem Kulturrucksack jedes Jahr für die Herbstferien mitorganisiert. Dass Kinder zu den kostenlosen Workshops angemeldet werden und dann nicht erscheinen, ärgert die Organisatorin: „Wir hatten mehr Anfragen als Plätze und mussten anderen Kindern absagen“, berichtet sie.

Die Kinder, die da sind, bereuen es nicht. „Das macht Spaß“, sagt der zwölfjährige Leo. Ebenso wie die anderen Teilnehmer ist er mit Handschuhen, einer Schutzbrille und einer langen Schürze zum Schutz vor Funken ausgestattet. „Ich wollte das mal ausprobieren. Die Gelegenheit hat man ja sonst nicht“, erklärt der Schüler. Von den drei Werkstücken, die Michael Bauer-Brandes zur Auswahl gestellt hat, hat Leo sich das Messer ausgesucht, weil es ihm, wie fast allen Teilnehmern des Workshops, für den Anfang am leichtesten erschien. Auch eine Spirale als Pflanzenhalter für den Garten oder einen Stierkopf hätten die Kinder schmieden können.

Liam, Paul und Anton sind ebenfalls begeistert vor der Schmiedekunst. Gebannt stehen die drei Freunde an einer der beiden Kohlefeuerstellen und achten darauf, dass ihr Eisenstück nicht zu heiß wird. „Wenn ihr das Eisen so warm machen möchtet, dass ihr es formen könnt, muss es auf 1000 Grad erhitzt werden“, hatte Michael Bauer-Brandes den Kindern zuvor erklärt. „Je dunkler die Farbe des Eisens ist, desto kühler ist es. Die absolute Hitze ist bei 1300 Grad erreicht, dann glüht das Eisen weiß. Danach verbrennt es“, erklärt der 53-Jährige seinen aufmerksamen Zuhörern.

Auf dem Rathausplatz, wo die beiden Kohlefeuer und die drei Ambosse, die als Arbeitsplätze dienen, stehen, haben sich schnell Schaulustige eingefunden, die den Kindern zuschauen und fachsimpeln. „Das ist nicht heiß genug, Junge“, sagt ein Zuschauer, „das musst du nochmal ins Feuer legen.“ Nötig sind die gut gemeinten Tipps nicht, denn Michael Bauer-Brandes hat seinen Gesellen Steffen Groenewold und den Auszubildenden Darius Söte mitgebracht, die den Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Hanna und Lotta sind die einzigen Mädchen in der Gruppe. „Ich mache so etwas gerne“, sagt die elfjährige Hanna. „Ich helfe meinem Vater auch zu Hause oft bei handwerklichen Arbeiten.“ Auch Lotta kann einen Nagel in die Wand schlagen, mit dem Akkubohrer und der Stichsäge umgehen. „Das hier ist aber doch etwas anders“, sagt die 14-Jährige. „Man braucht Kraft und Geduld, und kaum hat man ein paar Schläge gemacht, ist das Eisen schon wieder abgekühlt und man muss zurück zum Feuer.“

Dass die Schmiedekunst nicht nur ein interessantes, sondern auch ein gefragtes Handwerk ist, stellt Bauer-Brandes immer wieder fest. „Die Menschen achten wieder mehr auf Nachhaltigkeit“, sagt der Schmied, „viele wollen Dinge, die lange halten und gut gemacht sind.“ Neben Arbeiten an Bauwerken aller Art, gestaltet der Solinger in seiner Schmiede auch moderne Skulpturen, die etwa Kreisverkehre zieren.

Davon sind die Kinder am Ende des dreistündigen Workshops noch weit entfernt, aber einen kleinen Einblick in die Handwerkskunst haben sie immerhin bekommen, und die Werkstücke, die sie dabei selbst geschmiedet haben, bekommen einen Ehrenplatz in ihren Kinderzimmern.

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