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Tönisvorst: Kaserne in Forstwald bleibt unangetastet

Tönisvorst : Kaserne in Forstwald bleibt unangetastet

Der Krefelder Teil des ehemaligen Kasernengeländes in Forstwald soll überbaut werden, nicht so in Tönisvorst. Während des Krieges befand sich dort ein Lager der Organisation Todt, 1945 beschlagnahmte die Royal Army das Areal.

Der Regionalrat bei der Bezirksregierung in Düsseldorf hat eine Regionalplanänderung im Gebiet der Stadt Krefeld beschlossen, die auch Tönisvorst betrifft. Im Bereich Forstwald wird jetzt die Umnutzung der ehemaligen Kaserne für Wohnbau und Wald vorbereitet. Das seit 2002 nicht mehr genutzte Kasernengelände befindet sich an der Stadtgrenze mit Krefeld, der größere Teil der Kaserne liegt auf Krefelder Stadtgebiet, ein kleinerer nördlicher Teil, etwa ein Drittel, aber auf Tönisvorster Stadtgebiet. Interessanterweise hat der Regionalrat die Umwidmung allein auf den Krefelder Teil bezogen, beim Tönisvorster bleibt planerisch ein Konversionsstandort.

Die Entscheidung im Regionalrat fiel einstimmig, die Grünen und die Linke enthielten sich. Eigentümer der ehemaligen Kaserne ist heute die Bundesanstalt für Immobilien (BIMA). Dass der Tönisvorster Teil der Fläche nicht in die Umwidmungspläne aufgenommen wurde, ist vollkommen im Sinne der Tönisvorster Stadtspitze. Verwaltung und Politik seien sich einig, an dieser Stelle kein neues Wohnen zu planen, sondern alles so zu lassen, wie es ist. Marcus Beyer, Fachbereichsleiter Planung der Stadt, sieht das in Frage kommende Gelände langfristig eher als reine Waldfläche.

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Doch Aufforsten kann die Stadt dort auch nicht, das Gelände gehört ihr gar nicht. Insofern ist vielmehr anzunehmen, dass dort in den nächsten Jahren nichts passiert und die Gebäude weiter verfallen. Der Bund wird kein Geld und Interesse haben, die Kasernenbauten abzureißen und das Gelände aufzuforsten.

In Krefeld hat ein Investor Interesse bekundet, im Bereich der Kaserne Wohnbebauung zu schaffen. Das Kasernengelände liegt direkt in der Nähe der Bahnstrecke, die in Forstwald einen Haltepunkt aufweist. Seitdem ist der Stadtteil Forstwald geteilt in Gegner und in Befürworter. Der Krefelder Rat hat einer Bebauung grundsätzlich zugestimmt. Zu einer Diskussion "Kaserne wiederaufforsten oder Wohnbebauung?" kamen 200 Bürger im westlichen Krefelder Stadtteil.

Zu den Befürwortern gehören die Grünen. Da sie den Flächenverbrauch der freien Landschaft kritisieren, sind sie im Umkehrschluss für die Umwandlung von bisherigen Brachflächen wie dieser alten Kaserne. Der Krefelder Grüne Rolf Rundmund hatte das Kasernengelände mit Vertretern des Planungsamtes und der Bundesanstalt für Immobilien (BIMA) besichtigt. "70 bis 80 Prozent der Fläche sind versiegelt", so Rundmund. "Wir müssen wegen der demografischen Entwicklung mit dem Ausweisen neuer Wohngebiete im Flächennutzungsplan sparsam sein", sagte er. Aus gesamtstädtischer Sicht sei das Kasernengelände als Baugebiet gut geeignet. "Wenn wir Flächen ausweisen, dann da, wo bereits versiegelt ist und nicht auf der grünen Wiese." Kurt Biederbick vom Bund für Umwelt- und Naturschutz bezeichnete das Kasernengelände als "übel zugerichtetes Gelände", das kein Wald sei, und plädierte ebenso für Bebauung,

Helmut Sallmann erinnert in seinem Beitrag über die Entwicklung von Forstwald in "Die Heimat 78/2007", der Zeitschrift des Krefelder Vereins für Heimatkunde, schon vor sieben Jahren an diesen Standort. Während des Zweiten Weltkrieges errichtete dort die paramilitärische NS-Organisation Todt ein Lager, in dem auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht waren. 1945 beschlagnahmten die Briten das Areal. Dort zog das 28. Signalregiment ein. Die Holzbaracken der Organisation Todt ersetzten die Briten durch Baracken aus Stein. 2002 gaben die Briten den Standort Forstwald auf. Ihre Bauten blieben.

(RP)