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Kai Hebben ist neuer Löschzugführer in Vorst

Freiwillige Feuerwehr Tönisvorst : Neue Löschzugführung in Vorst

Kai Hebben (39) hat die Leitung der Feuerwehr in Vorst übernommen, Stephan Kottal (37) ist sein Stellvertreter. Nach dem Konflikt innerhalb der Führungsetage soll nun Ruhe einkehren.

Der Vorster Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst hat nach einem guten halben Jahr Vakanz eine neue Führung. Mit dem Brandinspektor Kai Hebben und dem Oberbrandmeister Stephan Kottal sind zwei langjährige und erfahrene Mitglieder an die Spitze gerückt. Sie wollen dem Löschzug wieder eine Struktur geben und unter den Kameradinnen und Kameraden Zusammenhalt schaffen. Hinsichtlich der internen Querelen der vergangenen Monate betonen sie: Zu keiner Sekunde habe es eine Gefährdung der Bevölkerung gegeben. „Wir sind einsatzbereit“, sagt Hebben.

Die Ernennung der beiden Anfang Juni ist das Ende eines Konflikts innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst, der mit dem Rücktritt des damaligen Vorster Löschzugsführers Toni van Cleef im November 2019 an die Öffentlichkeit gelangt war. Mit ihm legten mehrere Vorster Feuerwehrleute ihre Ehrenämter nieder. Inhaltlich äußern möchten sich auch jetzt weder Hebben noch Kottal, aber die Spannungen hatten dazu geführt, dass die Tönisvorster Politik im Mai entschied, Wehrführung und Löschzugführung zu trennen. Lange waren die Löschzugführer auch die Stellvertreter des Tönsivorster Wehrführers, was von den Vorstern als ungünstig gesehen wurde.

Durch die Unstimmigkeiten in der Führungsetage der Feuerwehr, sagt Hebben, sei die Struktur verlorengegangen, ohne die die Feuerwehr allerdings nicht bestehen könne. Nun soll es also einen Neuanfang geben. Warum sie glauben, dass sie die richtigen für ihre neuen Posten sind? „Weil die Mannschaft uns gewählt hat“, antwortet der neue Löschzugführer. Kottal fügt hinzu: „Dieser Rückhalt war uns wichtig.“

Das neue Führungsduo ist der Tönisvorster Feuerwehr eng verbunden. Hebben, seit 26 Jahren Mitglied, war schon früh ganz nah dabei; sein Vater stand dem Vorster Löschzug von 1994 bis 2010 vor. „Da kriegt man als Sohnemann ganz viel mit“, sagt er. Heute ist der 39-Jährige verheiratet, hat selbst zwei Kinder und arbeitet als Chemie-Ingenieur in Krefeld. Für seine Tätigkeit bei der Feuerwehr und dafür im Notfall alles stehen und liegen lassen zu müssen, habe sein Arbeitgeber Verständnis. Stellvertreter Kottal (37) lebt ebenfalls mit seiner Familie in Vorst, wo er auch als Maschinenbautechniker tätig ist. Fast 20 Jahre ist er Mitglied bei der Feuerwehr.

In dieser Zeit hat sich einiges verändert, haben die beiden beobachtet. Klassische Einsätze zur Brandbekämpfung seien dank zunehmender Maßnahmen zur Brandschutzvorbeugung wie etwa Rauchmeldern zurückgegangen, sagt Hebben. Dafür leiste die Feuerwehr inzwischen häufiger technische Hilfe, etwa bei Türöffnungen oder Verkehrsunfällen. Auch bei Letzteren habe es eine Entwicklung gegeben, sagt Kottal: „Insgesamt gibt es weniger, aber wenn es knallt, dann richtig.“

Ein einschneidendes Ereignis, das sich beiden ins Gedächtnis gebrannt habe, sei ein tragischer Unfall während des Jahrhundertsturms „Kyrill“ 2007 gewesen. Damals wurde ein Kamerad aus St. Tönis bei einem Einsatz von einem umstürzenden Baum erschlagen. „Das war für alle hart“, erinnert sich Hebben. Kottal fügt hinzu: „Man muss sich bewusst sein, welche Aufgabe man wahrnimmt, und dass bei den Einsätzen nicht nur Schönes passieren kann.“

Auch für die Feuerwehr bedeuten die Auflagen durch die Corona-Krise Einschränkungen. Bis heute ist die Durchführung von Ausbildungsübungen nicht möglich, nur zu Einsätzen fahren die Kräfte raus. Um dabei das Ansteckungsrisiko für jeden einzelnen zu verringern, sind die Teams kleiner und auf mehrere Fahrzeuge verteilt als üblich. Abseits des Einsatzgeschehens leidet die Kameradschaft. Zusammen sitzen und quatschen ist nicht möglich, der Kicker im ersten Stock des Gerätehauses an der Lindenallee im Moment verwaist. „Der Austausch fehlt“, schildert Kottal.

Hebben und sein Stellvertreter wollen den Vorster Löschzug für die Zukunft aufstellen. Von der Ausrüstung und den Fahrzeugen her sei man gut ausgestattet, sagt der Löschzugführer. Aber die Gemeinschaft, ein ganz wichtiger Teil der Freiwilligen Feuerwehr, müsse nun gestärkt werden; zudem sei die Mitgliedergewinnung anspruchsvoller geworden. Zwar sei die Tönisvorster Jugendfeuerwehr ein Garant für Nachwuchskräfte, allerdings längst schon kein Selbstläufer mehr. Wer also Menschen helfen wolle, Spaß an Handwerk und großen Fahrzeugen habe und dazu noch gesellig sei – „unsere Tore stehen für alle offen“, wirbt Hebben.

Mit ihren Kollegen aus St. Tönis wollen sie ein gutes Verhältnis pflegen. „Der eine kann nicht ohne den anderen, es geht nur zusammen“, sagt Hebben. Leitspruch müsse sein, sagt Kottal: Wir müssen reden. „Nur wenn man miteinander redet, kann man auch etwas bewegen.“