Kabarettist Christoph Sieber in Tönisvorst

Kabarettist Christoph Sieber in Tönisvorst : Markige Sprüche und bissige Kritik

Der Kabarettist Christoph Sieber war auf Einladung des Stadtkulturbundes Tönisvorst zu Gast im Corneliusforum. Das neue Programm hat satirische und philosophische Momente und steckt voller Gesellschaftskritik.

Diesmal sind es nicht die Politiker, auf die sonst so gern im Kabarett geschimpft wird, diesmal ist es die Gesellschaft, sprich: Es sind die Menschen im Publikum, denen Kabarettist Christoph Sieber den Spiegel vorhält. Das kommt nicht immer gut an, schließlich ist es viel lustiger, über das Fehlverhalten der anderen zu lachen, als über das eigene. Und manch einer fühlt sich wohl auch ertappt, wenn der Mann auf der Bühne kritisch anmerkt, dass ein Geländewagen für die Wüste gebaut worden sei und nicht für eine Kleinstadt, wo die Spritschleudern unnötig die Luft verpesten, Lärm machen und viel zu viel Parkraum einnehmen.

So ist der Abend mit Christoph Sieber, zu dem der Stadtkulturbund Tönisvorst ins Forum eingeladen hatte, nicht nur lustig – aber auch. Der Kabarettist, der seit 2010 immer mal wieder im Fernsehen zu sehen ist und einige Kleinkunstpreise verliehen bekommen hat, schafft es, eine gute Mischung aus kritischen Tönen, satirischen Einlagen und lustigen Geschichten in seinem Programm „Mensch bleiben“ unterzubringen. Und wenn die Stimmung dann doch mal im Keller ist, singt der 49-Jährige ein Liedchen und macht sich selber zum Affen.

Dabei hilft ihm die Schauspielausbildung mit dem Schwerpunkt Pantomime, die der Mann aus Süddeutschland in den 90er-Jahren an der renommierten Essener Folkwang-Hochschule absolviert hat. Vermutlich stammen auch daher die Jonglage-Künste, die Sieber eindrucksvoll mit drei Bällen vorführt, während er einen komplizierten Dialog in rasendem Sprechtempo vorträgt. Überhaupt ist ein Abend mit Christoph Sieber abwechslungsreich und kurzweilig. Humorvolle Geschichten, philosophischer Tiefgang, bittere Satire und pointierte Gesellschaftskritik wechseln sich mit Lyrik, Musik und Showeinlagen ab.

Was vom Abend hängen bleibt, sind ein paar einprägsame Sprüche wie „Lieber faul als immer müde“, „App, App, App, fertig ist der Depp“, aber auch „Solidarität ist der höchste Wert der Humanität“ oder „Wie lange wollen wir noch die Armen bekämpfen statt die Armut?“ und ein paar interessante Infos wie: „Im vergangenen Jahr gab es 26.000 Terror-Tote, aber jährlich sterben 180.000 Menschen an übermäßigem Konsum von Süßgetränken.“ Wir sollten also, folgert Sieber, mehr Angst vor Cola und Limo haben als vor Terroristen.

Auch das Internet kommt bei Sieber nicht gut weg. So entscheide Facebook demokratische Wahlen, weil das Netzwerk Menschen manipuliere. Und der Völkermord an den Rohingyas in Myanmar sei erst durch den Hass im Netz angefeuert worden, ist der 49-Jährige überzeugt. Auch von künstlicher Intelligenz hält der Kabarettist nicht viel. „Ich kenne Leute, die essen seit Jahren Harzer Roller, obwohl sie den nicht mögen. Aber der Kühlschrank bestellt den immer wieder nach.“

Eindeutig Stellung bezieht Sieber zu der „Fridays for future“-Bewegung: „Es ist wichtig, dass die Schüler zur Schulzeit streiken, es ist der Sinn von Protest, dass er den Ablauf stört.“ Von einem Arbeitnehmer habe auch noch nie jemand verlangt, in der Freizeit zu streiken. Außerdem hätten die Schüler die Pflicht zu demonstrieren, denn die Gesellschaft sei dabei, den Planeten nachhaltig zu zerstören, und das, „obwohl wir doch immer nur das Beste für unsere Kinder wollen“, wie Sieber sarkastisch anmerkt.

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