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Kabarett zwischen den Jahren im Haus Vorst

Vorst : Vergnüglicher Abend zum Jahresabschluss

Mit „Kabarett zwischen den Jahren“ bot der Stadtkulturbund Tönisvorst am Samstag ein unterhaltsames Programm. Erst konnten die Besucher im Haus Vorst essen. Dann boten Kabarettisten eine amüsante Nachspeise.

Im August ging der erste erfolgreiche Testlauf über die Bühne des Hauses Vorst, jetzt gab es als „Kabarett zwischen den Jahren“ die zweite Auflage: Eine unterhaltsame und entspannende Mischung aus Kulinarik und Kabarett. Bevor das Programm des Krefelder Wohnzimmertheaters Podio startete, hatten viele der 160 Gäste sich am Samstagabend bereits bei einem Essen auf das Kabarett einzustimmen. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Stadtkulturbund Tönisvorst, der seit 25 Jahren auf ehrenamtlicher Basis Theater, Kabarett und Konzerte in der Apfelstadt möglich macht. Allerdings bislang mit dem eindeutigen Schwerpunkt in St. Tönis. „Wir wollen mehr in Vorst machen“, sagte nun Thomas Nellen vom Stadtkulturbund.

„Die Künstler kommen gerne hierher“, verkündete denn auch Rüdiger Höfken von der Bühne, „es ist eine tolle, kuschelige Atmosphäre“. Im Sauseschritt düst er durch den Saal und springt förmlich auf die Bühne. Trotz seines Alters und aller damit verbundenen Problemchen, die er gleich seinem Publikum offenbaren wird. Höfken vom Wohnzimmertheater Podio, einem Teil der freien Theater- und Kulturszene Krefelds, ist an diesem Abend Moderator und Kabarettist zugleich. Der Uerdinger ist ein sympathischer Kumpeltyp in Jeans, T-Shirt und kariertem Hemd. Einer, der die Sorgen der Männer um die 50 kennt. Um aber dann auch festzustellen: „Eine Frau mit Problemzonen lebt länger als der Mann, der sie darauf hinweist“. Und dessen achtjähriger Neffe, ein „Digital Nativ“, beim Blick auf den alten Shell-Autoatlas verkündet: „Krass, Onkel, Du hast Google-Maps ausgedruckt.“

Özgür Cebe aus Bonn ist der zweite Kabarettist des Abends. Er habe türkische, armenische und kurdische Wurzeln, erklärt er und damit gleich „drei Feinde in einer Brust“. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, äußert sich mutig zu aktuellen politischen Missständen in der Türkei und witzelt frei und ungezwungen über gelungene und weniger gelungene Integration, hält dem Publikum auf elegante Weise auch den Spiegel eigener Vorurteile vor. So spricht sein Freund Achmed aus Bayern ein so perfektes Bayerisch, dass es hier am Niederrhein mit dem Verstehen schon schwer wird. Und der „Teilmodus“ bei Facebook animiert ihn zum philosophischen Vergleich: „Moses hat das Meer geteilt, Jesus das Brot und Mohammed hat den Döner hineingelegt.“

Das Lachen bleibt fast im Hals stecken, als er davon erzählt, wie er im Flugzeug wegen seiner Flugangst das muslimische Glaubensbekenntnis betet und damit schwere Irritationen bei seinen Mitreisenden auslöst. Unter tobendem Applaus wandelt er das Lied „Sex Bomb“ von Tom Jones in einen Song auf einen islamistischen Selbstmordattentäter. Über das Unmögliche lachen zu können und zu dürfen, das gelingt diesem Künstler.

Unmöglich erscheint auch das, was wenig später Pete The Beat – alias Peter Wehrmann – auf die Bühne bringt. Als perfekter Geräuschimitator erschafft er nur mit Hilfe seiner Stimme und des Mikrofons einen akustischen Kosmos. Wer die Augen schließt, hört das Schlagzeug, den Elektrobass und die Gitarren. Er imitiert ein Tennisspiel, fein unterschieden zwischen den Geräuschen, die beim Herren- und Damentennis erzeugt werden. Bei den Damen könnte man auch das Bild abdrehen, sagt er augenzwinkernd: „Anhören reicht.“ Und den Trabi lässt er in feinsten Nuancen akustisch auferstehen. Ein erstaunliches Talent, das vom Publikum dankbar honoriert wird.

Letzter Gast des Abends ist der ebenfalls hoch musikalische Matthias Reuter, der am Piano über das NRW-Abi frotzelt, den Hype um Oktoberfeste und Verschwörungstheorien um russische Hacker aufs Korn nimmt. Seine Songs bringen das Publikum noch einmal in Fahrt und sorgen für den schwungvollen Ausklang eines durchweg vergnüglichen und unterhaltsamen Abends.