Michael-Ende-Gymnasium: Jugendliche wollen mitbestimmen

Michael-Ende-Gymnasium : Jugendliche wollen mitbestimmen

Am Michael-Ende-Gymnasium Tönisvorst ist die Europawahl schon entschieden. Rund 460 Jugendliche der Stufen neun, zehn und elf haben in der vergangenen Woche bei der Juniorwahl ihren Stimmzettel abgegeben.

Klimaschutz und Flüchtlingspolitik, das sind die beiden großen politischen Themen, die die Schüler des Michael-Ende-Gymnasiums (MEG) besonders interessieren. Etwa 460 Jugendliche der Jahrgangsstufen neun bis elf haben am MEG in dieser Woche ihre Stimme für Europa abgegeben. Juniorwahl heißt das Projekt, an dem das Tönisvorster Gymnasium bereits zum fünften Mal teilnimmt.

Deutschlandweit beteiligen sich fast 3000 Schulen an den Juniorwahlen, die für Landes-, Bundes- und Europaparlamente durchgeführt werden. Seit 1999 gibt es das Projekt mit dem Ziel, das demokratische Engagement der Jugendlichen in Deutschland zu fördern. Die Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen sind mit besonders vielen Schulen vertreten.

Die Tönisvorster Gymnasiasten gehen gut vorbereitet in das Wahllokal ihrer Schule, das mit vielen Länderfahnen bunt geschmückt ist. „Wir haben im SoWi- und Politik-Unterricht über das Europaparlament und die Parteien, die zur Wahl stehen, gesprochen“, sagt Lehrerin Brigitte Bluhm, die die Juniorwahlen am MEG betreut. Zusätzlich seien Infostände in den Fluren aufgebaut worden. Für Brigitte Bluhm ist es eine Herzensangelegenheit, die Jugendlichen auf Wahlen vorzubereiten und ihnen mit auf den Weg zu geben, wie wichtig es ist, die Demokratie auch über die Teilnahmen an Wahlen aktiv mitzugestalten.

Bei Luca Nemeth ist die Botschaft angekommen. „Viele beschweren sich, dass nichts passiert, aber wenn man wählt, kann man Einfluss darauf nehmen, dass sich was ändert“, sagt der 16-Jährige. Das Argument, kein Wahlprogramm passe zur den eigenen Interessen, lässt der Jugendliche nicht gelten: „Es gibt so viele Parteien, da ist doch für jeden was dabei.“

Er selber habe sich die Wahlprogramme der Parteien angesehen und darauf geachtet, wer seine Interessen am ehesten vertritt. „Außerdem habe ich mich mit Hilfe des Wahl-O-Mats informiert. Da ist aber das herausgekommen, was ich sowieso gewählt hätte“, erzählt der Schüler. Dass es ein Europaparlament gibt, findet Luca sinnvoll. „Es müssen ja viele Entscheidungen getroffen werden, die für alle Länder in Europa gültig sind, wie etwa ein einheitliches Bio-Siegel.“

Lisa Thomas ist ein echter Europafan. „Es gibt so viele Bereiche, in denen wir von Europa profitieren“, sagt die Schülerin, die sich als ehrenamtliche Wahlhelferin am MEG engagiert, weil sie es wichtig findet, dass Jugendliche, auch wenn sie selber noch nicht wählen dürfen, ein Bewusstsein für politische Themen, Parteien und Wahlen entwickeln. „Nur wer wählen geht, hat die Chance, etwas zu verändern“, sagt Lisa Thomas. Für Karolina Musiol, die ebenfalls als ehrenamtliche Wahlhelferin tätig ist, wird es in diesem Jahr ernst: Die 18-Jährige darf am Sonntag zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. „Ich gehe auf jeden Fall zur Wahl. Es ist wichtig, etwas gegen den Populismus zu tun, damit Europa nicht auseinanderfällt“, sagt die Abiturientin. Schließlich profitiere auch die deutsche Wirtschaft von der Europäischen Union. „Und dass wir überall in Europa problemlos studieren und arbeiten könne, finde ich auch toll.“

Einen gemeinsamen Wunsch haben die Juniorwähler am MEG: Sie plädieren dafür, dass das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt wird, damit die Interessen der jungen Menschen sich deutlicher in der Politik wiederfinden und die Stimmen der Jugendlichen mehr Gewicht haben.

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