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In St. Tönis hat die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Kreis Viersen neue Angebote geschaffen

Häuser wurden kernsaniert : Günstiger Wohnraum in St. Tönis

Der Mangel an Mietwohnungen in den Ortszentren ist derzeit ein großes Thema der Stadtplaner. In St. Tönis hat die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Kreis Viersen jetzt neue Angebote geschaffen.

Der Blick aus den Dachgeschosswohnungen ist spektakulär: Er reicht über die Dächer der St. Töniser Innenstadt bis zur Kirche St. Cornelius – „eigentlich müsste man dafür einen Mietzuschlag erheben“, scherzte Diether Thelen, früherer Vorstand der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Kreis Viersen (GWG) und einer der Initiatoren der Bauprojekte „Rue de Sées 13 und 17“. Am Freitag stellte die GWG den Fast-Fertigzustand der Renovierung beider Häuser vor: Nächste Woche werden die Mieter des Hauses 13 die Schlüssel für ihre Wohnungen erhalten, am 1. Oktober sind dann die Mieter im Haus 17 dran.

Doch der Reihe nach: Die Geschichte von insgesamt vier Immobilien (Rue de Sées 13 und 17, Ludwig-Jahn-Straße, Leipziger Straße 70) im St. Töniser Ortskern ist lang: Ursprünglich gehörten sie einer älteren Frau aus Geldern, die die Häuser aber leer stehen und verwahrlosen ließ. Bei ihrem Tod im Jahr 2015 vermachte sie die Immobilien der Kirchengemeinde in Geldern, die von diesem Erbe völlig überrascht war. Die Kirchengemeinde wollte die unbewohnbaren Häuser nicht behalten. Über Verbindungen der Kirchengemeinde zur Tönisvorster Verwaltung entstand der Kontakt zur GWG, die dann im Kaufverfahren den Zuschlag für alle vier Objekte erhielt. Ein Grund für die Entscheidung der Kirchengemeinde war der soziale Aspekt für die weitere Nutzung der Häuser.

Nach langen Überlegungen, ob die Häuser abgerissen werden müssen oder ob eine Sanierung möglich ist, entstanden bei der GWG dann Konzepte für die Sanierung. Als erstes Haus hatte das Unternehmen das Gebäude an der Leipziger Straße saniert: Dort sind 14 Wohnungen entstanden. Mieterin ist die Stadt Tönisvorst, die dort seit 2019 Flüchtlinge mit Anerkennung und langer Bleibeperspektive untergebracht hat.

Vor rund zwölf Monaten begann die GWG dann mit der Sanierung der Häuser an der Rue de Sées. Beide wurden nach den heutigen Energie-Standards kernsaniert – Heizung, Sanitär- und Elektroinstallationen sind neu, beide Häuser haben vorgelagerte Balkone für die erste und zweite Etage, die Erdgeschosswohnung hat einen Gartenzugang.

Das Gebäude Rue de Sées 13 (Baujahr 1962) ist zu einem barrierefreien Mietwohnungshaus mit sieben Wohnungen und Größen zwischen 45 und 71 Quadratmetern umgebaut worden. Der Gang durch das Gebäude belegt, warum Thelen, der heutige GWG-Vorstand Michael Aach und Hochbautechniker Jörn Wehrmann stolz auf das Ergebnis sind: Die Baustruktur bietet helle Räume und unterschiedliche Raum-Konzepte – teils mit abgetrennter Küche, teils mit Verbindung Küche–Wohnbereich. Zur Straße gehen die Fenster bis auf den Boden. Alle Wohnungen haben Gäste-WCs, die Duschen sind ebenerdig. Die Böden sind aus pflegeleichtem robusten PVC in Holzoptik. Das Material bietet den Vorteil, dass eine beschädigte Fliese ausgeschnitten und ausgetauscht werden kann. Die Flurbereiche haben Nachtlicht-Ausstattung zur besseren Orientierung, die Elektro-Anschlüsse berücksichtigen moderne IT-Anforderungen. Für die beiden Mietwohnungen im Dachgeschoss ist auf dieser Ebene ein eigener Raum für Waschmaschinen vorgesehen, damit beispielsweise Senioren nicht schwere Wäschekörbe bis in den Keller tragen müssen.

Ähnlich ist das Konzept in Haus 17 (Baujahr 1963) – wobei es hier nicht möglich war, nachträglich einen Aufzug einzubauen. Dort sind fünf Wohnungen mit Größen zwischen 50 und 102 Quadratmetern und gleicher hochwertiger Ausstattung entstanden.

Tönisvorsts Bürgermeister Thomas Goßen freute sich, dass die Bau-Schandflecke im Ortsbild verschwunden sind. Außerdem sei gesichert, dass die GWG Eigentümerin bleibt und somit dauerhaft zwölf neue Mietwohnungen zu einem günstigen Mietpreis für den freien Markt im Ortskern zur Verfügung stehen. „Die GWG ist ein starker öffentlicher Partner, da wissen wir, was passiert.“ Bis auf eine sind alle Wohnungen vermietet, berichtete Sachbearbeiterin Melina Piepers: „Es ist ein guter Mietermix aus Jung und Alt.“

Thelen und Aach freuen sich, dass die GWG, die bisher überwiegend im Vorster Wohnungsbau aktiv war, jetzt auch in St. Tönis aktiv ist: „Es ist Teil unserer sozialen Verantwortung, und es rechnet sich.“