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Tönisvorst: Im Vorster Norden wird erneut gegraben

Tönisvorst : Im Vorster Norden wird erneut gegraben

Bevor "Am Försterhof" in Vorst die ersten Häuser gebaut werden können, wird es noch eine Weile dauern, denn vor den Baggern kommen erneut die Archäologen. 430 000 Euro sind für die Grabungen im Haushalt eingeplant.

Funde, die auf eisenzeitliche Siedlungsplätze hinweisen und Überbleibsel eines mittelalterlichen Gehöfts aus dem 12. Jahrhundert haben die Archäologen bereits in den vergangenen Jahren auf den Ackerflächen im Vorster Nordwesten ausgegraben. Nun, da die Pläne der Stadt, die Flächen der Hohnschaft Hecke zu erwerben und als Neubaugebiet auszuweisen, konkreter werden, müssen die Altertumskundler erneut kommen. Bevor aus dem Acker nämlich ein Neubaugebiet werden kann, sind weitere archäologische Untersuchungen gesetzlich vorgeschrieben.

Im Planungsausschuss teilte Fachbereichsleiter Marcus Beyer jetzt mit, dass die Arbeiten ausgeschrieben werden müssten. Über die Kosten der Grabungen lasse sich noch keine konkrete Angabe machen. Im Haushalt sind stolze 430 000 Euro für die Grabungen eingeplant. Hinzu kommen 2,8 Millionen für Ankauf und Erschließung des fünf Hektar großen Areals. Auch in der Vergangenheit hatte die Stadt bereits die archäologischen Untersuchungen bezahlt.

Strikt gegen das Neubaugebiet sprachen sich die Vertreter der Grünen, der UWT und der GUT aus. "Bitte nehmen Sie Abstand von diesem Vorhaben", sagte Herbert Derksen von der GUT. Der zu erwartende Gewinn für die Stadt nach Ankauf der Grundstücke und Finanzierung der archäologischen Grabungen sei sehr gering, der Schaden für Vorst aber enorm, weil der gesamte Verkehr durch den Ortskern fahren müsse. Alternativ böte sich ein Areal am Neuenhaushof an, das zum Verkauf stünde und bereits an den Verkehr angebunden sei.

SPD und CDU ließen sich darauf nicht ein. "Wir sind für die Erschließung des Neubaugebiets Am Försterhof", sagte Christiane Tille-Gander (CDU). Und auch Johannes Funck von der SPD meinte: "Die jetzt geplanten 70 Wohneinheiten sind absolut notwendig für Vorst und an dieser Stelle auch vertretbar." Das letzte Vorster Neubaugebiet sei vor 30 Jahren erschlossen worden. "Wenn jetzt nicht bald junge Familien für den Stadtteil gewonnen werden, bricht die Infrastruktur aufgrund des demografischen Wandels zusammen", sagte Funck. Die Kindergärten, die Grundschule und der Einzelhandel seien die Leidtragenden. Ursprünglich hatte die Stadt ein noch größeres Neubaugebiet geplant. Von 500 Menschen, die im Dreieck zwischen der ehemaligen Schlufftrasse, der Straße Am Försterhof und dem Heckerweg ein neues Zuhause finden könnten, war noch vor fünf Jahren die Rede. Aktuell sieht der Bebauungsplan der Verwaltung nur noch 70 Wohneinheiten in Form von freistehenden Häusern und Doppelhaushälften vor.

Neben den Bodendenkmälern sah es zwischenzeitlich so aus, als gebe es noch einen weiteren Hemmschuh für das Bauprojekt. An das Plangebiet angrenzend liegt ein Gänsezuchtbetrieb. Da der nicht verlagert werden kann, musste die Stadt noch ein Lärmgutachten in Auftrag geben. Marcus Beyer gab jetzt im Planungsausschuss aber Entwarnung: Laut Gutachter geht keine Lärmbelästigung von dem Zuchtbetreib aus, der das zumutbare Maß übersteigt.

(WS03)