Tönisvorst/Krefeld: Im Pflegemutter-Prozess mauert Stadt Moers weiter

Tönisvorst/Krefeld : Im Pflegemutter-Prozess mauert Stadt Moers weiter

Am 17. Verhandlungstag des Berufungsverfahrens gegen die Pflegemutter Mathilde T. aus Tönisvorst am Krefelder Landgericht stand erneut das Verhalten der Stadt Moers im Vordergrund. Richterin Kraft-Efinger hatte an den Leiter des Jugendbereichs einen Fragenkatalog geschickt.

Statt der Antworten kam eine Drohung. Sie verlas einen Brief aus dem Moerser Rathaus, in dem der Bürgermeister erwäge, die Aussagegenehmigung für seinen Mitarbeiter beim Jugendamt zurückzuziehen. Der Moerser Bürgermeister habe wohl noch nie etwas von Amtshilfe gehört, so die Richterin.

Das Jugendamt der Stadt Moers spielt in diesem Prozess eine entscheidende Rolle. Die Schwestern Aziza und Dunja L., die nach dem Tod der drogensüchtigen Mutter Waisen wurden, stammen ursprünglich aus Moers. Noch zu Lebzeiten der Mutter wurden die Mädchen vom Moerser Jugendamt betreut, mehrmals kurzfristig in das Heim "Kinderheimat" in Neukirchen-Vluyn gebracht. Von dort kamen sie 1997 im Alter von fünf und neun Jahren als Pflegekinder in den Haushalt von Mathilde T., wo sie vier Jahre lang ein wahres Martyrium durchlebten.

Die Pflegemutter war in erster Instanz zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht will jetzt herausfinden, wer bei der Stadt Moers entschieden hat, die Schwestern dieser Frau anzuvertrauen. Die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes der Stadt Moers hatte im Oktober die Aussage verweigert.

(hb)
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