Gutachten zum Rettungsdienst im Kreis Viersen: Hilfszeiten für St. Tönis nicht eingehalten

Gutachten zum Rettungsdienst im Kreis Viersen : Hilfszeiten für St. Tönis nicht eingehalten

Am 6. Juni wird im Tönisvorster Hauptausschuss das Gutachten Rettungsdienst im Kreis Viersen beraten. Es hat die Schwächen aufgezeigt, die besonders in St. Tönis gravierend sind. Vor allem ist ein schnelles Provisorium gefragt.

Viel Aufregung gab es, als Ende März das Gutachten zum Rettungsdienst im Kreis Viersen vorgestellt wurde. Damals räumte Landrat Andreas Coenen unumwunden ein: "Wir haben beim Rettungsdienst in einigen Bereichen Probleme mit der Einhaltung der Hilfsfristen."

Während in den ländlichen Gegenden des Kreises Viersen die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden (binnen zwölf Minuten muss in 90 Prozent der Fälle ein professioneller Ersthelfer vor Ort sein), kommen die Rettungskräfte in den städtischen Lagen, insbesondere in Viersen-Dülken und St. Tönis, zu oft zu spät. In gerade mal 82 Prozent der Fälle sind die Einsatzkräfte in den geforderten acht Minuten zur Stelle. Vorgegeben sind 90 Prozent. Bis die Vorgabe erreicht wird, vergehen 9,3 Minuten. Nach dem Gesetz ist der Kreis als Träger des Rettungsdienstes verpflichtet, die bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung mit Notfallrettung sicherzustellen.

Während sich die Lage in Dülken entschärft hat, ist besonders St. Tönis betroffen. Der Gutachter (Forplan Dr. Schmiedel GmbH Bonn) machte den Vorschlag, die Rettungswache Anrath aufzugeben und in Vorst oder Kehn eine neue Rettungswache zu errichten. Sofort schlugen Politiker in Willich Alarm, weil sie nicht einsehen können, dass die gerade vor einem Jahr eröffnete Rettungswache in Anrath verlegt werden könnte (die Feuerwache bleibt dort natürlich erhalten).

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Der Tönisvorster Bürgermeister Thomas Goßen glaubt nicht an einen Konflikt mit Willich. Die Stadt und der Kreis führten konstruktive Gespräche und diskutierten über die Trägerschaft einer neuen Wache und eines vierten Rettungstransportwagens. Das klingt erst einmal gut zur Beruhigung der Gemüter, aber konkrete Vorschläge gibt es auch noch nicht. Auf jeden Fall hat die Stadt Kempen kein Interesse an einem vierten Rettungswagen mehr, wie der erste Beigeordnete Hans Ferber erklärt. Dafür müsste die Feuer- und Rettungswache erweitert werden. Die Stadt Kempen ist bislang vom Kreis mit dem Rettungsdienst für die Stadt Tönisvorst beauftragt.

Doch die Hilfszeiten werden von Kempen aus in zu vielen Fällen überschritten. Das Gutachten merkt aber genauso an (S. 29), dass auch der Standort der Rettungswache Anrath nicht ausreichend schnell genug sei. In St. Tönis ist bisher nur ein Notarztwagen am Krankenhaus Maria Hilf stationiert.

In der ersten Reaktion wurde sehr stark auf eine neue Rettungswache in Tönisvorst oder auf den Verlust des Rettungswagens in Anrath abgehoben. Selbst, wenn man annimmt, dass sich die verschiedenen Gremien schnell auf einen Neubau einer Wache auf dem Gebiet der Stadt Tönisvorst einigen sollten und Fragen der Trägerschaft leicht geklärt worden wären, dauert ein Bauverfahren ein bis zwei Jahre Zeit, bis die Wache steht und in Dienst genommen werden kann - vorausgesetzt, bis dahin wird das notwendige Fachpersonal eingestellt.

Wenn jetzt die Situation klar ist, dass gerade St. Tönis bei den Hilfszeiten des Rettungsdienstes ein Problem hat, geht es jetzt nicht um Schuldzuweisungen für die Vergangenheit, aber auch nicht nur um eine neue Rettungswache. In der Zwischenzeit bleiben die Hilfszeiten ein Problem. Für die Betroffenen kann lebensentscheidend sein, rechtzeitig behandelt und in ein Krankenhaus gebracht zu werden.

In einer ersten Diskussion haben Tönisvorster Politiker sich dafür ausgesprochen, am Krankenhaus provisorisch einen Rettungstransportwagen zu stationieren. Im Gutachten selbst wird das nicht thematisiert. Auf der Karte 5.6 des Gutachtens sind auch die Krefelder Rettungswachen eingezeichnet. Die Wache Krefeld-Stadtwerke ist nur wenige Kilometer von der Stadtgrenze zu Tönisvorst entfernt. Auch das müsste in den Gremien von Stadt und Kreis diskutiert werden, inwieweit die Nachbarstadt Krefeld zumindest als Provisorium einspringt und die Situation für St. Tönis schnell entspannt.

(RP)
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