Heimatverein Vorst veranstaltete Historischen Stadtrundgang

Historischer Stadtrundgang : Zeitreise mit Vorster Originalen

Zum Rundgang durch Vorst hatte der Heimatverein eingeladen. Das Besondere: Die Mitglieder schlüpften in die Rollen von historischen Persönlichkeiten und entführten die etwa 60 Teilnehmer in die Zeit um 1850.

Fesch sieht er aus, der Bürgermeister Seulen. Der Zylinder sitzt perfekt auf dem Kopf, die kleine runde Brille gibt der historischen Persönlichkeit etwas Belesenes, und der schwarze Gehrock mit Weste ist sehr kleidsam. Von 1866 bis 1903 war Franz Seulen Bürgermeister von Vorst. Beim historischen Stadtrundgang lassen die Mitglieder des Heimatvereins den Vorster Gemeindevorsteher und andere Persönlichkeiten seiner Zeit noch einmal auferstehen. In die Rolle des Bürgermeisters ist Heinz-Josef Köhler, Vorsitzender des Heimatvereins, geschlüpft.

Etwa 60 Menschen sind gekommen, um an der ungewöhnlichen Ortsführung teilzunehmen, die der Heimatverein vor ein paar Jahren schon einmal angeboten hat. Einige sind zum zweiten Mal dabei und erfreuen sich erneut an den Geschichten und der Geschichte. Los geht es am Heimathaus in der Kuhstraße. Im Nachbarhaus habe der Heimatdichter Walter Lehnen gelebt, und im Anbau sei die Bäckerei Kellerwald gewesen, erzählt Köhler – natürlich in Mundart – und begrüßt die Enkelin des alten Bäckermeisters, die am Rundgang teilnimmt.

Am Markt berichtet Köhler vom Neubau der Kirche 1896, für den vier Häuser weichen mussten. Hans-Jürgen Wiedtke vom Heimatverein zeigt außerdem ein historisches Foto vom Hotel „Zur Post“, ein stattlicher Bau, der die gesamte der Kirche gegenüberliegende Marktseite eingenommen hat. Weiter geht es zur Feuerwache, wo früher die Mädchenschule stand. Steffi Flöth schlüpft in die Rolle der Lehrerin Fräulein Hermine Kender und berichtet von den Kindern, dem Martinsfeuer auf dem Hof und dem Fronleichnamsaltar. Zu den Akkordeon-Tönen von Birgit Schneider und den Gitarrenklängen von Heinz-Gerd Schuh wird ein altes Kinderlied gesungen.

An der Lindenallee/ Ecke Hauptstraße tritt Heinz-Gerd Schuh als Postmeister Heinrich von Stefan auf und deutet stolz auf das „Kaiserliche Posthaus“, das an dieser Stelle fast original erhalten ist. Nur das Dach sah vor 100 Jahren noch anders aus, wie eine alte Aufnahme zeigt. Weiter geht es die Kanalstraße entlang, unter der die Schleck, „Vorsts Schicksalsstrom“, wie Köhler theatralisch sagt, verläuft. „Hier ist die Grenze zwischen dem Gebiet der Kehner und dem Kandergebiet“, erinnert Köhler an die alte Feindschaft, die die Schützenbruderschaften bis heute mit einem Augenzwinkern pflegen.

Am Eduard-Heinkes-Platz tritt Hans-Jürgen Wiedtke auf. Er spielt den ersten Beigeordneten der Gemeinde Anfang des 20. Jahrhunderts. 5600 Einwohner habe Vorst damals gehabt. Viele sehr wohlhabende Bauern seien darunter gewesen, die die Kirche, das Rathaus, das Schulgebäude und das Postamt mitfinanziert hätten. Wiedtke erinnert auch an das Kriegerdenkmal, das einst auf dem Platz stand. Zurzeit sammelt der Heimatverein für ein neues Denkmal zu Ehren der Schützenbruderschaften. An der Kuhstraße erinnert Klaus Kohnen als Feuerwehrmann Klemm an das alte Spritzenhaus mit dem hohen Turm, in dem die Schläuche getrocknet wurden.

Robert Reiners hat in schwarzer Soutane einen Auftritt als Joseph Haan, von 1898 bis 1927 Pfarrer von Vorst. Wolfgang Arretz ist als Kauertz Heinerich vor dessen Haus an der Vossenhütte anzutreffen. Über den Mann, der 50 Jahre lang mit seinem grünen Wägelchen durch den Ort zog und Kirmessüßigkeiten verkaufte, gibt es sogar ein Lied, dessen Text viele der Teilnehmer auch ohne Liedzettel mitsingen können. Hildegard Heidenfels spielt in Holzklumpen und mit weißer Haube auf dem Kopf das Strömpke Kathrinschen vom Dellhof und die Äerpelschell-Marie am Ort des ehemaligen Krankenhauses.

Dort stellt sich Dr. Julius Koehnen vor, der erste Arzt von Vorst, der 1854 aus Wuppertal an den Niederrhein kam. Gespielt wird er von Thomas Wenders, seinem Ururenkel. Er berichtet, dass das Krankenhaus 1928 aufwendig saniert wurde. Um sich das leisten zu können, musste die Gemeinde den Forstwald an Krefeld verkaufen. Keine 60 Jahre später wurde das Krankenhaus abgerissen.

Heinrich Stieger schlüpft am Ende des zweistündigen Rundgangs durch Vorst noch in die Rolle des Wirts Heinrich Pascher und verteilt großzügig eine Runde Schnaps an alle Teilnehmer.

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