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Tönisvorst: Grundstücke auf eigene Kosten aufschütten?

Tönisvorst : Grundstücke auf eigene Kosten aufschütten?

Bauherren im Neubaugebiet Vorst-Nord haben erst jetzt erfahren, dass ihre Grundstücke einen Meter unter Straßenniveau liegen.

Vor einem guten halben Jahr hat die Stadt Tönisvorst 70 Baugrundstücke am Ortsrand von Vorst verkauft. Die Käufer haben für ihre 350 bis 800 Quadratmeter großen Grundstücke 200 bis 205 Euro pro Quadratmeter bezahlt - Erschließung inklusive. Vor zwei Wochen aber haben die Hausbauer von der Stadtverwaltung erfahren, dass ihre Grundstücke teilweise bis zu einem Meter unter Straßenniveau liegen und sie verpflichtet seien, die Grundstücke aufzuschütten, damit die Vorgärten mit der Oberkante der Straße abschließen.

Und auch der hintere Bereich der Grundstücke soll bis zu einer Tiefe von mindestens fünf Metern aufgeschüttet werden, denn: "Sollte es rückwärtig zu Souterraingeschossen kommen, könnte der Anschluss der Regenfallrohre in der Straße wegen der tiefen Lage zu einem Problem werden", heißt es im Verwaltungsschreiben. Deshalb und weil Garagen bis zu fünf Metern außerhalb der bebaubaren Fläche errichtet werden dürfen, sei "eine Aufschüttung zumindest bis zu einer Fläche von fünf Metern hinter der rückwärtigen Baugrenze" notwendig.

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"Bei einigen Grundstücken kommen Kosten von 15.000 Euro auf die Eigentümer zu", sagt Martin Winter, der gemeinsam mit seiner Frau die Sitzung des Planungsausschusses besuchte. Mit ihm sind rund 50 weitere Bürger gekommen, die Grundstücke in Vorst-Nord gekauft haben. Sie alle sind empört, dass der Stadtplanung ein so grober Fehler unterlaufen ist, den die Bürger nun ausbügeln sollen. "Wir haben ein komplett erschlossenes Grundstück gekauft und sollen jetzt nochmal zahlen?", fragt Karoline Kaiser, "das kann doch wohl nicht sein."

Im Planungsausschuss aber, wo die notwendige Änderung des Bebauungsplans beschlossen wurde, erfahren die Grundstückseigentümer lediglich, dass es nicht möglich sei, die neue Straße tiefer zu legen, weil der ebenfalls neue Kanal an ein vorhandenes Becken angeschlossen werden müsse und das habe ein höheres Niveau. Konkret heißt es in der Vorlage der Verwaltung: "Im Rahmen der Baugenehmigungsverfahren wurde festgestellt, dass das Gelände erheblich unterhalb des künftigen Straßenniveaus liegt. Durch die Höhendifferenz zwischen Oberkante Straßenverkehrsfläche und angrenzendem Grundstück können sich Probleme ergeben." Auch die Eintragung von Baulasten sei erforderlich.

Eigentlich sollte es im Juni mit dem Bau der ersten Häuser losgehen. Dass die Stadt den Höhenunterschied jetzt erst festgestellt haben will, wollen einige Hausbauer nicht glauben. "Wahrscheinlich spekulieren die darauf, dass wir jetzt nicht mehr klagen, weil das die Baugenehmigung noch weiter verzögern würde", sagt ein Mann am Rande der Ausschusssitzung.

Auf Vorschlag der SPD-Fraktion soll es innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Bürgerversammlung im Ratssaal von St. Tönis geben, bei der Stadtverwaltung und Politiker die Situation im Neubaugebiet Vorst-Nord erläutern und die Fragen der Eigentümer beantworten sollen.

Jörg Friedenberg, kommissarischer Leiter des zuständigen städtischen Fachbereichs, hat gestern ein Info-Schreiben per E-Mail an die betroffenen Eigentümer geschickt. Darin heißt es, Aufschüttungen seien in Neubaugebieten üblich und "werden vom Architekten in der Kostenberechnung berücksichtigt." Die Kosten für eine solche Aufschüttung seien grundsätzlich vom Bauherrn zu tragen, die Stadt biete aber an, einen Teil der erforderlichen Erde für die Aufschüttung zur Verfügung zu stellen.

(WS03)