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Florian Schroeder tritt am 6. März 2020 in Tönisvorst auf

Interview mit Florian Schroeder : „Wir leben in hysterischen Zeiten“

Beim Auftritt des Kabarettisten in St. Tönis geht es um den „Ausnahmezustand“. Der 40-Jährige will irritieren.

Kabarettist Florian Schroeder tritt am Freitag, 6. März, mit seinem aktuellen Programm „Ausnahmezustand“ auf Einladung des Stadtkulturbunds Tönisvorst in St. Tönis auf. Mit unserer Redaktion sprach der 40-jährige gebürtige Baden-Württemberger über sein Gastspiel und erklärte, warum er auch mit Politikern auf einer Bühne steht.

Herr Schroeder, Sie sagen, dass wir im Ausnahmezustand leben. Was haben Ihre Besucher zu erwarten?

Florian Schroeder Wir leben in hysterischen Zeiten. Oft schätzen wir Gefahren völlig falsch ein. Das zeigt auch die aktuelle Diskussion um das Corona-Virus. Da ist der Mundschutz in Deutschland restlos ausverkauft, während Grippe-Impfstoff noch ausreichend vorhanden ist. Der Eindruck des permanenten Ausnahmezustands hilft, Menschen in Angst zu halten, weil sie dadurch leichter beherrsch- und manipulierbar sind. Derzeit ist es so, dass jeder sich in seiner eigenen Echokammer einrichtet und die eigene Meinung zum Maß aller Dinge macht. Mit meinem Programm möchte ich die Menschen aus ihren gewohnten Bahnen werfen, überraschen und vor allem irritieren.

Bissiges politisches Kabarett ist Ihr Markenzeichen, darf in Ihrem Programm auch gelacht werden?

Schroeder Aber klar, sonst hätte ich meinen Job verfehlt. Das ist doch gerade meine Aufgabe, auf der Bühne Tragisches in Lustiges zu übersetzen. Man darf sich auch selbst nicht zu ernst nehmen, wenn man ernst genommen werden will. Und im Übrigen gilt immer noch der alte Satz der Band Freundeskreis: „Komik ist Tragik in Spiegelschrift.“

Sie haben Germanistik und Philosophie studiert. Gab es mal einen anderen Berufswunsch, oder war es immer schon Ihr Ziel, auf der Bühne zu stehen?

Schroeder Ich habe zwar mal kurz darüber nachgedacht, Journalist zu werden. Aber nein, im Grunde wollte ich immer schon zur Unterhaltung, auch vor dem Studium schon. An die Uni bin ich gegangen, weil ich über den Tellerrand schauen wollte. Ich hatte Vorbilder wie Jürgen von der Lippe, der ein grandioser Komiker ist, mit dem man aber auch über Kant diskutieren kann.

Sie hatten als 14-Jähriger bereits einen TV-Auftritt bei Harald Schmidt. Wie kam es dazu?

Schroeder Ich habe schon in der Schule Lehrer parodiert und konnte auch schon erste Prominente wie Kohl, Blüm und Lindenberg. Eine Kassette mit ein paar Ausschnitten habe ich an „Schmidteinander“ geschickt und wurde prompt eingeladen.

Und mit Peer Steinbrück sind Sie auch schon aufgetreten. Sie machen da gemeinsame Sache mit einem Politiker, müssten Sie nicht eigentlich Distanz halten zu denen, die Sie unter die Lupe nehmen?

Schroeder Steinbrück war Gast in meiner Fernsehsendung, der Florian Schroeder Satireshow beim rbb in Berlin. Da hatten wir so viel Spaß miteinander, dass ich mich von ihm mit den Worten verabschiedet habe: „Sie erlebten gerade den Nachwuchskabarettisten Peer Steinbrück, demnächst auf Ihrer Kleinkunstbühne.“ Und Steinbrück nahm mich beim Wort. Wir werden übrigens auch in diesem Jahr wieder einen gemeinsamen Auftritt in Stuttgart haben.

In Ihrem Programm kündigen Sie an: „Fundamentalismus meets Foodamentalismus“. Können Sie das einmal erklären?

Schroeder Mir sind die Schwarz-Weiß-Einteilungen zu einfach. Beispiel: Fleischesser sind böse, Veganer sind gut. Fleisch essen, ja, ist böse, wissen wir. Aber Veganer sorgen dafür, dass den Orang-Utans das tropische Gras unterm Arsch weggeholzt wird, damit Platz entsteht für den Anbau des Palmöls, das dann im veganen Walnussbrot-Aufstrich statt des echten Walnussöls verwendet wird. Wer frei ist von Schuld, der werfe das erste Steak.

Sie haben eine Menge Preise für niveauvolles Kabarett erhalten. Gibt es eine Auszeichnung, auf die Sie besonders stolz sind?

Schroeder Nein, Preise sollte man generell nicht zu ernst nehmen. Es ist zwar schön, wenn man einen bekommt, aber am Ende geht es darum, jeden Tag weiterzumachen, besser zu werden. Ruht man sich auf Ehrungen aus, ist das nur der Anfang vom Ende.