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Ferienalphabet: Ein Besuch auf der Minigolfanlage in St. Tönis

Ferienalphabet – M wie Minigolf : Minigolf ist nichts für schwache Nerven

Die klassischen 18 Bahnen können Spieler zur Verzweiflung bringen. Eine solche Anlage gibt es am Pastorswall in St. Tönis. Nach einer etwas ruhigeren Zeit verzeichnet die Inhaberin wieder verstärktes Interesse.

Minigolf kann ein harter Sport sein – zumindest psychologisch gesehen. Wer mit einem gewissen Ehrgeiz an die Sache herangeht, kennt das: Jede der 18 Bahnen ist wieder eine neue Möglichkeit, krachend zu scheitern oder mit einem gekonnten – oder glücklichen – Schlag zu verblüffen. Seit einigen Jahren erfährt der Sport wieder ein verstärktes Interesse.

Mit Schwarzlicht oder als 3D-Minigolf gibt es Varianten, die mit Lichtinstallationen und optischen Täuschungen begeistern. Soccer-, Frisbee- oder Billard-Golf zeigen etliche weitere Möglichkeiten auf. Aber beliebt bleibt dennoch der Klassiker: 18 Bahnen aus Beton unter freiem Himmel mit vertrauten Hindernissen und Rampen, die die Spieler dennoch zur Verzweiflung bringen können. Eine solche Anlage gibt es am Pastorswall im Tönisvorster Stadtteil St. Tönis.

Das Ziel ist klar: Der Spieler muss den Ball mit Hilfe des Schlägers mit möglichst wenigen Schlägen in das Loch bewegen – schlagen, nicht schieben. Maximal sind sechs Schläge pro Bahn erlaubt. Erreicht der Ball des Spielers auch dann nicht das Ziel, werden sieben Schläge notiert.

An einem wechselhaften Freitagnachmittag gehen diesem Zeitvertreib viele unterschiedliche Menschen auf der überschaubaren Anlage am Pastorswall nach. Oma und Enkelin, Freundinnen und eine Clique junger Erwachsener, Eltern mit ihren Kindern. Für Chefin Lisa Varacalli ist es eine der schönen Facetten des Minigolf, dass es für alle Altersklassen gemacht ist. 30 Jahre lang führte einst ihr Vater die Anlage samt Pavillon im Park mit Gastronomie, seit sieben Jahren hat die Tochter dort nun das Sagen. Eigentlich wollte sie gleich nach der Schule in den Betrieb einsteigen, aber ihr Vater bestand auf einer vernünftigen Ausbildung. Also wurde sie zunächst Hotelfachfrau.

Sehr freundlich und zuvorkommend versorgt sie die Besucher auf der Terrasse – nun, nachdem der Corona-Lockdown beendet ist – wieder mit Eis, Kuchen oder kühlen Getränken. Bei gutem Wetter öffnet Lisa Varacalli ihren Pavillon täglich um 13 Uhr. Das Ende ist offen – je nach Besucherinteresse. Gerne kommen nach der Arbeit noch einige Gäste auf ein Glas Wein oder Bier vorbei. Am Nachmittag ist besonders die Grillagetorte der Konditorei Heinemann gefragt, erzählt die Gastronomin.

Zurzeit sei das Geschäft nicht einfach. Zweimal sei in letzter Zeit eingebrochen worden. Das usselige Ferienwetter sorgt nicht gerade für Begeisterung für Draußen-Sport. Und dann gibt es ja auch noch die Corona-Einschränkungen. Immer noch stehen die Tische und Stühle im Außenbereich wesentlich weiter voneinander entfernt als sonst. Aber Lisa Varacalli schaut generell positiv nach vorn. Nach einer etwas ruhigeren Zeit auf dem Minigolfplatz verzeichnet sie seit dem vergangenen Jahr wieder ein verstärktes Interesse. Das Jugendfreizeitzentrum hat sich angekündigt und will in den Ferien vorbeischauen. Und auch aus umliegenden Städten kämen die Menschen zum Minigolfen nach St. Tönis, berichtet sie.

Doch bald müsse auch etwas getan werden an der Anlage. Nach den vielen Jahren hätten sich die Bahnen etwas verschoben. Sie sei dabei, mit der Stadt zu sprechen, wie eine Sanierung aussehen könnte, erzählt Lisa Varacalli. Danach werde auch ein neuer Anstrich fällig.

Und sie selbst? Schwingt sie auch gern den Minigolf-Schläger? „Mittlerweile schon, früher als Kind eher nicht“, sagt sie und lacht. Gerne erinnert sie sich an Minigolf-Turniere, an denen sie als Tochter des Chefs teilnehmen musste – und dann auch noch gewann. Das sorgte für Spott der anderen Teilnehmer. Solche Turniere gebe es heute nicht mehr. Aber: „Könnte man eigentlich wieder mal machen“, sagt die Chefin.

Sie selbst kennt die gemeinen Bahnen ganz genau. Die Nummern 7 und 13 zum Beispiel – sie sehen so harmlos aus. Aber die Steigungen vor dem Loch sorgen dafür, dass man bei jedem verpatzten Schlag wieder komplett von vorne anfängt, weil der Ball immer wieder herunterrollt. Sehr beliebt sei die Bahn 17. Da gilt es, den Ball über eine Rampe in einen großen Sack zu schlagen. Auch da kann der Erfolg manchmal ganz schnell gehen, oder man müht sich vergebens. Nichts für schwache Nerven ehrgeiziger Minigolfer.