1. NRW
  2. Städte
  3. Tönisvorst

Ensemble der Komödie im Bayerischen Hof zu Gast in Tönisvorst

Stadtkulturbund : Alter Adel auf der Bühne

Ein Wiedersehen mit großen Schauspielern der 1960er-, 70er- und 80er-Jahre gab es im Corneliusforum. Auf Einladung des Stadtkulturbundes war das Ensemble der Komödie im Bayerischen Hof zu Gast in Tönisvorst.

Gabi Gasser ist mit 75 Jahren die jüngste der großen, bekannten Schauspieler auf der Bühne im ausverkauften Corneliusforum. „Bis zum Horizont, dann links“, heißt das Stück, in dem die Theater- und Serien-Schauspielerin („Die Wicherts von nebenan“, „Der Alte“, „Der Landarzt“) gemeinsam mit dem 84-jährigen Horst Janson spielt, ein seit mehr als 50 Jahren im internationalen Film und im deutschen Fernsehen gefeierter Darsteller.

Außerdem dabei: Marianne Rogée, 83 Jahre, Theater-, Film- und Serien-Schauspielerin (in der „Lindenstraße“ spielte sie Isolde Pavarotti) und Harald Dietl, 86 Jahre, der als Journalist die Welt hinter dem Eisernen Vorhang bereist hat und als Schauspieler in etlichen Theater- und Fernsehrollen zu sehen war, wie etwa als Kommissar Kalle Feldmann in „Die Männer vom K3“. Komplettiert wird das Ensemble vom Vollbluttheaterschauspieler Dirk Bender (75 Jahre), Bühnen- und Fernsehschauspielerin Astrid Polak (83 Jahre) sowie den „Küken“ Esther Kuhn (39) und Philip Leenders (38).

  • Lilo Wanders kommt nach Hilden. Zu
    Hilden : Hochkarätiges Theater im Abonnement
  • Annette Konrad und Sven Homberg im
    Theater im Film-Eck in Wermelskirchen : Sehenswerte Jazz-Komödie im Film-Eck
  • Soldaten des Aufklärungsbataillons 7 aus Ahlen
    Soldaten unterstützen im Kreis Viersen bei Kontaktnachverfolgung : Bundeswehr kämpft gegen Corona

„Bis zum Horizont, dann links“, ist eine Komödie, die auf das Ensemble zugeschnitten ist. Das Stück spielt in der Seniorenresidenz „Abendstern“, in der es eine Fauna- und eine Flora-Abteilung gibt mit Tier- und Blumenbildern an den Türen. „Wie im Kindergarten“, stellt die gerade von ihrem Sohn dort „abgegebene“ Annegret Simon fest, die Marianne Rogée mit einer nüchternen, abgeklärten Art großartig spielt.

Während die erste Hälfte des Stücks ebenso dahin plätschert wie der Alltag im Altenheim, nimmt die Komödie, die nach dem gleichnamigen Film von Bernd Böhlich entstanden ist, in der zweiten Hälfte an Fahrt auf. Josef Tiedgen (etwas hölzern dargestellt von Horst Janson) will sich nicht damit abfinden, unter der Aufsicht des Pflegepersonals still auf seinen Tod zu warten. Er will noch etwas erleben. Den Rundflug mit der alten Ju-52 über München nutzt der Senior, der im Besitz einer Pistole ist, um die Maschine zu entführen. Noch einmal in den Süden, ans Mittelmeer soll es gehen.

Die Mitreisenden sind zunächst empört. „Dafür kommen wir alle ins Gefängnis“, sagt Willy Stronz (Harald Dietl). „Na und, ich sitze seit Jahren“, entgegnet Josef Tiedgen und setzt zu einem längeren Monolog an: „Kennt ihr das auch, das sinnlose Wachliegen, weil jetzt Schlafenszeit ist? Wir sitzen unsere Zeit vor dem Fernseher ab. Wann haben wir zuletzt mal das gemacht, worauf wir Lust hatten? Wir warten doch nur noch auf den eigenen Tod. Unsere Kinder haben nie Zeit für uns, und man hält uns für dämlich, nur weil wir alt sind.“

Mit dieser bitteren Wahrheit über den letzten Abschnitt des Lebens zieht Tiedgen die anderen auf seine Seite, sodass sich die Mehrheit für die Flugzeugentführung ausspricht. Auf einer griechischen Insel schauen sich die Senioren schließlich den Sonnenuntergang an, und das Erlebnis verändert sie: Paare finden sich, unterdrückte Ehefrauen mucken auf, kurzum: Die Lebensgeister kehren zurück in die alten Menschen, die schon viel zu lange auf dem Abstellgleis gestanden haben.

Wie es nach dem abenteuerlichen Ausflug weitergeht, wissen sie nicht. Das Stück lässt die Frage bewusst offen. Zurück bleibt die Botschaft, sich das Leben nicht aus der Hand nehmen zu lassen. „Eines Tages sterben wir, aber an allen anderen Tagen leben wir“, sagt Josef Tiedgen alias Horst Janson.