Eisenbahngeschichte: Als Vorst noch drei Bahnhöfe hatte

Eisenbahngeschichte : Als Vorst noch drei Bahnhöfe hatte

Früher stand der Bahnhof Anrath auf Vorster Gebiet. Erst 1958 verkaufte die Gemeinde die Station samt Gelände an die Anrather.

Früher war bestimmt nicht alles besser, aber manches eben doch. Wer etwa im 19. Jahrhundert mit der Bahn nach Vorst oder aus Vorst heraus fahren wollte, der hatte es besser als heute. „Die Eisenbahn war für viele Generationen das verbindende Verkehrsmittel überhaupt“, schreibt Heinz-Josef Köhler, Vorsitzender des Heimatvereins Vorst 1978, auf der Homepage seines Vereins. „Durch die Eisenbahn war der Güter- und Personenverkehr für alle Klassen gegeben, und viele Orte rühmen sich eines prunkvollen Anschlusses.“

So auch die Gemeinde Vorst, die im 19. Jahrhundert gleich drei Bahnhöfe ihr Eigen nennen konnte. Zwei von ihnen existieren noch heute – wenn auch nicht die Gebäude. So war der Forstwald bis zum Verkauf an Krefeld im Jahr 1929 Vorster Gebiet und damit auch die Anschlussstelle Forstwald. Und bis in die 1950er Jahre gehörte der heutige Anrather Bahnhof ebenfalls zu Vorst. Erst mit dem Grenzänderungsvertrag von 1958 verkaufte Vorst den Bahnhof sowie 17 Hektar Land für 24.000 Mark an die Nachbargemeinde. Mehr als 100 Jahre lang hatte die Bahntrasse zuvor die Grenze zwischen Anrath und Vorst gebildet, wobei das Bahnhofsgebäude auf Vorster Gebiet stand.

1935 bekam dieser Bahnhof sogar einen Preis und durfte sich fortan „Deutschlands schönster Bahnhof“ nennen. 1850 war das Gebäude entstanden. Die von der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft gebaute Bahnstrecke Krefeld – Mönchengladbach war kurz zuvor freigegeben worden. Die Bahnstrecke sollte eine Verbindung vom Ruhrgebiet zu den Industriestädten Krefeld, Viersen und Mönchengladbach schaffen. Damit war die Anbindung an die „große weite Welt“ geschafft. Rund 29.000 Fahrgäste zählte die Bahn 1861. Ende des 19. Jahrhunderts waren es sogar mehr als 170.000.

1884 entstand diese Aufnahme des Vorster Bahnhofs mit  dem „Schluff“ mit Lokführer Peter Roland und Bahnhofsvorsteher Heinrich Piel (3.v.l.). Foto: Heimatverein Vorst

Etwa zur gleichen Zeit wurden auf der Strecke die Haltepunkte Forstwald und Hochbend eingerichtet. Zum schönsten Bahnhof aber wurde die Station Anrath, wohl auch wegen der Rosenbögen, Tulpen und Narzissen, die rundherum blühten, und wegen der mächtigen Kastanien. Vom ehemaligen Bahnhof aber steht heute kein Stein mehr. Er wurde 1976 abgebrochen. Übrig blieb nur das Stellwerk. Aber auch das musste 2002 einer Park & Ride-Anlage weichen. Aber den Haltepunkt Anrath gibt es bis heute.

Der dritte Vorster Bahnhof hingegen ist längst Geschichte. Es war der Vorster Zentral-Bahnhof, 1871 erbaut, wie Heinz-Josef Köhler weiß. Er sei der Umschlagplatz aller Güter von Pferdefuhrwerk auf Schienentransport gewesen. 1870 war die Bahntrasse von Krefeld über St. Tönis, Vorst und Süchteln bis nach Viersen fertig gebaut worden. Der „Schluff“, der heute nur noch als Museumseisenbahn von Mai bis September zwischen St. Tönis und dem Hülser Berg verkehrt, transportierte Tiere, Waren und natürlich Menschen über diese Strecke.

Der Bahnhof Forsthaus: Vor genau 90 Jahren, im Jahr 1929, wurde das ehemals Vorster Gebiet Forstwald nach Krefeld eingemeindet. Foto: Heimatverein Vorst

Kurz nach dem Trassenbau folgte der Bahnhofsbau. Ein Güterschuppen, eine Bahnhofsgaststätte, ein Arbeitsraum und eine Wohnung entstanden, in der der erste Stationsvorsteher Heinrich Piel mit Frau und zehn Kindern lebte. Später wurden auch Wartestuben für die Bahnreisenden eingerichtet. Viele Jahrzehnte lang war der „Hauptbahnhof“, der zwischen dem heutigen Standort von Action Medeor und dem Firmengelände von Arca Regler lag, Dreh- und Angelpunkt des Ortes.

So hat der Heimatforscher Kunibert Schmitz recherchiert, dass im Jahr 1910 rund 34.450 Fahrgäste und fast 500 Wagenladungen am Vorster Zentral-Bahnhof abgefertigt wurden. Auch habe es Pläne gegeben, die benachbarte Krautfabrik an den Schienenverkehr anzubinden. Diese Pläne wurden aber nicht mehr umgesetzt. Knapp 100 Jahre war die Strecke Süchteln - Vorst - St. Tönis - Krefeld in Betrieb. Der Autoverkehr und damit die immer stärker werdende Mobilität der Bürger aber drängten den Schienenverkehr ins Abseits.

Als erste Bahntrasse am Niederrhein entstand ab 1849 die Bahnstrecke Ruhrort – Viersen – Mönchengladbach. 1850 wurde dieser Bahnhof gebaut, das Gelände dann 1958 von Vorst an die Gemeinde Anrath verkauft. Foto: Heimatverein Vorrst/Heimatverein Vorst
Heute ist Anrath nur ein Haltepunkt ohne Bahnhofsgebäude. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

1968 wurde der Vorster Zentral-Bahnhof abgerissen, 1978 der Schienenverkehr eingestellt. Aus der ehemaligen Bahntrasse wurde ein Radweg.

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