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Eine Mitarbeiterin von Action Medeor erlebte in Simbabwe eine gefährliche Situation.

Action Medeor : Plötzlich allein in Simbabwes Benzinkrise

Mareike Illing ist „Partner Development“ bei Action Medeor. Bei ihrer Reise zu Partnern in Simbabwe erlebte sie eine gefährliche Situation. Sie geriet in einen mehrtägigen Generalstreik, die Regierung stellte deshalb das Internet ab.

Mareike Illing ist Partner Development bei Action Medeor, die 31-Jährige betreut die Partner in Ostafrika, mit denen Action Medeor zusammenarbeitet. Simbabwe ist seit Jahrzehnten ein Schwerpunktland für die Medikamentenhilfe. Ihre letzte Reise vom 9. bis 17. Januar brachte die junge Frau in eine Ausnahmesituation. Weil der Staat die Benzinpreise an den Tankstellen auf 3,31 Dollar pro Liter heraufsetzte – mehr als doppelt so viel wie vorher –, kam es zu Unruhen. Ein dreitägiger Generalstreik von 14. bis 16. Januar in der Hauptstadt Harare, in der über 1,4 Millionen Menschen leben, führte zu Unruhen, die niedergeschlagen wurden.

Action Medeor arbeitet mit 17 Partnern vor Ort zusammen, darunter elf Missionskrankenhäusern und sechs Kliniken. In einem der Missionskrankenhäuser arbeitet auch die Dominikaner-Schwester Christina Ebel, die ursprünglich aus Willich stammt. Von 2010 bis heute hat Action Medeor für 6,7 Millionen Euro Medikamente nach Simbabwe geschickt, gespendet und teilweise verkauft. Aktuell warten in Vorst vier Sendungen auf den Transport nach Harare. Selbst wenn sie sofort mit dem Flieger ins Land gebracht würden, dauere es noch zwei Wochen, bis alle Dokumente gestempelt sind und die Medikamente an die Partner ausgeliefert werden könnten. Bei ihrer Reise über Addis Abeba in Äthiopien nach Simbabwe besuchte Illgner bis zum Samstag verschiedene Partner. Bei einem Missionskrankenhaus fand sie leere Regale vor. Viele Krankenhäuser müssen Patienten abweisen und an größere Häuser schicken. Der Bedarf an Medikamenten ist überall immens hoch.

     Mareike Illing aus Mülheim, hier mit Vorstandssprecher Bernd Pastors, hat sich in Vorst wieder eingelebt und ist zur Ruhe gekommen.
Mareike Illing aus Mülheim, hier mit Vorstandssprecher Bernd Pastors, hat sich in Vorst wieder eingelebt und ist zur Ruhe gekommen. Foto: Wolfgang Kaiser (woka)
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 Dann wurde am Sonntag der Generalstreik ausgerufen. Die Sicherheitslage bedeutete für Mareike Illing, im Hotel bleiben zu müssen und nicht mehr vor die Tür gehen zu dürfen. Über die sozialen Medien soll zu Demonstrationen aufgerufen worden sein, am Dienstag wurden erst die sozialen Medien, dann das gesamte Internet abgestellt. Auch mit dem Handy wurde es schwer. Mit der lokalen Karte konnte die Mitarbeiterin von Action Medeor kaum noch telefonieren, mit der deutschen SIM-Karte konnte sie zwischenzeitlich eine SMS verschicken, um sich bei Action Medeor zu melden. Im Hotel informierte man sich über die internationalen TV-Medien. Wie Vorstandssprecher Bernd Pastors erläutert, hat jeder Mitarbeiter, der die Partner vor Ort besucht, in der Zentrale in Vorst einen Back-up-Partner, bei dem sich jeder alle 24 Stunden melden müsse. Außerdem werden alle Mitarbeiter auf Dienstreisen in Gefahrenzonen dem Auswärtigen Amt gemeldet. Wenn der Kontakt abbricht oder etwas passiert, kümmert sich das Personal der Deutschen Botschaft vor Ort, die verloren gegangene Person zu suchen. Außerdem absolvieren alle Auslandsmitarbeiter ein Konflikt- und Kriegs-Training, das von Militärs konzipiert wurde.

Mareike Illing ist froh, dass sie keinen Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt war. Und ohne zu prahlen, ergänzt sie, dass sie schon in heiklere Situationen geraten sei. Vor Action Medeor hat sie für I.S:A.R. in Duisburg gearbeitet. International Search and Rescue ist eine international tätige Hilfsorganisation, zu der sich ehrenamtliche Rettungsspezialisten der Bundesrepublik 2003 zusammengeschlossen haben. 2014 hat sie mitgeholfen, in Liberia eine Ebola-Isolierstation aufzubauen. Auch nach dem Erdbeben war sie auf Haiti im Einsatz. Auch heute noch ist sie als Rettungshundeführerin ehrenamtlich unterwegs, allerdings nicht im Ausland.

Nach dem Generalstreik war es am Mittwoch unklar, ob Flugzeuge fliegen oder nicht. Von der Unterkunft in einem der als sicher geltenden Viertel brachte sie ein Wagen über Umwege zum Flughafen. Die Straßen waren leer, abgesehen von viel Polizei und Militär, es herrschte eine „unfassbar große Ruhe“. An vielen Stellen waren noch Barrikaden zu sehen, an denen Reifen und Müll verbrannt worden waren. Wieder zu Hause in Mülheim an der Ruhr habe sie zuerst den Koffer ausgepackt und Wäsche gewaschen.

Nach den Unruhen im Zusammenhang mit dem dreitägigen Generalstreik habe sich die Sicherheitslage in der Hauptstadt Harare und in Bulawayo seit dem 21. Januar wieder leicht entspannt, schreibt das Auswärtige Amt. Die Internetdienste in Simbabwe seien wiederholt abgeschaltet worden, seit dem 22. Januar aber wieder nutzbar. Das AA spricht von einer ausgesprochen schwierigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung. Am 24. Januar berichtete der „Spiegel“ über die aktuelle Lage in Simbabwe. Zwölf Menschen starben bei den Unruhen. Im November 2017 hatte Emmerson Mnangagwa die Macht vom greisen Diktator Robert Mugabe, der fast vier Jahrzehnte das ehemalige Süd-Rhodesien regiert hatte, übernommen. Doch die wirtschaftliche Lage hat sich bisher nicht verbessert, es fehlen vor allem Devisen. Wegen der Inflation war die Landeswährung abgeschafft worden, die neuen „bond notes“, Zollar genannt, an den US-Dollar gekoppelt.

Für Action Medeor ist es nicht der einzige kritische Fall. So war Stefan Marx gerade in Kenia; als es am 15. Januar einen terroristischen Angriff auf ein Hotel in Nairobi gab. Marx hielt sich ganz in der Nähe auf. Der Mitarbeiter reiste dann über Uganda in den Südsudan weiter.