575 Jahre St. Sebastianus Schützenbruderschaft 1444 Vorst: Eine lebendige Schützen-Gemeinschaft

575 Jahre St. Sebastianus Schützenbruderschaft 1444 Vorst : Eine lebendige Schützen-Gemeinschaft

Mit einem Empfang im Haus Vorst startete die St. Sebastianus Schützenbruderschaft 1444 Vorst in ihr Jubiläumsjahr. Sie blickt auf einer 575-jährige Tradition zurück. Vom Land gab es dazu eine Ehrenplakette der Staatskanzlei.

Bravo, Propst Thomas Eicker. Der neue Präses der Schützenbruderschaft verließ bei seinem Grußwort die Bühne und ging in den hinteren Teil des Saales von Haus Vorst, in dem sich viele Besucher an den Stehtischen angeregt unterhielten. Das Funk-Mikro machte es möglich. Auf der Bühne hatte er noch kurz angemerkt, wer hier auf der Bühne stehe, habe die „A-Karte“ gezogen, weil ihm die Hälfte des Saals überhaupt nicht zuhöre. Sprach’s und ging durch den Saal mitten in die Menge. Mit Charme brachte er dann den ganzen Saal dazu, der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft ein Geburtstagsständchen zu singen.

Die Vorster Sebastianer feiern in diesem Jahr einen ganz besonderen Geburtstag: Die Bruderschaft wurde vor 575 Jahren gegründet. Brudermeister Sascha Stieger hatte zum Auftakt des Jubiläumsjahres zu einem Empfang im Saal von Haus Vorst eingeladen, und 240 Gäste waren seiner Einladung gefolgt.

Ein ganz besonderer Gast war die Landtagsabgeordnete für Krefeld-Süd und Tönisvorst, Britta Oellers (CDU). Sie hatte ein hervorragendes Geschenk mitgebracht. Im Namen der Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt Andrea Milz von der Staatskanzlei überreichte Britta Oeller der Schützenbruderschaft die Ehrenplakette des Landes Nordrhein-Westfalen als „Anerkennung des besonderen Engagements“. Die Landtagsabgeordnete kündigte an, sie freue sich schon auf das Schützenfest der Vorster im Mai.

Ein ganz besonders emotionaler Moment des langen Abends war die Übergabe eines alten Königsordens. Udo Hüskes trennte sich von dem Silberorden seines Vaters und übergab sie Brudermeister Sascha Stieger. Am Anfang des Abends ließ Reiner Hinkes als Laudator die Geschichte der Schützenbruderschaft - teilweise auf Platt - Revue passieren. Allen im Saal wurde klar, dass das Jahr 1444 mental sehr weit weg ist und man sich nur schwer in die Zeit des ausgehenden Mittelalters und der kommenden Neuzeit hineinversetzen kann. Das Wesen der Bruderschaft hat sich im Laufe der Geschichte sehr gewandelt, von der militärischen Funktion für den Landesherrn. den Kölner Erzbischof, in Zeiten ohne stehende Heere, bis zur rein bürgerlichen Gemeinschaft in Verbindung mit Schießsport. Hans Josef Köhler, der als Moderator durch den Abend führte, charakterisierte die Gründungsjahre als eine Zeit, in der Plünderungen und Überfälle das Land heimsuchten und die Menschen sich zusammenschlossen, um sich zu schützen. Er erinnerte auch daran, dass der Schützenkönig einst von allen Steuern und Abgaben befreit war. Und gleich mehrere Redner, darunter Bezirksbundesmeister Uli Loyen,  betonten die feste und wichtige Bindung an die katholische Kirche. Alle bekennen sich auch heute zum Dreiklang „Glaube, Sitte, Heimat“.

Bürgermeister Thomas Goßen brachte nicht nur die Glückwünsche von Rat und Verwaltung mit, sondern auch das Versprechen, beim Jubiläumsschützenfest auf alle städtischen Gebühren zu verzichten. Dafür gab’s viel Applaus.

Landtagsabgeordnete Britta Oellers überreichte Schützenkönig Christoph Seidel (li.) und Brudermeister Sascha Stieger die Landesplakette. Foto: Heribert Brinkmann
Beim Jubiläumsempfang der St. Sebastianus Bruderschaft Vorst 1444 im Haus Vorst spielte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst auf. Vorher hatten auch die Männerchöre Cäcilia Vorst und Forstwald gemeinsam für den musikalischen Rahmen gesorgt. Foto: Norbert Prümen (nop)
So sieht die Ehrenplakette des Landes NRW von Nahem aus. Foto: Heribert Brinkmann

Musikalisch stimmten der MGV Cäcilia Vorst und der MGV Forstwald gemeinsam in den Abend ein. Mit großer Inbrunst sangen die weißhaarigen Sänger ihre Lieder, darunter „Musik erfüllt das Leben“. Auch beim Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst wird Musik ganz groß geschrieben. Ihre große Bandbreite zeigte er auch mit einem Evergreen aus dem „Dschungelbuch“: „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit.“ Das war ein guter Übergang zum „gemütlichen Teil“. Zum Schluss noch danke an Schützenkönigin Anja für das von ihr gesponserte Knabberzeug auf den Tischen.

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