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Eine fulminante Premiere feierte die Laienspielgruppe „Salz und Pfeffer“ vor ausverkauftem Haus in Vorst.

„Salz und Pfeffer“ : Bürgermeister verliert sein Gedächtnis

Eine fulminante Premiere feierte die Laienspielgruppe „Salz und Pfeffer“ vor ausverkauftem Haus in Vorst.

Ein paar Mal müssen die Darsteller ihre Dialoge unterbrechen, weil so viel gelacht wird im Zuschauerraum, und immer wieder gibt es spontanen Szenenapplaus. Durch perfekt besetzte Rollen, witzige Dialoge, lokale Anspielungen und eine lustige Handlung zeichnet sich „Die Gedächtnislücke“, das aktuelle Herbststück der Laienspielgruppe „Salz und Pfeffer“ aus Vorst, aus.

Besonders Heinz-Josef Köhler als dreister Amtsbote Jupp, Thomas Wenders als Bürgermeister Franz Spix und Wolfgang Arretz als ergebener Gatte, sind unglaublich gut in ihren Rollen. Mit dem diesjährigen Stück hat sich das Ensemble der Kolpingsfamilie Vorst im 26. Jahr seines Bestehens ein Denkmal gesetzt. Zweimal zeigten die Mitglieder am Wochenende das Stück „Die Gedächtnislücke“, und zweimal war der Saal von Haus Vorst mit je 250 Besuchern ausverkauft.

Sie alle sahen einen dörflichen Schwank in drei Akten, der sehr gut zu Vorst und seinem Umfeld passt. Der Haupterzählstrang dreht sich um das Ehepaar Silberstein, dargestellt von Spielleiter Wolfgang Aretz und Corine Brötz, der die Aufregung vor ihrer ersten großen Rolle im Abendstück nicht anzumerken ist. Das Paar aus der Nachbarstadt, sprich aus St. Tönis, ist vor drei Jahren ins Dorf gezogen und regt sich nun permanent über das Glockengeläut, den Hahn des Nachbarn (Ulrich Leusch), die Tiere des Kleintierzuchtvereins und die Proben der Musikkapelle auf.

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Wolfgang Arretz, von der Maske mit einem Mittelscheitel versehen (große Wirkung) nickt alles ab, was seine junge Frau vom Bürgermeister fordert. Der geht darauf ein, weil er die „feinen Leute aus der Stadt“ nicht verprellen will. Dass Amtsbote Jupp – eine Paraderolle für Heinz-Josef Köhler – alle Anweisungen torpediert und die Silbersteins ärgert, wo es nur geht, weiß der Bürgermeister nicht. Aber Jupp führt sowieso ein Eigenleben in der Amtsstube, dagegen kann auch die Sekretärin Hannelore, dargestellt von Ingrid Kox, nichts unternehmen.

So erzählt Jupp der Tratschtasche Emma (Gudrun Heidenfels) gegen alkoholhaltige Bezahlung gern alle Neuigkeiten aus dem Bürgermeisterbüro, wenn auch sehr frei interpretiert und großzügig ausgeschmückt. Zuerst soll die Frau der Bürgermeisters (dargestellt von Neuzugang Michaela Holtmanns) mit Zwillingen schwanger sein, aber dann sind es doch nur zwei Gallensteine. Der Küster soll den Bürgermeister niedergeschlagen haben, und der Hahn vom Nachbarn habe die Rinderseuche, behauptet der Amtsbote. Jupp hat viel Fantasie, und ihm ist keine Geschichte zu abwegig. Dass Emma ihm jedes Wort glaubt, bringt Jupp erst so richtig in Fahrt.

Kurzum: In der Amtsstube und im Dorf geht es drunter und drüber. Dem Bürgermeister setzt das so zu, dass selbst Hannelore gesteht: „Da weiß ich jetzt auch nicht mehr, welche Pillen ich dem Bürgermeister noch geben soll.“ Erstaunlicherweise verbessert sich die gesamte Situation aber, als der Bürgermeister einen Unfall hat und die Erinnerung an die vergangenen fünf Jahre verschwunden ist. Dann nämlich wird Franz wieder der Alte, besinnt sich seiner ehemals besten Freunde und weiß wieder, wen er in seinem Amt eigentlich vertritt. Die Silbersteins jedenfalls sind es nicht.

Weniger lustig wird das Stück deshalb nicht. Das Publikum in Vorst jedenfalls amüsiert sich bei der Premiere drei Stunden lang prächtig über dieses Stück aus der Feder von Bernd Gombold, dessen Schluss die Laienspielgruppe allerdings umgeschrieben hat, damit es mit dem Knall endet, den Stück und Ensemble verdient haben.