Eine Bewerbung für das Landesprogramm „Dritte Orte“ diskutiert ein Tönisvorster Ausschuss.

Tönisvorst : Idee: Neues Mobiliar für Kultur im Ratssaal

Eine Bewerbung für das Landesprogramm „Dritte Orte“ diskutierte der Fachausschuss. Das Programm finanziert kulturelle und Bildungsangebote zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Die Stadtbücherei als eine Stätte der Kultur und der Bildung ist den CDU-Vertretern als Erstes eingefallen, als sie vom Landesprogramm „Dritte Orte“ hörten. Im Schul- und Kulturausschuss versuchten die Christdemokraten, die anderen Fraktionen davon zu überzeugen, sich mit dem Konzept der Bücherei beim Land zu bewerben. 750.000 Euro stellt das Land bereit, um im ländlichen Raum „Dritte Orte“, also Orte der Kultur und Bildung, der Begegnung und der Vernetzung zu fördern.

„Aus Sicht der CDU-Fraktion könnte durch eine Beteiligung am Förderprogramm das Konzept der Stadtbücherei unterstützt werden, da sie heute bereits als Anlaufstelle der Begegnung, Vernetzung und zum kulturellen Austausch dient“, heißt es im Antrag. Um es vorwegzunehmen: Der CDU-Antrag wurde mit sechs Gegenstimmen aus SPD, FDP und GUT abgelehnt, aber zuvor entwickelte sich eine kreative Diskussion zum Thema Kulturräume in Tönisvorst.

So schlägt Peter Siegel, CDU-Mitglied und 25 Jahre lang Vorsitzender des Stadtkulturbundes vor, neues Mobiliar für den Ratssaal zu kaufen, das flexibler einsetzbar sei. „Dann wären Kulturveranstaltungen im Ratssaal wieder möglich, und Tönisvorst hätte einen weiteren attraktiven Ort für kleinere Veranstaltungen“, sagt Siegel. Die Stadt solle sich mit allen Kulturschaffenden zusammensetzen und gemeinsam Ideen entwickeln. „Dieses Landesprogramm und der Antrag auf Förderung sind jetzt sehr kurzfristig, aber es werden andere Programme kommen, und dann hätten wir etwas in der Schublade“, so Siegel.

Auch Hans-Joachim Kremser, SPD, schlägt vor, dass sich ein Arbeitskreis Kultur gründen soll. Nicht nur Vereine, die bereits in das kulturelle Leben der Stadt eingebunden seien, auch Schulen und Jugendgruppen sollten ihre Vertreter in den Kreis entsenden. Elisabeth Schwarz von den Grünen unterstützt diese Idee. „Es müssen auch gar nicht nur Vereine sein, jeder Bürger, der eine Idee hat, wie wir in Tönisvorst Räume der Kultur, Bildung und Begegnung schaffen können, soll sich angesprochen fühlen“, sagt Schwarz.

Dominique Huth, der als Vertreter des Stadtkulturbundes im Ausschuss sitzt, sagt, sein Verein würde es begrüßen, wenn es in der Stadt weitere Kulturstätten gebe. Und Helge Schwarz, SPD, regt an, bei dem Verwaltungsneubau, der seit geraumer Zeit diskutiert wird, einen Raum für Kultur und Begegnung einzuplanen. Fachbereichsleiter Lars Schaath gibt zu bedenken, dass der Personalstand in der Verwaltung es nicht erlaube, einen Mitarbeiter für ein Kulturprojekt abzustellen, wie es etwa für die Bewerbung um das Fördergeld des Landes nötig wäre. „Da brauchen wir ein fertiges Konzept und jemanden, der das Projekt über Jahre begleitet“, sagt Schaath.

Tatsächlich ist es um das kulturelle Leben in Tönisvorst gar nicht so schlecht bestellt. Neben den großen und oft großartigen Theater-, Kabarett- und Musikveranstaltungen im Corneliusforum, für die der Stadtkulturbund verantwortlich zeichnet, gibt es mit der „Götterspeise“ eine kleine, feine Kulturreihe in der evangelischen Kirche. Im Jugendfreizeitzentrum gastieren Kindertheater, es gibt Kulturwochen und Poetry Slams. Die Stadtbücherei und ihr Förderverein laden jedes Jahr zum Literaturherbst ein, bieten regelmäßig Vorlesenachmittage für Kinder und auch Lesungen für Erwachsene an.

Auch der St. Töniser Seulenhof soll, geht es nach der Krefelder Künstleragentur Schneider-Watzlawik, künftig häufiger zum kulturellen Veranstaltungsort werden. Und in Vorst bietet das Haus Vorst Kabarett und Krimidinner. Außerdem treten die Laienspielgruppen „Salz und Pfeffer“ und „Salz und Pfeffer kids“ dort auf. Im Kulturcafé „Papperlapp“ werden Kunstausstellungen und Musikabende angeboten.

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