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Tönisvorst: Dieses Haus hat der Straßenbahn getrotzt

Tönisvorst : Dieses Haus hat der Straßenbahn getrotzt

Das fast 200 Jahre alte Haus an der Hochstraße 2, dem Eingangsbereich zur St. Töniser Fußgängerzone, soll abgerissen werden. Ein Erhalt der historischen Fassade sei nicht möglich, sagt die Architektin.

Noch tut sich nichts im Eingangsbereich der St. Töniser Fußgängerzone auf der Ecke Willicher Straße/ Hochstraße. Zwar gibt es bereits konkrete Pläne für Abriss und Neubau des Hauses Hochstraße 2, aber aufgrund einer Klage wird es wohl noch dauern, bis der Eingangsbereich der Fußgängerzone ein neues Gesicht bekommt. Ein Ladenlokal im Erdgeschoss und drei Mietwohnungen in den oberen Etagen sind an dieser Stelle geplant.

Der Wunsch vieler Bürger, die historische Fassade zu erhalten, wird sich wohl nicht erfüllen. "Wir haben verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, sowohl einen Umbau im Bestand, als auch einen Neubau hinter historischer Fassade - beides rechnet sich nicht und ist auch im Hinblick auf die Energieeffizienz schwierig", sagt die beauftragte Architektin Angelika Feller.

Die Fassade eines Neubaus soll aber den Stil des Altbaus beibehalten. So ist eine helle Hausfront geplant, aus der Sandstein-Erker herausragen. Allerdings wird das neue Haus mit 15 Metern deutlich höher, als es bisher der Fall ist. Rund 1,5 Millionen Euro will der Eigentümer investieren.

Mit einem Abriss wäre das Schicksal eines Hauses besiegelt, das seit fast 200 Jahren das Gesicht der St. Töniser Innenstadt mitgeprägt hat und das dafür gesorgt hat, dass die Straßenbahnlinie aus Krefeld am Wilhelmsplatz endet. Vor 100 Jahren nämlich sollte die Straßenbahn, damals noch die Linie 1, über St. Tönis hinaus, mit Anbindung von Süchteln bis nach Grefrath geführt werden. "Das gesamte Projekt scheiterte, weil das Haus Hochstraße 2 nicht erworben werden konnte", schreibt Heinz Meier im Heft des St. Töniser Heimatbundes vom Dezember 2005.

Demnach sollte die Straßenbahntrasse die Krefelder Straße entlang, über die Willicher Straße in den Pastorswall hineingebaut werden. Von dort war eine Linienführung über die heutige Viersener Straße und Vorster Straße geplant. "Nur durch den Abbruch des Hauses wäre eine Durchfahrt in dieser Linienführung möglich gewesen", schreibt der Heimatforscher Meier. Eine alternative Streckenführung über Hoch- und Marktstraße lehnte der Regierungspräsident wegen der Enge der Straßen ab.

Die Straßenbahntrasse kam nicht, das Haus blieb stehen und beherbergte viele Jahrzehnte lang die Gaststätte Hagen, deren Wirt auch der Hausbesitzer war. Später zog ein Herrenausstatter in die Erdgeschossräume. Zuletzt hatte sie das Bekleidungsgeschäft Pohl gemietet. Seit fast zwei Jahren steht das schöne, alte Haus leer.

(WS03)