Vorst: Die Theologie siegte über die Architektur

Vorst : Die Theologie siegte über die Architektur

34 Jahre war Bernd Pätzold der evangelische Pfarrer von Vorst. Nun geht der gebürtige Duisburger im August in den Ruhestand. Offiziell verabschiedet wird er schon morgen von Superintendent Burkhard Kamphausen.

Gerade einmal 29 Jahre alt war Bernd Pätzold, als er im Mai 1985 seine erste Stelle als Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Anrath-Vorst antrat. Es sollte auch die einzige Stelle bleiben, denn der Theologe blieb Vorst treu. 34 Jahre lang prägte er die Gemeinde mit. Nun geht der Vorster Pfarrer Ende August in den Ruhestand, wobei seine offizielle Verabschiedung schon am Sonntag stattfindet. Sein Krefelder Amtskollege, Pfarrer Burkhard Kamphausen, der ihn verabschieden wird, geht nämlich ebenfalls in Rente und vollzieht die Amtshandlung noch vorher.

„Ich werde die Gemeinde vermissen. Mir sind die Menschen hier ans Herz gewachsen. Auch die niederrheinische Landschaft wird mir fehlen. Vorst ist mir ein Stück Heimat geworden, zumal meine beiden Söhne hier aufgewachsen sind“, sagt Bernd Pätzold, der zurück nach Mülheim an der Ruhr geht, wo er auch aufgewachsen ist. Seine Wiege stand aber in Duisburg. Der Entschluss, evangelische Theologie zu studieren, fiel früh. Architektur begeisterte ihn zwar auch, und es gab sogar ein längeres Praktikum auf dem Bau. Aber letztendlich fiel die Entscheidung zugunsten der Theologie aus. „Ich war schon als Jugendlicher im CVJM aktiv und habe mich immer mit dem Thema Glauben beschäftigt. Die Botschaft von Jesus hat mich nicht mehr losgelassen und ich wollte hauptberuflich Christ werden, um diese Botschaft weiterzugeben“, sagt Bernd Pätzold.

Studiert wurde in Wuppertal und Bonn. 1981 folgte das Examen bei der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf. Es schlossen sich zwei Jahre als Vikar in Ratingen an. Als sogenannter Pastor im Hilfsdienst, wie es damals hieß, ging es von 1983 bis 1985 in Dümpten weiter. Das zweite Examen beendete diese Zeit und Bernd Pätzold konnte sich auf seine erste Stelle als Pastor bewerben. Die Bewerbung ging an die Evangelische Kirchengemeinde Anrath-Vorst, wo Bernd Pätzold einen Kollegen kennengelernt hatte, der in vielen Punkten mit ihm übereinstimmte, angefangen von Fragen zum Gemeindeaufbau bis hin zu der Tatsache, dass der Kollege auch dem CVJM zugetan war und diese christliche Jugendarbeit in Vorst wie auch in Anrath angeboten wurde.

Die Gemeinde wählte den Neuen einstimmig, und Bernd Pätzold durfte sich zum ersten Mal Pfarrer einer Gemeinde nennen. „Ich habe immer gerne gepredigt und mich mit Begeisterung mit Kindern und Jugendlichen in den Gruppenstunden beschäftigt. Freizeiten mit dem CVJM waren selbstverständlich und ich habe über 20 Jahre lang im Sommer Jugendfreizeiten durchgeführt“, erinnert sich Bernd Pätzold. Der Konfirmandenunterricht lag ihm und Freizeiten sowie Tagesausflüge für die Erwachsenen zu organisieren, war ebenso sein Ding. Über 30 Jahre lang gestaltete der Vorster Pfarrer das Programm der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland mit. Bernd Pätzold erinnert sich an die unzähligen Momente, in denen er Menschen in besonderen Lebenssituationen beistand und in Krisensituationen begleitete.

Ganz wichtig war ihm durch all die Jahre hindurch die Ökumene. Die sehr gute Zusammenarbeit mit seinem katholischen Amtskollegen Pfarrer Ludwig Kamm hebt der 63-Jährige lobend hervor. Man habe die Konfessionsunterschiede nicht aufheben können, aber man habe alles gemeinsam gemacht, was möglich war, sagt der Vorster. Die gemeinsame Osternacht, der ökumenische Gottesdienst am Pfingstmontag, die ökumenische Bibelwoche, das gemeinsame Engagement für die Rumänienhilfe – die List ist lang. „Es ist mein Wunsch, dass diese Ökumene weiter so lebendig bleibt“, sagt Bernd Pätzold.

Die neue Orgel, der Bau des Glockenturmes oder die Vergrößerung des Gemeindehaues –  Meilensteine in der Gemeinde gab es reichlich in seiner Dienstzeit. Der Pfarrer kann selber auf 454 Taufen, 528 Konfirmanden und 110 Trauungen zurückblicken. In der Gemeinde stand ihm seine Frau, Renate Pätzold, selber als Kinder- und Jugendärztin im Einsatz, immer ehrenamtlich zur Seite. „Sie hat mich neben ihrer eigenen Arbeit zu 100 Prozent unterstützt. Dafür kann ich nur Danke sagen“, sagt der Pfarrer.

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