Tönisvorst: Die Erinnerung soll Mahnung sein

Tönisvorst: Die Erinnerung soll Mahnung sein

Gestern wurden in Vorst vor den Häusern Clevenstraße 17 und Lindenallee 23 Stolpersteine in den Boden eingelassen. Sie erinnern an die ehemals jüdischen Bewohner der Häuser.

"Ich bin Benjamin Horn, geboren 1855 in Vorst, Metzgermeister. Ich wohnte mit meiner Familie in der Clevenstraße 17. Ich war im Vorstand der Synagogengemeinschaft und Mitgründer der Vorster Feuerwehr. Ich war aktiv im Turnverein und in der Kegelgesellschaft. Meine Metzgerei wurde in der Reichspogromnacht zerstört. Wir wurden gezwungen, unser Haus zu verkaufen und vorübergehend ins Krankenhaus zu ziehen. Dort starb ich kurz vor der Deportation am 16. April 1941 mit 88 Jahren."

Die meisten Mitglieder der großen Vorster Familie Horn sind zu diesem Zeitpunkt bereits nach Ecuador und Neuseeland geflüchtet, nur Elfriede Horn, die ebenfalls in der Clevenstraße 17 lebte, wurde im Alter von 84 Jahren nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Die Geschichte der einzelnen Familienmitglieder erzählen die Jugendlichen der AG "Stolpersteine" vom Tönisvorster Michael-Ende-Gymnasium, während Gunter Demnig goldene Pflastersteine in den Boden einlässt, die jetzt an die Menschen erinnern, die einst in diesem Haus lebten und arbeiteten.

Seit 1997 ist der Kölner Künstler Demnig europaweit unterwegs, um mit seinen Stolpersteinen an die Juden zu erinnern, die einst das Stadtbild prägten, bevor sie dem Faschismus zum Opfer fielen. Rund 40 000 Steine sind es mittlerweile, die der 66-Jährige in zehn europäischen Ländern verlegt hat. Elf davon finden sich seit gestern im Vorster Straßenpflaster. Neben dem ehemaligen Haus der Familie Horn auf der Clevenstraße erinnern drei Steine an der Lindenallee 23 an Julia Horn, 1942 in Theresienstadt gestorben, Berta Rosenberg, 1943 in Theresienstadt ermordet, und Martha Rosenberg, die 1942 in Riga umgebracht wurde.

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Im nächsten Jahr sollen zehn weitere Steine an anderen Häusern im Ort folgen, in denen ebenfalls einst jüdische Familien zu Hause waren. Außerdem soll am Markt eine Gedenktafel aufgestellt werden, die auch an nicht-jüdische Opfer des Nationalsozialismus in Vorst erinnert.

Initiiert hat die Stolpersteinverlegung eine Bürgerinitiative, die von der Stadt, der Sparkassenstiftung, der Handwerkerschaft und dem Einzelhandel sowie von etlichen Vorster Bürgern mit Spenden unterstützt wurde. Peter Joppen, Sprecher des Initiativkreises, bedankte sich bei den Sponsoren. Unterstützt wird die Aktion auch von der evangelischen und der katholischen Kirche, sowie von der jüdischen Gemeinde Krefeld, deren Vertreter bei der Verlegung einen Text in hebräischer Sprache vorträgt.

Sina Kugel von der Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine mahnt in ihrer Rede: "Es ist an uns jungen Menschen, dafür zu sorgen, dass sich so etwas Schlimmes wie der Nationalsozialismus nicht wiederholen kann." Um den Toten nicht nur einen Namen auf einem Stein, sondern auch ein Gesicht zu geben, stellen die Schüler gerahmte Fotos neben die Steine auf. Außerdem legen sie weiße Rosen auf das Pflaster.

(WS03)
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