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Der Stadtkern von St. Tönis soll Bodendenkmal werden.

Innenstadt St. Tönis : Ortskern steht auf Bodendenkmal

Wird der St. Töniser Stadtkern zum Bodendenkmal, ändert sich für Hauseigentümer nicht viel, denn bereits jetzt müssen Archäologen kommen, wenn gegraben wird. Dennoch wurde der LVR-Antrag im Ausschuss kontrovers diskutiert.

„Hat der Eintrag des St. Töniser Stadtkerns als Bodendenkmal Einfluss auf künftige Bebauungspläne? Können wir den Antrag ablehnen? Wie positionieren wir uns?“ Diese Fragen stellte Johannes Funck von der SPD-Fraktion im Planungsausschuss. Auf der Tagesordnung stand ein Ansinnen des Amts für Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die Denkmalschützer haben bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Tönisvorst den Antrag gestellt, den St. Töniser Stadtkern in die Bodendenkmalliste einzutragen.

Ihre Begründung: „St. Tönis gehört zu den wenigen kleineren, urbanen Marktflecken im ländlichen Raum am Niederrhein, die nachweislich über eine Wall-Grabenbefestigung verfügen.“ Am Erhalt dieser Wall-Grabenbefestigung bestehe ein wissenschaftliches Interesse. Die Politiker sind nicht begeistert von dem LVR-Antrag, weil sie befürchten, dass Um- und Neubauten im Stadtkern durch das Bodendenkmal behindert werden könnten. Jörg Friedenberg von der Verwaltung erklärt, dass es keinen Ermessensspielraum gebe: „Das Bodendenkmal ist durch Funde von Ausgrabungen belegt und gilt als schützenswert.“

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Für die etwa 300 betroffenen Grundstücke im Stadtkern beziehungsweise deren Eigentümer bringe der Eintrag in die Bodendenkmalliste aber keine Veränderung. „Es war bisher auch schon so, dass archäologische Untersuchungen zu Lasten des Eigentümers durchgeführt werden mussten, wenn in dem betroffenen Gebiet Bodenarbeiten etwa durch den Bau einer Tiefgarage oder eines Kellers anstanden.“ Dennoch wolle die Stadt die Bürger mit einer Meldung im Amtsblatt auf den Eintrag der Innenstadt in die Bodendenkmalliste aufmerksam machen. „Die Bürger können dann vier Wochen lang Einspruch erheben beziehungsweise eine Stellungnahme abgeben“, sagt Friedenberg.

Dominique Huth von der CDU-Fraktion sprach sich dafür aus, die Anwohner persönlich anzuschreiben – das lehnt die Verwaltung aber ab. Die Antwort auf die Frage, ob das eingetragene Bodendenkmal Neubauten erschwere oder gar verhindere, blieb Friedenberg schuldig.

Fest steht, dass St. Tönis auf eine lange Geschichte zurückblickt, von der die Funde im Boden zeugen. Erste Ansiedlungen sind aus dem zwölften Jahrhundert verbrieft. Mit der Errichtung einer Kapelle um 1380 entwickelte sich die zentrale Siedlung im heutigen Ortskern rund um die Pfarrkirche St. Cornelius.

Um 1607 wurde diese Siedlung mit Wall, Graben und Toren befestigt. Die Straßennamen „Niedertorstraße“, „Pastorswall“ und „Alter Graben“ zeugen von den mittelalterlichen Befestigungsanlagen. Die Ortsbefestigung wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts gebaut. Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Gräben und Wälle an die Bürger verkauft, 1870 wurde der letzte Graben zugeschüttet. Auch von dem ehemaligen Wall ist nur noch ein kurzes Stück hinter dem Pfarrgarten am Pastorswall erhalten. In den archäologischen Funden, die in der Vergangenheit bereits in St. Tönis entdeckt worden sind, zeige sich die Siedlungsentwicklung von einer bäuerlich geprägten Gegend zu einem zentralen Marktort mit handwerklicher Infrastruktur, heißt es in der denkmalrechtlichen Begründung zum LVR-Antrag. Besonders die rückwärtigen Bereiche hinter den Straßen- und Häuserfronten seien von wissenschaftlichem Interesse, da die Hinterlassenschaften archäologisch erfassbar seien und wertvolle Informationen über die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse im mittelalterlichen St. Tönis geben. Auch Zeugnisse tierischen oder pflanzlichen Lebens wurden bei Ausgrabungen gefunden und lassen Rückschlüsse über Flora und Fauna zu.