Tönisvorst: Der Name Apfelstadt und seine Geschichte

Tönisvorst: Der Name Apfelstadt und seine Geschichte

"Himmel un Äd" hätte auch gepasst, aber es ist 2007 ein eleganteres Synonym geworden: Tönisvorst ist "Apfelstadt am Niederrhein".

Wer Catharina Perchthaler fragt, wie Tönisvorst zu seinem Beinamen gekommen ist, der merkt schnell, dass diese Geschichte der städtischen Mitarbeiterin am Herzen liegt. Im Jahr 2006 war es, dass ein Redakteur der Westdeutschen Zeitung auf die Pressesprecherin zukam und monierte, dass er für seine Texte oft vergeblich ein Synonym für Tönisvorst suche. Catharina Perchthaler griff die Idee auf : Die Bürger sollten für Tönisvorst einen Beinamen finden.

Die Vorschläge übertrafen alle Erwartungen: 187 Slogans, teilweise mit passender Grafik, ließen sich die Bürger einfallen. Es gab Wortspiele mit dem T aus St. Tönis und dem V von Vorst wie "treu & vital", "Toll zum Verlieben", "Tradition verbindet" und "Tolle Vielfalt". In Anspielung auf die beiden Ortschaften kamen Vorschläge wie "Doppelherz", "Zwillingsstadt" oder "Nur gemeinsam sind wir eins". Auch Begriffe wie "Schluff-Stadt", "Stadt der Apfelblüte" oder "Stadt der Herrnhäuser" wurden eingereicht.

Noch heute bewahrt Catharina Perchthaler die Vorschläge in Umschlägen, geordnet nach Themenschwerpunkten, auf. Der Umschlag mit dem Aufdruck "Natur und Obst" ist der dickste. "Offensichtlich haben die meisten Menschen diese Assoziation, wenn sie an Tönisvorst denken", sagt die Pressesprecherin. Die Jury hatte klare Vorstellungen von dem Beinamen: prägnant sollte er sein und individuell. Außerdem sollte er leicht von der Zunge gehen, nach innen und außen wirken und ein Name sein, mit dem die Tönisvorster sich identifizieren können.

Mit diesen Vorgaben wurden die Ideen gesichtet. Die Entscheidung fiel einstimmig: "Apfelstadt" sollte der Beiname lauten. Eingereicht hatte diese Idee die 21-jährige Lena Schumacher, Tochter des Obstbauers Rudolf Schumacher. Harald Vergossen, Professor für Stadtmarketing und Jurymitglied, riet zum Zusatz "am Niederrhein". So wurde es gemacht. Lena Schumacher wurde als Siegerin des Ideenwettbewerbs geehrt. Ein Sonderpreis ging an Franz Helmut Strom, der dafür geworben hatte, den Namen der Stadt im Slogan mit großem T und großem V zu schreiben. Seitdem steht auf offiziellen Schreiben: "TönisVorst Die Apfelstadt am Niederrhein".

Damit aber ist die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt, vielmehr war die Geburt des neuen Namens erst der Anfang einer ganzen Welle von Aktionen, Veranstaltungen und Ideen: Die Händlergemeinschaft "Vorst aktiv" rief 2008 das Apfelfest ins Leben, das seitdem alle zwei Jahre im September gefeiert wird. Die Stadt richtete eine Apfelwoche in den Kitas aus, in der Apfelsaft gepresst und Apfelmus gekocht wurde. Apfelbäume wurden gepflanzt und eine Apfelstadt-Schlemmertour zusammengestellt.

Und damit nicht genug: Bäcker buken Brot mit Apfelstückchen, Metzger kreierten Apfel-Leberwurst und Apfelbratwurst und Design-Studenten der Hochschule Niederrhein entwarfen ein Logo, das einen stilisierten Apfel mit angedeuteter Herzform zeigt. An den Eingangsstraßen der Ortsteile wiesen neue Schilder mit einem Apfel auf die Partnerstädte hin, und der Werbering St. Tönis kaufte überdimensionale rote Äpfel, die die Besucher der Fußgängerzone seitdem begrüßen. Auch der Verein "Apfelblüte" gründete sich und sammelt bis heute Spenden für bedürftige Kinder aus Tönisvorst.

"Im Jugendzentrum gab es mal eine Aktion, bei der ein Apfelmenü gekocht wurde", erzählt Catharina Perchthaler, die sichtlich Spaß daran hat, zu erzählen, welche Eigendynamik die Idee mit dem Beinamen entwickelt hat. "Und einer der Höhepunkt war sicher die Krönung der ersten Apfelkönigin Annica Lambertz 2013", sagt die Pressesprecherin. Die wiederum war es, die den Apfelblütenlauf ins Leben gerufen hat, der in diesem Jahr am 22. April zum vierten Mal startet und mittlerweile 1500 Läufer in die Apfelplantagen lockt.

(RP)