Der Mertenshof ist keine Baustelle mehr, aber Wohnungen und Gastronomie stehen noch leer.

Am Mertenshof : Sanierter Mertenshof steht halb leer

Was ist los am Mertenshof? Die Hälfte der aufwendig sanierten Wohnungen im Anbau am Pastorswall steht leer. Auch zwei Wohnungen in den Seniorenflügeln warten auf Mieter, und die Gastronomie hat immer noch nicht eröffnet.

Nach langer Umbauzeit mit viel Lärm, Schmutz und Staub ist der 30 Jahre alte Anbau am Mertenshof seit ein paar Monaten wieder vorzeigbar. Die Fenster sind geputzt, die unbefestigten Flächen rund um das Haus am Pastorswall sind mit Kies aufgeschüttet und mit Rasen bepflanzt, und auch die letzte Baustellentoilette ist verschwunden. Aber hinter den großen Fenstern der Wohnungen in der ersten Etage ist kein Licht, auf den Balkonen stehen keine Möbel. Auch im ebenerdigen Gastronomiebetrieb herrscht gähnende Leere.

Vorne, zur Kirchstraße hin, in den Flügeln der alten Hofanlage, ist der Großteil der zwölf Senioren-Mietwohnungen bereits seit einem halben Jahr bezogen. Lediglich eine 68 Quadratmeter große Wohnung im Erdgeschoss und eine 80 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung stehen noch leer. Auch das altrosa gestrichene Haupthaus ist meistens bewohnt. Vor eineinhalb Jahren ist dort eine Schlafstätte für Monteure und Messegäste eingerichtet worden. Acht Zimmer, eine Gemeinschaftsküche und ein größerer Schlafsaal stehen zur Verfügung.

Aber was ist mit der Gastronomie und den großen Wohnungen im hinteren Gebäudeteil, wo bis September 2013 Restaurant und Festsaal des Hotels Menschen von nah und fern anzogen? Laut Michel Zacher, Geschäftsführer der Census Real Estate, sind fünf der sechs Luxuswohnungen verkauft. „Eine charmante, lichtdurchflutete und toll geschnittene Wohnung steht noch zur Verfügung“, sagt Zacher, der für den Verkauf zuständig ist. Die 128 Quadratmeter über zwei Etagen sollen 470.000 Euro kosten.

Die fünf anderen Wohnungen seien verkauft und sollen vermietet werden. „Drei davon sind bereits vermietet und bezogen, zwei größere Wohnungseinheiten stehen noch zur Vermietung für circa zehn bis elf Euro pro Quadratmeter“, sagt Zacher. Ein Blick auf die Klingelschilder zeigt allerdings, dass bisher nur zwei mit einem Namen versehen sind. Zum Restaurant im Erdgeschoss sagt Zacher: „Die Gewerbeeinheit für die Gastronomie ist bauseitig komplett fertig gestellt und betriebsbereit. Es könnte also jeden Tag losgehen.“

Tatsächlich aber ist dort seit drei Monaten nichts mehr passiert. Warum das so ist, weiß der Geschäftsführer nicht. „Es liegen alle Genehmigungen für den Betrieb vor, wie mit dem Erwerber vertraglich vereinbart“, sagt Zacher. Bodo Garden aus Willich, der das Großprojekt Mertenshof vor drei Jahren angestoßen hat, weiß, dass zunächst 39 Plätze für die Gastronomie beantragt worden seien, um über ein vereinfachtes Verfahren die Baugenehmigung zu beschleunigen. „Mit 39 Plätzen ist das Restaurant aber nicht wirtschaftlich zu betreiben, deshalb wollte der Eigentümer während der Umbauphase die Erweiterung der Kapazitäten beantragen“, sagt Garden. Das sei wohl bisher versäumt worden.

Rund 190 Quadratmeter stehen für die Gastronomie am Pastorswall zur Verfügung, Platz für 80 Gäste. Im Sommer soll eine Außengastronomie hinzukommen. Vlado Vukovic, Betreiber der St. Töniser Lokalitäten „Zur Linde“ und „Bayernstube“, wollte das Restaurant pachten und dort ein drittes Standbein aufbauen. Anfang September 2018 sollte es bereits so weit sein. Vukovic selber will auf Anfrage der Rheinischen Post keine Auskunft darüber geben, woran es hakt. Er sagt lediglich, er sei noch am Betrieb interessiert. Ob der Eigentümer die 80 Plätze mittlerweile beantragt habe, wisse er nicht.

Auf Nachfrage beim Kreis ist zu erfahren, dass es im November zwar Kontakt mit dem Eigentümer gegeben habe, ein entsprechender Antrag aber bis heute nicht eingereicht sei. Es könnte also noch eine Weile dauern, bis im Mertenshof wieder ein Restaurant eröffnet.

Mehr von RP ONLINE