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Den DRK-Waldkindergarten in St. Tönis gibt es seit einem Jahr

DRK-Waldkindergarten in St. Tönis : Kita-Kinder bauen Kartoffeln selbst an

Seit rund einem Jahr gibt es den DRK-Waldkindergarten in St. Tönis. Franka Hoppe, pädagogische Leiterin der Einrichtung, freut sich über das große Interesse vieler Eltern. Gerade in der Pandemie sei das Angebot gefragt.

Seit knapp einem Jahr prägt der große grüne Bauwagen das Bild an der Corneliusstraße 25d in St. Tönis. Jeden Morgen starten von dort die Kinder vom DRK-Waldkindergarten Tönisvorst auf die Grünfläche und in das benachbarte Wäldchen. „Es hat sich genauso positiv entwickelt, wie wir es uns vorgestellt haben“, sagt Franka Hoppe, die die pädagogische Leitung innehat. Sie kann ein mehr als nur positives Resümee des ersten Jahres ziehen. Hoppe spricht von einem vollen Erfolg. „Es war genau das, was St. Tönis gebraucht hat“, sagt sie.

Am 24. September 2020 nahm der DRK-Waldkindergarten Tönisvorst seine Arbeit auf. Damals mit gerade einmal sechs Kindern, fünf Jungen und ein Mädchen. Schnell nahm die Einrichtung Fahrt auf, und die Zahl der Kinder verdoppelte sich. Der Tagesablauf hat eine feste Struktur, aber die Natur präsentiert sich jeden Tag anders und sorgt von sich aus für viel Abwechslung.

Nach einem Morgenkreis mit vielen Bewegungseinheiten folgt das gemeinsame Frühstück auf dem Außen-Essplatz. Dem schließt sich das Freispiel im Wald an. Ein Caterer liefert das Mittagessen, wobei hin und wieder selber im Dutchofen oder der offenen Feuerschale gekocht wird. Derzeit stehen die selbst angebauten Kartoffeln als in der Glut gegarte Folienkartoffeln mit auf dem Speiseplan. Der Nachmittag beinhaltet eine mehr oder weniger ausgeprägte Ruhephase, zu der unter anderem Vorlesen gehört, bevor um 14 Uhr die Tagesrückschau und das Abholen beginnen.

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„Das Angebot ist einfach super. Ich bin vom Konzept absolut überzeugt. Wir haben ein aktives Kind, das gerne in der Natur ist. Hier ist der perfekte Ort. Wir hatten das große Glück, einen Platz zu bekommen“, sagt Sonja Tuszkowski. Die Nachfrage ist groß, wie Hoppe bestätigen kann. Aufgenommen werden Kinder ab drei Jahren. Aktuell besuchen 17 Kinder, drei Mädels und 14 Jungs, die Waldkita. Bis Ende des Jahres steigt die Zahl auf 20, und damit ist das Limit erreicht. „Wir sind jetzt schon für 2022 ausgebucht. Anmeldungen für 2023 und 2024 liegen ebenfalls schon vor. Eltern kommen mit ihrem Baby im Tragetuch und melden bereits an“, freut sich Hoppe über die gute Nachfrage. Aufgenommen werden kann nur entsprechend der Kinder, die den Waldkindergarten verlassen.

Die Leiterin stellt fest, dass gerade in Zeiten einer Pandemie das Interesse an einer Waldkita groß ist. Hoppe, die auch die Waldkita in Brüggen leitet, bemerkt, dass die Kinder deutlich weniger krank sind. Weder in den drei Jahren in Brüggen noch im ersten Jahr in Tönisvorst gab es zum Beispiel einen Magen-Darm-Infekt, der die ganze Gruppe lahmgelegt hätte. Auch bei den Mitarbeitern spiegelt sich das Arbeiten an der frischen Luft positiv wider. Krankmeldungen hat es bislang in Tönisvorst noch nicht gegeben. „Der Wald tut uns allen gut“, sagt Hoppe. Sie spricht von einem Arbeiten mit vermindertem Stress.

Die Kinder passen sich dem Wald an. Die Lautstärke im Wald sei um ein Vielfaches geringer, und selbst beim Spiel in einer großen Gruppe komme es nicht zu Streit und Zank. Die Kinder seien im Rollenspiel, mitten in der Natur, tief verwurzelt, so die Fachfrau. Die gute motorische Entwicklung der Kinder fällt extrem auf. „Eine Waldkita braucht keinen Physiotherapeuten. Im Wald wird die gesamte Motorik bestens trainiert“, sagt Hoppe. Kinder, die am Anfang noch unsicher sind, wenn es über Stock und Stein geht, sind nach kürzester Zeit sicher. Wer am Anfang noch wackelig über die Slackline balanciert, hat nach einiger Zeit deutlich weniger Balanceprobleme.

Der Werkzeugführerschein für Hammer, Säge und Taschenmesser, den die Kinder Stück für Stück erwerben, kommt sehr gut an. Was Hoppe freut, ist auch die gute Akzeptanz der Umgebung. Der benachbarte Turnverein stellt sein Beachvolleyballfeld als Sandkasten zur Verfügung. Neben dem hauseigenen Matschberg kann auch mal im Sand gespielt werden. „Wir haben jede Menge Ideen, auch für Kooperationen mit den benachbarten Schulen. Aber bislang steht uns die Pandemie noch im Weg“, so Hoppe.

Was die praktischen Dinge betrifft, hat die Waldkita eine Benjeshecke rund um das Waldgebiet neben dem Bauwagen angelegt, um eine Trennung des Gebietes von der öffentlichen Fläche zu erhalten. Es kam nämlich zu Diebstählen des zu Sitzhockern gesägten Totholzes.