Das Unternehmen SL Naturenergie hatte zum Infotag ins Haus Vorst geladen

Tönisvorst : Unternehmen wirbt für Windenergie

Das Unternehmen SL Naturenergie, das an der Vorster Grenze zu Süchteln zwei Windräder errichten will, lud am Montag Interessierte zum Infotag Windenergie ins Haus Vorst. Mit Infotafeln wurden alle Probleme angesprochen.

Schon kurz vor der offiziellen Öffnungszeit kamen die ersten interessierten Bürger in den Saal von Haus Vorst. Das Unternehmen SL Windenergie, das in Vorst zwei Windenergieanlagen errichten möchte, hatte den Saal mit Infotafeln, Modellen und Videoleinwand in eine Infomesse verwandelt. Auch die aktuellste Entwicklung – der Horst eines Rotmilans ist entdeckt und bestätigt worden – wurde berücksichtigt. Der Horst des geschützten Greifvogels befindet sich in einem Abstand von rund 1000 Metern von den geplanten Windrädern. Noch steht die Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Viersen aus. Joachim Schulenburg von SL Windenergie sieht das eigentliche Futterrevier nicht in der Nähe der Windräder.

Was bisher in der Diskussion gar nicht zur Sprache kam, ist das Thema Geld. In der Ausstellung im Haus Vorst spielte es gleich doppelt eine Rolle. Das Unternehmen führt bei seinen Projekten 0,5 bis 1,5 Prozent der Ertragseinnahmen an die SL Naturenergie Stiftung ab. Für Tönisvorst wären das bei einem Prozent jährlich12.000 Euro, die an Vereine für soziale Zwecke ausgeschüttet werden sollen, und das für 20 Jahre garantiert. Außerdem legt das Unternehmen Wert auf regionale Wertschöpfung. Das heißt, Tönisvorster Bürger können sich an der Finanzierung der Windenergieanlagen beteiligen. Die Rendite der Investitionen wuchs nach Angaben des Unternehmens von 2015 bis jetzt von 3,5 auf sechs Prozent.

Für alle Problemfelder wurden umfangreiche Gutachten erstellt, die zum Teil nachlesbar sind, zumindest anschaulich zusammengefasst wurden. Zu lesen gab es beim Infotag jede Menge. Und Joachim Schulenburg und sein Team versuchten, vor Ort auf alle Fragen einzugehen. Die gesetzlichen Auflagen sind streng, was Schattenwurf und Schallschutz anbetrifft. Die sechs Häuser, die den Windrädern am nächsten kommen, seien mit 35 dBA betroffen, nachts würden die Anlagen auf 1000 kW reduziert. Und Infraschall, der auch in der Natur auftritt, sei bei Windrädern nach einem Abstand von 300 Metern nicht zusätzlich feststellbar.

Die heiße Diskussion um einen Wertverlust bei Immobilien in der Nähe von Windrädern wird ebenfalls thematisiert. Nach Angaben des Unternehmens ist aber ein direkter Einfluss von Windenergieanlagen nicht nachweisbar. Die Einspeisung der gewonnenen Energie erfolgt über Erdkabel, nicht über Strommasten.

Für den Bau kalkuliert das Unternehmen mit einer Dauer von 15 Wochen. Die Zuwegung für Kran und die schweren Lastwagen erfolgt von der Landstraße Süchtelner Straße aus. Es wird keine Zufahrten durch den Ort geben. Die temporären Wege zu den Standorten der Windräder werden auf vier Meter Breite ausgebaut und nach der Bauzeit wieder zurückgebaut. Für das Fundament und eine Arbeitsfläche zahlt das Unternehmen 115.000 Euro an die Untere Naturschutzbehörde, die damit die Optimierung von Ausgleichsflächen im Kreis Viersen finanziert.

Der Klimawandel, der gerade bei der Europawahl am Sonntag eine gewichtige Rolle spielte, wurde bei der Infoschau nicht thematisiert. In einer Mail an Tönisvorster Politiker hat Joachim Schulenburg sehr wohl Stellung dazu genommen. Er begrüßt es sehr, dass der Rat die Resolution zum Klimanotstand verabschiedet hat, findet es dann aber paradox, gegen Windenergieanlagen zu klagen. Gerade Windenergieanlagen seien durch deren Erzeugung von CO2-freiem Strom dazu prädestiniert, gegen den Klimawandel vorzugehen.

Mehr von RP ONLINE