Das neueste Buch von Sebastian Thiel aus Vorst heißt „Deutscher Frühling“

Vorst : Eine Stunde null gab es nicht wirklich

Das neueste Buch von Sebastian Thiel heißt „Deutscher Frühling“. Hintergrund für den spannenden Krimi sind die Vorbereitung für die Gründung der Bundesrepublik und die konträren politischen Ambitionen der Siegermächte.

Kater Shakespeare ergreift sofort die Flucht, als der Gast das Schreibbüro betritt. Der erfolgreiche Vorster Buchautor Sebastian Thiel hat sein Haustier nach seinem Lieblingsschriftsteller benannt. Doch in seinen Büchern geht es weder um Tiere, noch um Königshäuser. Seine Helden sind Menschen des Alltags. Im neuesten Buch „Deutscher Frühling“ sind es der ehemalige Wachtmeister Hardy Schmittgen und die junge Schmugglerin Luisa Porovnik, die in den Wirren der letzten Kriegstage im März 1945 in Köln aufeinandertreffen. Das ungleiche Duo rettet einen betrunkenen Soldaten, Verbindungsoffizier des britischen Militärgouverneurs, und wird von ihm in seine Dienste genommen. Die Aufträge wachsen sich in gefährliche Aktionen aus – Leser der Thiel-Thriller kennen die Spirale, mit der Menschen wie du und ich in große Sachen verwickelt werden.

Sebastian Thiel ist ein Meister darin, Fakten und Fiktion zu verbinden. Natürlich hat es keinen Anschlagsversuch auf die Gründungsversammlung der Bundesrepublik gegeben, und unter dem Versammlungsort gibt es auch keine Katakomben – aber vorstellbar ist das alles. Der 36-jährige Vorster ist besonders stolz darauf, das sogenannte Kölner Panzer-Duell mit in seine Krimihandlung eingebracht zu haben. Am 6. März 1945 hat der letzte deutsche Panzer auf der linksrheinischen Seite, ein Panther der Wehrmacht, einen vorrückenden Sherman-Tank der Amerikaner beschossen. Zum Schluss wurde auch der Panther getroffen und ausgeschaltet. In diesen März-Tagen soll auch Hardy Schmittgen das Deutsche Reich verteidigen. Die letzten Kämpfer geben schnell auf, schmeißen ihre Waffe und Uniformen weg. Der Krieg ist für sie zu Ende.

Das Buch hat zwar den Titel „Deutscher Frühling“, aber für die Protagonisten ist innerlich tiefster Winter. Schmittgen, der Frau und Tochter im Krieg verloren hat, will seinem Leben ein Ende machen, doch dann spült das Leben ein Mädchen an seine Seite, etwa so alt, wie seine Tochter jetzt wäre. Und gemeinsam bestehen sie jede Menge Abenteuer.

An manchen Stellen denkt man unwillkürlich, da hat der Autor aber dick aufgetragen. Etwa wie eine italienische Gräfin auf Schloss Weißenstein alles versucht, die Gäste von ihrer Suche nach dem Dreikönigenschrein abzulenken. Darauf angesprochen, sagt Thiel, manchmal schreibe die Realität die größten Geschichten. In der Tat wurde der wertvolle Schrein aus dem Kölner Dom auf Schloss Weißenstein bei Bamberg versteckt. Wie die Gräfin alle Gäste, die danach fragten, in die Irre leitete, ist natürlich reine Phantasie.

 Bei den Recherchen zu seinem vorherigen Buch „Das Adenauer-Komplott“ hat ihn das Thema Staatsgründung so gepackt, dass er aus der Thematik ein weiteres Buch entwickelte. Doch wie es jetzt weitergeht, weiß Thiel noch nicht. Sein nächstes Buch handelt von Friedrich Engels, der 1820 geboren wurde. Gerade arbeitet er an einem Thriller aus dem Rocker-Milieu. Thiel ist in der Gegenwart angekommen. Über sebastian­thiel.net, seine Homepage, kann man leicht mit dem Autor in Kontakt treten. Doch Lesungen wird es keine geben: „Das ist nicht mein Ding.“

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