Das Medikamentenhilfswerk Action Medeor in Tönisvorst hat seit 2017 Medikamente im Wert von 1,7 Millionen Euro in den Jemen geschickt.

Action Medeor : Kampf gegen größte Cholera-Epidemie

Das Medikamentenhilfswerk Action Medeor in Tönisvorst hat seit 2017 Medikamente im Wert von 1,7 Millionen Euro in den Jemen geschickt. Jedes Paket enthält ein Basisprogramm für den Kampf gegen schwere Epidemien.

Die Vereinten Nationen sprechen von der schlimmsten humanitären Katastrophe unserer Zeit, doch meist spielt sich das Leid der Menschen abseits der Aufmerksamkeit der westlichen Öffentlichkeit ab. Mitarbeiter von Action Medeor, dem Medikamentenhilfswerk in Tönisvorst, stehen permanent mit lokalen Partnern im Kontakt, um sich zur aktuellen Situation im Land auszutauschen und weitere Hilfe zu koordinieren. Don Magbanua, Programkoordinator der lokalen Partnerorganisation ADRA Yemen, berichtete Mitte Dezember von der Situation vor Ort. „Im Jemen herrscht eine große Cholera-Epidemie, die immer noch nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Mehr als 1,2 Millionen Menschen haben sich bisher infiziert. Und das ist nur eine von vielen Krankheiten, unter denen die Menschen im Jemen aktuell leiden und auch sterben.“

Seit 2017 hat Action Medeor Medikamente im Wert von 1,7 Millionen Euro in den Jemen geschickt, den größten Teil durch Spendengelder finanziert, berichtet Dirk Angemeer, Bereichsleiter Medikamentenhilfe. Kurz vor Weihnachten ging die letzte Lieferung raus, aktuell läuft die nächste Bedarfsanfrage. Pressereferentin Ulrike Schwan ergänzt, dass im Jemen das gesamte Gesundheitssystem zusammengebrochen ist. Sie besuchte zusammen mit Dirk Angemeer im November das deutsche Büro von ADRA Yemen, eine der großen NGOs im Lande. Dort kann man erfahren, dass Supermärkte voll sind, aber die Menschen kein Geld hätten, dort einzukaufen. Auch viele Ärzte erhielten keine Gehälter mehr vom Staat. Es kämen auch viele Medikamente ins Land, bei denen aber nicht klar sei, welchen internationalen Standards sie gerecht werden. Daher sei die Zusammenarbeit mit Action Medeor hochwillkommen. Dort wird nach internationalen Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gearbeitet.

Was aber wird in einem solchen Paket als Hilfssendung in den Jemen geschickt? Welche Inhalte hat es? Die erste Packung ist leicht. Sie enthält Einmalhandschuhe für das medizinische Personal. Das brauche man quasi immer. Nach WHO-Standard müssen die Handschuhe „powderfree“, also ungepudert sein, weil viele Allergiker das nicht vertrügen. Im nächsten Paket sind 100 Stück Einmal-Mundschutz aus Papier mit Plastikbändern. Die erste runde Dose enthält 1000 lösliche Zinksulfat-Tabletten, in Belgien hergestellt. Sie werden gegen Dehydrierung in der Therapie gegen Cholera eingesetzt. Zum Verdünnen wird eine Natriumchloridlösung gebraucht. Ein Paket mit zehn 500 ml-Flaschen hat ein entsprechendes Gewicht. Wenn bei einer Epidemie mal so eben 30.000 Flaschen gebraucht werden, ist bei Luftfrachtkosten von drei bis vier Euro je Kilo der Transport wesentlich teurer als der Warenwert. Ein großer Infusionshersteller ist Braun in Meisungen.

Als Nächstes ist eine Packung mit 100 Tüten mit Oral Rehydration Salts an der Reihe, die in Wasser aufgelöst ebenfalls in der Cholera-Behandlung eingesetzt werden. Dabei ist auch eine Dose mit Quinine Sulphate mit 1000 Tabletten für die Anti-Malaria-Therapie. Dieses niederländische Chinin-Medikament ist in Afrika nicht mehr wirksam, weil die Mücken dagegen resistent geworden sind, auf der arabischen Halbinsel ist es aber sehr wirkungsvoll. Überraschung: Die nächste Dose enthält etwas ganz Unspektakuläres: Multivitamin-Tabletten zur Nahrungsergänzung. Und auch Ibuprofen, 1000 Tabletten, ist ein bekanntes Schmerz- und Fieber senkendes Mittel. Als Nächstes wird Doxycycline Hyclate, 1000 Tabletten eines Antibiotikums, ausgepackt. Hergestellt wurde es in Indien. Durch die rote Verpackung fällt Paidofebril, eine Ibuprofen-Lösung für Kinder, besonders auf.

Action Medeor hat übrigens viele Krefelder Bezüge. Darauf weist Bernd Pastors, Sprecher des Vorstandes von Action Medeor, hin. Präsident ist der gebürtige Krefelder Siegfried Thomaßen, der zwar in Vorst wohnt, aber in Krefeld im Vorstand der Sparkasse Krefeld arbeitet. Oder der Pensionär Thomas Menn, der heute das Berliner Büro leitet, hat lange in Krefeld gearbeitet. Der Krefelder Josef Stangenberg war bei Action Medeor viele Jahre Schatzmeister. Er war bei der Verseidag tätig und wurde Geschäftsführer der Deutschen Wellwood. Später gehörte er dem Krefelder Rat an. Der ehemalige Oberstadtdirektor Heinz-Josef Vogt war viele Jahre Vorstandsvorsitzender von Action Medeor. Präsident war auch Hans Gommanns, ein Krefelder Banker.

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