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Das Mandolinenorchester St. Tönis feiert 100-jähriges Bestehen

Mandolinenorchester St. Tönis : Als Wanderverein gegründet

Das Mandolinenorchester St. Tönis feiert sein 100-Jähriges. Zum Jubiläum gibt’s „Japanische Impressionen".

Anfangs waren es nur junge Männer, sie sind gewandert und haben gesungen. Mit dabei hatten sie Mandolinen, Gitarren und Tamburine – Instrumente, die sie gut tragen und gleichzeitig spielen konnten. „Club Gut Freund“ nannten sich die 15 Jugendlichen damals und legten mit ihrem Wanderverein den Grundstein für die Gruppe, die inzwischen – 100 Jahre später – als Mandolinenorchester St. Tönis bekannt ist.

Rüdiger Sorgalla und Hanni Röttsches sitzen bei Andrea Soumagne auf der Wohnzimmercouch und versuchen zu erklären, was das heutige Zupforchester für sie so besonders macht. „Alleine spielen macht gar nicht so viel Spaß“, sagt etwa Sorgalla. „Der Klang des Orchesters ist der Reiz an dem Ganzen.“ Der heute 72-Jährige trat mit acht Jahren in den Musikverein ein und spielt seitdem die Mandoline. Zuletzt war er 25 Jahre lang Vorsitzender, bevor er seinen Posten vor rund einem Jahr an Soumagne abgab. Die Gitarrenspielerin (56) sagt: „Für mich ist das Entspannung, das gemeinsame Spielen macht mich froh.“ Röttsches wurde 1963 Mitglied, hörte für die Kinder später wieder auf, aber als sie das Orchester dann auf einer Hochzeit spielen hörte, griff sie erneut zur Gitarre. „Du kommst zur Probe, und da ist nichts anderes als die Musik“, schwärmt die 75-jährige Beisitzerin, die 30 Jahre lang Kassiererin war. „Man schaltet einfach ab.“ Dann werfen die drei Hobbymusiker einen Blick zurück.

 Die Gründer des einstigen Wandervereins „Club Gut Freund“.
Die Gründer des einstigen Wandervereins „Club Gut Freund“. Foto: Mandolinenorchester St. Tönis
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Für die Mitglieder des damaligen Wanderclubs sei schnell klar gewesen, dass der Fokus ihrer Treffen nicht mehr auf der Bewegung in der Natur mit Gesang, sondern der Musik liegen soll, berichtet Sorgalla. Für die Mandoline hatten sie sich entschieden, weil sie „leicht zu erlernen und leicht zu tragen ist“. Zudem sei das ursprünglich aus Italien stammende Instrument günstiger als beispielsweise eine Geige. Die Mandoline ist doppelseitig bespannt und wird mit einem Plektrum gespielt.

Anfangs spielten die jungen Männer einfach nach Gehör, dann aber lernten sie die Noten, die Erfolge beim Üben wurden größer, und sie wollten mehr. Ab 1922 hatten sie einen Dirigenten und gewannen 1927 das erste Wertungsspiel. Während die Männer musizierten, trafen sich ihre Frauen zum Beisammensein. Seine Hoch-Zeit habe der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg gehabt. Im damaligen St. Töniser Saal Wirichs spielten die Orchestermitglieder vor gut 600 Besuchern. „Davon träumen wir heute“, sagt Röttsches, die selbst mit 13 Jahren an ihrem ersten Konzert teilgenommen hat. Soumagne machte bei der Feier zum 90-jährigen Bestehen des Orchesters an einer der öffentlichen Proben mit – und blieb hängen.

 Hanni Röttsches, Rüdiger Sorgalla und Andrea Soumagne (von links) gefällt die Gemeinschaft. Das heutige Orchester besteht aus Männern und Frauen, bei der Gründung als Wanderclub war es eine Männertruppe.
Hanni Röttsches, Rüdiger Sorgalla und Andrea Soumagne (von links) gefällt die Gemeinschaft. Das heutige Orchester besteht aus Männern und Frauen, bei der Gründung als Wanderclub war es eine Männertruppe. Foto: Emily Senf

Heute besteht das Orchester ebenfalls wieder aus 15 Mitgliedern. Allerdings ist der Anteil der Frauen deutlich höher als einst: Drei der Mitglieder sind männlich. Den heutigen Namen gab sich der Verein 1980. Neben den Mandolinen kommen auch Gitarren und Mandolas zum Einsatz. Die etwas größere, seit dem 18. Jahrhundert gebaute Mandola hat einen etwas tieferen Klang. „Die Gitarre bereitet den Klangboden für die Mandolinen“, sagt Soumagne. Weil die Holzinstrumente temperaturanfällig sind, spielt das Orchester nicht mehr draußen, berichtet Soumagne. Die Mitglieder sind zwischen 17 und über 80 Jahre alt. Gespielt wird „alles, was Spaß macht“, sagt die neue Vorsitzende. Klassische und moderne Stücke werden gerne gemischt.

Zwei Konzerte stehen jährlich auf dem Plan: im Frühjahr in der evangelischen Kirche in Vorst, im Herbst in der evangelischen Kirche in St. Tönis. Zuletzt hatten sie immer ein Motto, im Herbst beispielsweise warfen die Musiker einen Blick auf die uralte musikalische Verbundenheit der europäischen Länder. Röttsches spielt gerne auch mal etwas Bekanntes wie das italienische Lied „O sole mio“, bei dem wohl kaum ein Hörer nicht direkt an den Klang einer Mandoline denkt. Soumagne dagegen findet Stücke spannend, die neu und überraschend sind. Wichtig sei aber vor allem: „Wie man es spielt, so klingt es auch“, sagt die 56-Jährige und erläutert: „Wir versuchen, beim Spiel unsere Freude und Leidenschaft zu zeigen und die Interpretation unserer Dirigentin umzusetzen.“ Für das Jubiläumskonzert (siehe Info-Kasten) hat die musikalische Leiterin Andrea Jentges das Thema „Japanische Impressionen“ gewählt.

Damit das Mandolinenorchester gar nicht erst Gefahr läuft, dass die Mitgliederzahl irgendwann bedrohlich sinken könnte, gibt es ein Jugendorchester. Die derzeitigen Mitglieder sind zwischen zehn und 15 Jahre alt. Neben der Ausbildung hilft das Orchester Älteren beim Wiedereinstieg. Probe ist mittwochs ab 19 Uhr in der Rosentalhalle an der Gelderner Straße 69 in St. Tönis.