Das Brutfloß am Baggersee Graverdyk in Tönisvorst wird gut angenommen.

Serie „Lieblingsorte“ : Die schwimmende Insel kommt an

Das Brutfloß am Baggersee Graverdyk wird gut angenommen. Die NABU-Ortsgruppe Tönisvorst setzte das Projekt gemeinsam mit der Holcim Kies und Splitt GmbH um.

Wer die Aussichtsplattform mit ihren Himmelsbänken am Baggersee Graverdyk aufsucht, der hat es genau im Blick. Die Rede ist vom Brutfloß, das seit Juni auf dem rund 18 Hektar großen See schwimmt. In rund 150 Meter Entfernung vom Ufer liegt es nahezu mittig auf dem See. Wobei das Gewässer an dieser Stelle gut 18 Meter tief ist. Ein solches Floß war schon immer der Wunsch der NABU-Ortsgruppe Tönisvorst, aber auch der Holcim Kies und Splitt GmbH. Das Unternehmen, dem das Gelände gehört und das dort auskiest, liegen Natur- und Artenschutz sowie Rekultivierung sehr am Herzen.

Der Seefläche ist so nicht anzusehen, dass sie keinen natürlichen Ursprung hat, sondern dass es sich um eine Auskiesungsfläche handelt. Naturschutzmaßnahmen sind dem Unternehmen wichtig. Dazu gehören unter anderem Steilwände am Ufer für Schwalben, Flachwasserzonen für Amphibien und nun auch ein Floß. Dies ermöglicht Wasservögeln zu brüten, ohne dass Fressfeinde wie Füchse oder Marder das Gelege eliminieren können.

Das Brutfloß am Baggersee Graverdyk wird gut angenommen. Foto: Wolfgang Kaiser (woka)

Gebaut wurde das Brutfloß von der Holcim Kies und Splitt GmbH, genauer gesagt vom Auszubildenden Johny Jahns. Der angehende Aufbereitungsmechaniker, der sich inzwischen im dritten Lehrjahr befindet, ging mit Unterstützung einiger Kollegen im April ans Werk. „Im Prinzip sind es lauter Materialien, die bei uns für die Entsorgung vorgesehen gewesen wären“, sagt Andreas Richter, Projektleiter bei Holcim und unter anderem für den Umweltschutz Region West beim Unternehmen tätig. Der Schwimmkörper besteht aus metallischen Hohlkörpern, die zusammengeschweißt wurden. Auf diesen zwei Schwimmkörpern installierte man die Floßfläche, bei der es sich um eine Holzkonstruktion aus Paletten mit einer Metallverstärkung handelt. In diesem Rahmen wurde eine feine Kiesschicht ausgebracht. „Zudem baute Johny eine Leiter, um Wasservögeln den Einstieg zu erleichtern“, berichtet Markus Botschen, Werksleiter des Kieswerks Tönisvorst. Nicht zu vergessen ist der ebenfalls selbstgebaute Anker, die die gesamt Konstruktion an Ort und Stelle hält.

Mit dem Arbeitskran des Unternehmens wurde das Floß ins Wasser gesetzt. Dann ging der Löschzug Neersen der Freiwilligen Feuerwehr Willich an die Arbeit. Sie brachten das Brutfloß mit ihrem Schlauchboot, das für die Wasserrettung vorgesehen ist, im Juni an den geplanten Ort im See.

Die NABU-Ortsgruppe Tönisvorst setzte das Projekt gemeinsam mit der Holcim Kies und Splitt GmbH um. Foto: Nabu

„Wir haben auf dem Floß bereits die verschiedenen Wasservögel beobachten können. Wir unterstützen damit die Artenvielfalt am See“, freut sich Reimer Martens, Leiter der Ortsgruppe Tönisvorst vom NABU, über die gute Annahme der schwimmenden Insel. Sie ist nicht nur Brutraum, sondern auch Rastplatz. Kormorane machen hier Halt, Enten- und andere Wasservögel nutzen sie für die Eiablage. „Im Werk brüten generell verschiedene Schwalben, der Austernfischer, der Flussregenpfeifer und Kiebitze. Wir hoffen auch den Eisvogel mit unseren Höhlen in den Steilwänden anziehen zu können“, sagt Richter. Er begrüßt die enge Zusammenarbeit mit dem NABU Tönisvorst. Man hole sich Ratschläge und gehe gemeinsam immer wieder neue Projekte für den Naturschutz an.

In Sachen geplantes Infozentrum an der Aussichtsplattform macht die Holcim GmbH auch einen ersten Schritt. Das Unternehmen hat ein Plakat entwickelt, das über die Entstehung des Sees und seine Tierwelt informiert. Zwei Plakate, entsprechend eingerahmt, werden in Kürze an der Aussichtsplattform aufgestellt. „Wir planen des Weiteren an der Aussichtsplattform ein kleines Holzhaus zu errichten, das als Informationstreffpunkt dienen soll“, sagt Reimer. Zudem möchte der NABU auf dem Gelände des Baggerlochs Nistkästen aufhängen. Der Bereich sei ein hochwertiges Habitat für Wasser- und Singvögel, den es zu schützen gelte. Das möchte der NABU verdeutlichen, fügt Martens an.