1. NRW
  2. Städte
  3. Tönisvorst

Claudia Kothen sucht Nachfolger für Reformhaus Ferlings in St. Tönis

Inhaberin verabschiedet sich in den Ruhestand : Reformhaus Ferlings in St. Tönis schließt nach 101 Jahren

Das Reformhaus Ferlings an der Gelderner Straße 3 schließt zum 27. Februar seine Türen. Inhaberin Claudia Kothen hat bis jetzt noch keinen Nachfolger gefunden. Der Abverkauf ist gestartet.

In den Schaufenstern des Reformhauses Ferlings an der Gelderner Straße 3 in St. Tönis sind die Schilder mit dem Wort „Räumungsverkauf“ nicht zu übersehen. Nach 101 Jahren geht dort eine Ära zu Ende. Claudia Kothen schließt das Unternehmen, das Reformhaus, Drogerie und Kosmetikstudio unter seinem Dach beherbergt.

„Es fällt mir nicht leicht. Aber ich bin 67 Jahre alt und würde jetzt gerne in Rente gehen“, sagt Kothen. Am liebsten würde sie das Unternehmen in die Hände eines Nachfolgers geben, aber bislang ist es noch zu keinem Folgevertrag gekommen.

Am 23. Mai 1920 gründete ihr Großvater Carl Ferlings das Unternehmen als reine Drogerie. Farben, Lacke, Tapeten, das Schneiden von Glas – Produktpalette und Angebote entsprachen dem damaligen Drogeriesektor. „Mein Großvater hat noch die Leinölfarben selber angerührt. Ich weiß nicht, wie viele Bauernhoftüren damals in dem sogenannten Ferlings-Grün gestrichen worden sind“, erzählt Kothen.

Ihr Vater Karl Ferlings und ihre Tante Ine Ferlings übernahmen das Geschäft 1952. Neun Jahre später erfolgte ein großer Umbau. Als Vater und Tante am 15. August 1961 wieder starteten, geschah dies mit der Wiedereröffnung des Drogeriebereiches und der Neueröffnung eines Reformhauses.

Kothen und ihre beiden Schwestern wuchsen mit dem Unternehmen auf. Während ihre ältere Schwester Lehrerin und die jüngere Diplom-Pädagogin wurde, war für die mittlere Tochter von Anfang an klar, dass sie in das Familienunternehmen einsteigen wollte. Nach einer Drogistenlehre in Krefeld ging es 1972 in St. Tönis los.

Schon zwei Jahre später musste Kothen das Unternehmen nach dem Tod ihrer Tante übernehmen. Ihr Vater war schon früher gestorben. „Als 20-Jährige die Geschäftsleitung innezuhaben, war nicht einfach. Die Mitarbeiter waren alle älter, und es kam nicht nur einmal vor, dass ich für das Lehrmädchen gehalten wurde“, erinnert sich Kothen mit einem Lächeln. Das Tragen dieser Verantwortung prägte sie.

Ihren Traum, als Kosmetikerin die Welt kennenzulernen – sie hatte 1973 zusätzlich diese Prüfung abgelegt –, begrub sie. Kothen kümmerte sich ganz um das heimische Unternehmen, dem sie 1978 ein Kosmetikstudio anschloss, um wenigstens im heimischen St. Tönis auch in diesem Bereich arbeiten zu können. Nach dem Umbau 1987 lag der Schwerpunkt auf dem Reformhaus. Fortbildungen an der Reformhausfachakademie machten sie zur Fachfrau für Ernährungs- und Gesundheitsberatung.

Das schönste Geschenk zum 101-jährigen Bestehen wäre für sie nun ein Nachfolger für das gut 100 Quadratmeter große Ladenlokal mit viel Stammkundschaft. Am 27. Februar will sie die Türen zum letzten Mal öffnen.

Kontakt Telefon 02151 790283

(tre)