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Flüchtlinge vor Stacheldraht: CDU Tönisvorst irritiert mit Weihnachtskarte

Flüchtlinge vor Stacheldraht : CDU Tönisvorst irritiert mit Weihnachtskarte

Die Tönisvorster CDU hat eine Weihnachtskarte an ihre Mitglieder verschickt, deren Motiv für Empörung sorgt: Zu sehen sind Flüchtlinge, die mit Stacheldraht von einer Krippe ferngehalten werden. Der Parteivorstand ist bei der Bildauswahl auf eine Fälschung hereingefallen.

Am Freitag herrschte Katerstimmung bei der Tönisvorster CDU. Vorsitzender Günter Körschgen musste eingestehen, dass der Vorstand einem "Fake", einer Imitation auf den Leim gegangen ist und eine Weihnachtskarte mit CDU-Logo drucken und an die Mitglieder verschicken ließ, die nicht aus dem Adenauer-Haus stammt, sondern eine Erfindung des Berliner Protest-Kollektivs Peng! ist.

Die konventionelle Darstellung der Krippe im Stall von Bethlehem wird umrahmt von Stacheldraht, der Flüchtlinge von der Weihnachtsszene fernhält. Die anbetenden Hirten haben gleichzeitig mit Forke und Sense Flüchtlinge verletzt.

Mitglieder sind empört

Nachdem die Weihnachtspost mit diesem explosiven Motiv über die Geschäftsstelle der Kreis-CDU in Viersen an alle Tönisvorster CDU-Mitglieder verschickt worden war, meldeten sich am Donnerstagabend erste empörte oder verstörte Mitglieder beim Parteivorstand und fragten, was das denn zu bedeuten habe.

Vorsitzender Körschgen konnte nur ehrlich beichten, dass der Geschäftsführer des Parteivorstandes bei der Suche nach einer Abbildung im Internet auf dieses Motiv gestoßen sei. Neben der Karte wird noch ein angeblicher Text der Bundeskanzlerin abgedruckt, mit Foto und Unterschrift von Angela Merkel. Mit einem flüchtigen Blick bemerkt man nicht unbedingt, dass es sich nicht um eine echte CDU-Botschaft handelt, sondern um das Gegenteil: um Agitation gegen Merkels Flüchtlingspolitik.

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Internetseite hätte stutzig machen müssen

Die Internetseite, auf der man dieses Motiv als pdf-Datei herunterladen kann, heißt "noxmasformerkel. de" und hätte allerdings stutzig machen müssen. Hinter dem untergeschobenen christdemokratischen Weihnachtsgruß steckt das Berliner Kollektiv "Peng!". Die Aktivisten stießen sich besonders an einem Satz, den die Bundeskanzlerin am Reformationstag bei einem Besuch der Maria-Magdalenen-Kirche in Templin gesagt haben soll.

Die Welt zitiert Merkel am 1. November 2014 so: "Es ist vielleicht noch weniger christlich, wenn wir zu viele aufnehmen und dann keinen Platz mehr finden für die, die wirklich verfolgt sind". Das Peng-Kollektiv nahm diesen Gedanken auf und schrieb am 14. Dezember 2014 einen Brief, in dem sie an die lieben Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die liebe christliche Gemeinschaft appellierte, zu Weihnachten ihre Pforten für Mitglieder "der sogenannten Christlich Demokratischen Union" zu verschließen.

Wenn die CDU im Namen des Christentums ins Elend abschieben lasse, müsse die Kirche deutlich und mutig Position beziehen, um ihre eigene Glaubwürdigkeit zu bewahren. Mit ihren Äußerungen in Templin - in der Kirche, in der sie 1970 konformiert wurde und ihr Vater als Pastor wirkte - zeige die CDU-Vorsitzende, "dass sie Nachhilfe in praktischem Verständnis christlicher Theologie benötigt."

Dadurch sind die Peng-Aktivisten bekannt

2014 ging es besonders um Geflüchtete und Angehörige der Roma aus den Balkanstaaten. Die Berliner halten Merkel den Bibelvers Matthäus 25,43 vom Weltengericht vor: "Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt." Und fordern: "Tore zu für die CDU".

Das Peng-Kollektiv entwickelt seine subversive Aktionskunst nicht nur gegen die CDU. Auch die SPD bekam ihr Fett weg. So veröffentlichten sie auf ihre Homepage im April 2016 ein Video, in dem ein angeblicher Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, das von Andrea Nahles (SPD) geleitet wird.

Bei der Kampagne "Deutschland sagt sorry" will Peng an die Leidtragenden der Agenda 2010 erinnern. Sie versprechen Betroffenen eine handsignierte Entschuldigung vom Bundespräsidenten.

Bundesweit bekannt wurde auch der "Tortale Krieg". Ein Peng-Aktivist bewarf die AfD-Politikerin Beatrix von Storch mit einer Sahnetorte. Damit protestierte "Peng!" gegen die AfD-Politikerin, die sich für den Gebrauch von Schusswaffen an den EU-Außengrenzen ausgesprochen haben soll. Die Aktivisten legten sich aber auch Konzernen wie Google und Shell an oder verulkten den Sender Astro-TV.

(RP)