CDU Tönisvorst besuchte die Baustelle der Zeelink-Gaspipeline

Zeelink : Abendspaziergang entlang der Pipeline

Einen Ausflug zur zukünftigen Zeelink-Gaspipeline unternahm der CDU-Stadtverband Tönisvorst.

Die ersten Rohre für die neue Gaspipeline sind seit einer Woche unter der Tönisvorster Erde, etliche weitere liegen noch entlang der Trasse, die quer durch das Stadtgebiet verläuft. Die Pipeline kommt aus dem belgischen Zeebrügge und führt ins norddeutsche Legden. 216 Kilometer ist die Trasse lang, die Zeelink, ein Zusammenschluss von Open Grind Europe und Thyssengas, baut. Nun unternahmen 20 Mitglieder des CDU-Stadtverbands unter Leitung des Vorsitzenden Dirk Louy mit den verantwortlichen Mitarbeitern von Zeelink einen Ausflug zu verschiedenen Abschnitten der Trasse.

Gesamtprojektleiter Franz-Josef Kissing erklärt den Hintergrund des Mamutprojekts: „Hinter der neuen Gaspipeline steckt die notwendige Umstellung von L- auf H-Gas.“ Bisher seien die deutschen Gaskunden mit L-Gas versorgt worden, das aus Deutschland und den Niederlanden komme. Die Vorräte seien aber bald erschöpft, weshalb eine Umstellung auf H-Gas notwendig sei. Die bisherigen Leitungen können dafür nicht verwendet werden. Sechs Millionen Endgeräte in Haushalten, bei Gewerbe- und Industriekunden müssten deshalb bis 2030 umgestellt werden.

Das H-Gas komme aus dem LNG-Terminal in Zeebrügge. „LNG ist Erdgas, das durch Herunterkühlen von einem gasförmigen in einen flüssigen Aggregatzustand übergeht“, erklärt Kissing. So könne das Erdgas mit Tankschiffen aus Nord- und Westafrika, dem Nahen Osten und Nordamerika nach Europa transportiert werden. In Zeebrügge werde das Gas wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht und in die Pipelinenetze eingespeist. Gebaut werde die Pipeline von Nord nach Süd. Insgesamt sei eine Bauzeit von knapp zwei Jahren vorgesehen. Die Inbetriebnahme erfolge voraussichtlich im März 2021.

Im Baulos 3, der Abschnitt, der auch Tönisvorst betrifft, lägen bislang acht Kilometer der neuen Pipeline in der Erde, 23 Kilometer Rohre seien verschweißt. Im Monat arbeiten sich die Bagger sieben Kilometer vor. „Im September werden wir im Tönisvorster Stadtgebiet vermutlich durch sein“, sagt Oberbauleiter Lothar Strümpel. Spannend dürfte es am Montag werden, dann wird der Bohrkopf sich unter dem Kreisverkehr Biwak/Düsseldorfer Straße durcharbeiten.

Drei arbeitsreiche Monate liegen bereits hinter der Projektgruppe Baulos 3. Im April starteten die Arbeiten mit dem Abtragen des Mutterbodens – der mit einer Wildblumensaat bepflanzt wurde und etliche Insekten anlockt – und der Errichtung der Rohrlagerplätze. Nachdem der Kampfmittelräumdienst und die Archäologen das Gebiet der Trasse untersucht hatten, ging es damit weiter, die Rohre zu biegen und zu verschweißen. Wenn die 16,8 Millimeter hochfester Stahl dann in dem 2,20 Meter tiefen Graben liegen, wird das Gelände entlang der Trasse wiederhergestellt.

Landwirte, deren Felder betroffen sind, bekommen eine Entschädigung für den Ernteausfall. „Bis zu drei Jahre können Landwirte den Bereich der Trasse auf ihrem Gebiet ruhen lassen und werden entschädigt“, sagt Kissing. Ob der Acker danach so sei wie vor dem Eingriff, bezweifeln Betroffene. Baumanager Andreas Kniep, der bereits in ganz Deutschland Pipelines verlegt hat, sagt hingegen, manchmal komme es durch die Auflockerung auch zu einer Verbesserung des Bodens. Fest steht aber wohl, dass die Wasserversorgung im Bereich der Rohre dauerhaft beeinträchtigt ist.

„Wir achten sehr darauf, die Erdschichten nach Abschluss der Arbeiten in der richtigen Reihenfolge in den Boden zu bringen“, betont Kniep. Auch auf den Einsatz von Planierraupen werde soweit wie möglich verzichtet, um die Erde nicht unnötig zu verdichten. Anders als Stromleitungen gäben die Erdgasleitungen aber keine Wärme ab, die den Boden austrockne. Allergrößten Wert legt Zeelink auf die Sicherheit. Erdbeben, Absenkungen, Erschütterungen unter Eisenbahnlinien, Korrosionsschutz der Rohre und ähnliches müsse berücksichtigt werden. „Jede Schweißnaht wird mehrfach geprüft“, sagt Kniep. Vor Inbetriebnahme werde die Pipeline außerdem mit Wasser befüllt, um den Innendruck zu prüfen.

Insgesamt aber halten sich die Herausforderungen auf Tönisvorster Gebiet in Grenzen. In Steinkoh­leregionen oder da, wo große Flüsse wie der Rhein untergraben werden müssen, warten ganz andere Probleme auf die Projektleiter.

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