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Bernd Pastors von Action Medeor geht in den Ruhestand

Vorstandssprecher bei Action Medeor : „Ich würde mich hier wieder bewerben“

Bernd Pastors verabschiedet sich nach 34 Jahren beim Vorster Hilfswerk Action Medeor in den Ruhestand.

Wenn er wollte, könnte Bernd Pastors die Füße hochlegen und sich entspannt zurücklehnen. Seine Projekte hat er abgeschlossen, und der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern. Nichtstun liegt dem 63-Jährigen allerdings überhaupt nicht. Also nimmt er bis zu seinem Ausscheiden Ende März weiterhin an Führungsrunden teil, kümmert sich unter anderem darum, den neuen Vorstandssprecher bei Action Medeor ordentlich einzuarbeiten, und wird noch das Ende der Digitalumstellung begleiten. „Aber die 60-Stunden-Woche, die zeitweise die Regel war, die ist vorbei“, sagt Pastors. Entspannt lächelnd blickt er in Richtung Ruhestand.

Als der gebürtige Viersener 1985 seine Stelle als Öffentlichkeits- und Pressereferent antrat, war Action Medeor noch völlig anders aufgestellt. Zu 90 Prozent war es ein gemeinnütziger Großhandel, nur zu zehn Prozent ein Hilfswerk. Von seiner Arbeit bei der evangelischen Stiftung Hephata wusste der junge Mann allerdings, wie wichtig Fund­raising ist. Er hatte beispielsweise den Hephata-Lauf kreiert, bei dem die Teilnehmer innerhalb einer Woche rund 1000 Kilometer quer durch Nordrhein-Westfalen liefen und dabei Spenden sammelten. Bei Action Medeor baute er diesen Bereich schrittweise aus. „Die anderen Firmen waren nicht begeistert, dass wir nun zu einem Mitbewerber auf dem Spendenmarkt wurden und nicht mehr nur der kostengünstige Pillenlieferant waren“, erinnert sich Pastors. 500.000 Mark an Spenden verzeichnete Action Medeor 1985, heute sind es rund acht Millionen Euro pro Jahr.

Ernst Boekels legte 1974 den Grundstein für das Medikamentenlager. Foto: Action Medeor

Pastors hatte sich eigentlich ein Limit gesetzt. Drei Jahre wollte er in Vorst bleiben, Erfahrungen sammeln und dann weiterziehen. Er ist geblieben. Wäre er noch mal jung, „würde ich mich wieder bewerben“, sagt er. „Ich hatte eine erfüllte und spannende Zeit.“ Währenddessen entwickelte sich Action Medeor, das damals noch Deutsches Medikamentenhilfswerk hieß, weiter; von 32 auf fast 80 Mitarbeiter, von 2000 auf 4000 Quadratmeter Lagerfläche. 1985 lagen die verkauften Medikamente bei sieben Millionen Euro und die verspendeten bei 700.000 Euro. 2019 verzeichnete Action Medeor beim Verkauf 4,4 Millionen Euro, bei der Verspendung drei Millionen Euro. Dazu kommen Projekte im Wert von etwa fünf Millionen Euro. „Wir sind vom Großhandel zum Hilfswerk geworden, die Struktur hat sich komplett verändert“, sagt Pastors. Diesen Prozess hat er mit vorangetrieben.

1987 wurde Pastors Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, 1989 stellvertretender Geschäftsführer und 1997 Geschäftsführer. In dieser Zeit reiste er beruflich viel, etwa nach Afrika und Osteuropa. Dort baute er nach der Wende Netzwerke auf, besuchte Kontakte in Moskau, Kaliningrad, Minsk, Kiew und in der Balkanregion. Ungern, aber sehr deutlich erinnert sich der 63-Jährige an den Kosovokrieg. „Das war übel“, sagt er nur. Für Action Medeor war die Arbeit im Kosovo das erste Projekt in humanitärer Hilfe. Unter anderem wurden mit Mitteln der Europäischen Union Geburtsabteilungen und Kreißsäle in ländlichen Regionen geschaffen. Ausgebaut hat Action Medeor im Laufe der Jahre auch die pharmazeutische Fachberatung. 1996 gab es die erste hauptamtliche Pharmazeutin, heute sind es vier.

Die Mitarbeiter des Vorster Medikamentenhilfswerks sind weltweit im Einsatz, hier im Südsudan. Foto: action medeor/Don Bosco Gumbo

Pastors’ Engagement ging immer über das Vorster Medikamentenhilfswerk hinaus. Die Liste seiner Mandate in Gremien und Aufsichtsorganen ist lang. So ist er unter anderem Vorstandsmitglied von Medicus Mundi International, Gründungsmitglied von Gemeinsam für Afrika, Vorstandsmitglied des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen sowie Aufsichtsratvorsitzender des Kolping-Bildungswerks Aachen. Bei Action Medeor ist er seit 2012 Sprecher des Vorstands.

Rückgrat und Rückzugsort sei für ihn die Kirche. „Dort schöpfe ich Hoffnung“, sagt Pastors, der 16 Jahre lang Presbyter war. Bei all den Katastrophen und Kriegen weltweit werde man bescheiden und demütig. Beispielsweise das Erdbeben in Haiti 2010 mit rund 200.000 Toten habe das Land, dem es eh schon schlimm gehe, noch mal hart getroffen. „Man fragt sich: warum?“, sagt Pastors. Das Elend in der Welt werde man alleine nicht bekämpfen können, aber „ich versuche es im Kleinen“, sagt der 63-Jährige. Seinen Posten als ehrenamtlicher Stiftungsvorsitzender will er behalten. „Als letzte Nabelschnur“, sagt er.

Vieles wird er vermissen, auch die Autofahrt nach Vorst. „Wenn ich von Süchteln nach Vorst fahre, sehe ich auf der rechten Seite die Kopfweiden, links das Wäldchen, den Sportplatz und dann St. Godehard – da erlebt man wirklich die Jahreszeiten“, sagt Pastors. „Das werde ich immer in Erinnerung behalten.“